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Gestank in der Landschaft: Neues Rechenmodell hilft Geruchsbelästigung zu vermeiden

17.01.2012
Produktionsbetriebe, die belästigende Gerüche verbreiten, sind bei der Wohnbevölkerung äußerst unbeliebt.

Ein neues Computermodell, das die Ausbreitung von unangenehmen Gerüchen aus der landwirtschaftlichen Tierhaltung berechnet, unterstützt Planende dabei, Sicherheitsabstände zu Siedlungsgebieten festzulegen. Das neue Modell wurde in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Atmospheric Environment“ veröffentlicht.

Für unseren Wohlstand brauchen wir Industrie, Gewerbe und landwirtschaftliche Tierhaltung, „aber bitte nicht in meiner Nähe“: Das Florianiprinzip feiert heute auch bei der Ansiedlung von Landwirtschafts- und Industriebetrieben fröhliche Urständ. Produktionsanlagen werden zwar als notwendig anerkannt, verbreiten zum Leidwesen der Wohnbevölkerung aber oft unangenehme Gerüche.

Aber wie nahe ist eigentlich „in meiner Nähe“ genau? Günther Schauberger vom Department für Biomedizinische Wissenschaften der Veterinärmedizinischen Universität Wien (Vetmeduni Vienna) hat ein neues mathematisches Modell entwickelt, mit dessen Hilfe geruchssichere Abstände zwischen geplanten Betrieben und Siedlungsgebieten effizient berechnet werden können.

Modell berechnet Sicherheitszone

Eine Vielzahl von Gesetzen legt Mindestabstände zwischen Wohngebieten und den Verursachern unangenehmer Gerüche fest. Um diese Abstände zu berechnen, müssen Planer wiederum eine Vielzahl von Faktoren berücksichtigen: die Menge an Geruchsstoffemission, die tatsächliche störende Wirkung der jeweiligen Gerüche sowie Wind- und Wetterbedingungen, um nur einige zu nennen. Gemeinsam mit Kollegen aus Deutschland hat Schauberger jetzt all diese Parameter in einem einzigen mathematischen Modell zusammengefasst. Ergebnis der nun möglichen Modellrechnungen ist eine Sicherheitszone rund um die betroffenen Betriebe. „Unser Modell rechnet absichtlich konservativ, die Sicherheitsabstände werden eher großzügig festgelegt, um störende Gerüche sicher von der Wohnbevölkerung fern zu halten“, erklärt Schauberger.

Vorschriften vereinfachen

Sein neues Modell kann man auf alle möglichen Arten von Quellen unangenehmer Gerüche anwenden. Für die Regelung von Geruchsemissionen muss eine verwirrende Vielzahl an Vorschriften berücksichtigt werden. In Deutschland beispielsweise gibt es derzeit getrennte Vorschriften für landwirtschaftliche Betriebe, je nachdem, ob sie Schweine, Geflügel und Rinder halten. Dazu kommen gesonderte Regeln für Industriebetriebe, die von einer noch größeren Zahl an Vorschriften betroffen sind. Schaubergers neues Simulationsmodell könnte helfen, diesen regulatorischen Irrgarten deutlich zu vereinfachen.

Grobe wie auch detailreiche Berechnungen möglich

Das neue Modell hat einen weiteren wichtigen Vorteil: „Das Schöne dabei ist, dass man einerseits Berechnungen in einer Art Schnellgang machen kann, quasi auf einem Bierdeckel, mit der man schon gute und brauchbare Einschätzungen bekommt. Werden aber mehr und genauere Prognosedaten benötigt, kann man auch eine detaillierte Berechnung machen, bei der beispielsweise Windrichtung, Windgeschwindigkeit und die Stabilität atmosphärischer Bedingungen berücksichtigt werden.“

Das Florianiprinzip werden auch Schaubergers Ergebnisse nicht abschaffen. Sie könnten aber einen wichtigen Beitrag dazu leisten, dass planerische Entscheidungen – und auch Einsprüche dagegen – auf einer soliden Datenbasis konstruktiv diskutiert werden. Schaubergers Arbeit floss jedenfalls schon in eine Richtlinie des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) ein und wurde vom VDI zudem zur „Richtlinie des Monats September 2011“ gekürt.

Der Artikel “Empirical model derived from dispersion calculations to determine separation distances between livestock buildings and residential areas to avoid odour nuisance” von Günther Schauberger, Rainer Schmitzer, Martin Kamp, Andreas Sowa, Roman Koch, Wilfried Eckhof, Franziska Eichler, Ewald Grimm, Joachim Kypke and Eberhard Hartung wurde in der Zeitschrift “Atmospheric Environment” (2011, Vol. 46, pp.508-515) veröffentlicht. Die Studie wurde von der so genannten VDI-Arbeitsgruppe “Emissions and their Impact from Livestock Operations” erarbeitet, an der auch Forschende von deutschen Behörden und von Privatfirmen beteiligt waren.

Zusammenfassung des wissenschaftlichen Artikels online (Volltext gegen Entgelt oder Subskription):

http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1352231011008454

Rückfragehinweis
Ao.Univ.Prof. Dr. Günther Schauberger, E Gunther.Schauberger@vetmeduni.ac.at,
T +43 1 25077- 4574
Aussender
Mag. Klaus Wassermann, E Klaus.Wassermann@vetmeduni.ac.at, T +43 1 25077-1153

Klaus Wassermann | idw
Weitere Informationen:
http://www.vetmeduni.ac.at

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