Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gefährlicher Schädling bedroht unsere Maisbestände

31.08.2012
Rostocker Forscher eröffnen Alternative zum Maisanbau

Der Maisanbau auf deutschen Feldern ist auf dem Vormarsch. Immer mehr als Energielieferant für Biogasanlagen, aber auch als Futtermittel. Doch jetzt droht eine besondere Gefahr für die Pflanze.

Seit etwa 2007 wurde im Süden Deutschlands der Westliche Maiswurzelbohrer erstmals auch hierzulande entdeckt. „Der greift die Wurzel der Pflanzen an und führt zu enormen Ertragsausfällen“, sagt Prof. Dr. Ralf Uptmoor von der Agrar- und Umweltwissenschaftlichen Fakultät der Universität Rostock.

Der Wissenschaftler rechnet damit, dass der Schädling, der in den 90er Jahren zunächst in Jugoslawien auftrat, sich auch in Richtung Norden ausbreiten wird. Deshalb suchen Rostocker Forscher nach Alternativen zum Mais. Als eine Möglichkeit gilt Sorghumhirse. Wissenschaftler um Professor Uptmoor erforschen seit drei Jahren im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung die Sorghumhirse, die in Rostock auf Versuchsfeldern und im Gewächshaus angebaut wird. Die Aussichten sind viel versprechend.

„Sorghumhirsen, die ihren Ursprung in Äthiopien haben, ähneln im Anbau stark dem Mais, können auch als Energiepflanze oder Futter verwendet werden“, sagt Professor Uptmoor. Sie erreichen Wuchshöhen von bis zu fünf Metern. Es ist eine wichtige Kulturpflanze in Afrika und auch in Südeuropa, Zentralamerika und Südasien. Es wird dort vornehmlich für die Produktion von Mehl und als Futter für Vieh verwendet und ist das Getreide, das 2010 die fünftgrößte Anbaufläche weltweit aufwies – nach Weizen, Mais, Reis und Gerste.

„Die Wurzeln produzieren Blausäure, das könnte der Grund für die Resistenz von Sorghum gegen den Maiswurzelbohrer sein“, sagt Prof. Uptmoor. Deshalb ist sie auch so interessant für die Forscher. Das Problem: Noch ist Sorghum schlecht angepasst an hiesige klimatische Bedingungen, wie beispielsweise tiefere Temperaturen im Mai. Die Toleranz dieser Pflanze besonders gegenüber niedrigen Temperaturen zu verbessern, ist deshalb eine der wichtigsten Herausforderungen für die Wissenschaftler und Prof. Uptmoor. Ein Vorteil: Sorghum kann Trockenperioden besser überstehen als Mais. Auch vor dem Hintergrund, dass die Phosphorvorräte (eine wichtige Nährquelle für Mais) in Mecklenburg-Vorpommern in den nächsten Jahrzehnten abnehmen werden, ist Sorghum interessant für die Rostocker Wissenschaftler und die Landwirtschaft.

„Wir arbeiten daran, dass die Pflanze nährstoffeffizienter wird und sich den hiesigen Bedingungen anpasst“, sagt Prof. Uptmoor. Er testet ein umfangreiches Sortiment von Genotypen der Sorghumhirse. Diese werden während der Aussaat und des Wachstums unterschiedlichen Temperaturen ausgesetzt. „Zudem versuchen wir mit Hilfe des genetischen Fingerabdrucks, die Gene zu identifizieren, die mit Kälteempfindlichkeit und Trockentoleranz in Zusammenhang stehen“, sagt Uptmoor. Für den genetischen Fingerabdruck werden mehrere Abschnitte der Pflanze aus der DNA mit Hilfe einer speziellen Methode vervielfältigt. Einzelne DNA-Sequenzen weisen stark mutierende Wiederholungssequenzen auf. Diese Anzahl wird untersucht. Werden mehrere Abschnitte dieser Regionen untersucht, ergibt sich ein charakteristisches Profil und es lässt sich herausfinden, welche Wiederholungssequenz mit Kühletoleranz in Verbindung steht. „Dann können wir gezielt kühletolerante, aber ertragsschwache Linien mit empfindlichen Hochertragslinien kreuzen und anhand der DNA-Sequenzen kühletolerante Nachkommen mit hohem Ertragspotenzial identifizieren, bevor wir sie im Feld getestet haben“, erläutert Uptmoor. „Am Ende haben wir kühle- und trockentolerante Pflanzen“, gibt er das wissenschaftliche Ziel vor. Bis allerdings Sorten, die perfekt an die hiesigen Umweltbedingungen angepasst sind, auf dem Markt sind, könnten seiner Auffassung nach noch einige Jahre vergehen.

Hintergrund
Weil der Lebenszyklus des Westlichen Maiswurzelbohrers teilweise unter der Erde stattfindet, kann man ihn nur schwer bekämpfen. Im vergangenen Jahr tauchte der Schädling besonders häufig im Süden Deutschlands auf. Er ist nach Einschätzung von Experten weltweit der kostenintensivste landwirtschaftliche Einzelschädling. In den USA bezeichnet man ihn deshalb als „Eine-Milliarde-Dollar-Käfer“. Seine Hauptwirtspflanze ist der Mais. Auf Grund seiner großen wirtschaftlichen Bedeutung gilt der Maiswurzelbohrer innerhalb der EU seit 1996 als Quarantäneschädling. Durch diese Einstufung gelten gesetzliche Vorschriften und Ausrottungsmaßnahmen, die bei einem Auftreten des Käfers sofort in Kraft treten müssen, um einer Ausbreitung entgegen zu wirken.

Kontakt:
Universität Rostock
Agrar- und Umweltwissenschaftliche Fakultät
Prof. Dr. Ralf Uptmoor
Fon: +49 (0)381 498 3060
Mail: ralf.uptmoor@uni-rostock.de

Presse+Kommunikation
Dr. Ulrich Vetter
Fon: +49 (0)381 498 1013
Mail: ulrich.vetter@uni-rostock.de

Ingrid Rieck | Universität Rostock
Weitere Informationen:
http://www.uni-rostock.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Feuerbrand bekämpfen und Salmonellen nachweisen
14.06.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

nachricht Das Potenzial nichtheimischer Baumarten für den forstlichen Anbau in Deutschland sachlich prüfen
14.06.2017 | Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kohlenstoff-Nanoröhrchen verwandeln Strom in leuchtende Quasiteilchen

Starke Licht-Materie-Kopplung in diesen halbleitenden Röhrchen könnte zu elektrisch gepumpten Lasern führen

Auch durch Anregung mit Strom ist die Erzeugung von leuchtenden Quasiteilchen aus Licht und Materie in halbleitenden Kohlenstoff-Nanoröhrchen möglich....

Im Focus: Carbon Nanotubes Turn Electrical Current into Light-emitting Quasi-particles

Strong light-matter coupling in these semiconducting tubes may hold the key to electrically pumped lasers

Light-matter quasi-particles can be generated electrically in semiconducting carbon nanotubes. Material scientists and physicists from Heidelberg University...

Im Focus: Breitbandlichtquellen mit flüssigem Kern

Jenaer Forschern ist es gelungen breitbandiges Laserlicht im mittleren Infrarotbereich mit Hilfe von flüssigkeitsgefüllten optischen Fasern zu erzeugen. Mit den Fasern lieferten sie zudem experimentelle Beweise für eine neue Dynamik von Solitonen – zeitlich und spektral stabile Lichtwellen – die aufgrund der besonderen Eigenschaften des Flüssigkerns entsteht. Die Ergebnisse der Arbeiten publizierte das Jenaer Wissenschaftler-Team vom Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT), dem Fraunhofer-Insitut für Angewandte Optik und Feinmechanik, der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Helmholtz-Insituts im renommierten Fachblatt Nature Communications.

Aus einem ultraschnellen intensiven Laserpuls, den sie in die Faser einkoppeln, erzeugen die Wissenschaftler ein, für das menschliche Auge nicht sichtbares,...

Im Focus: Flexible proximity sensor creates smart surfaces

Fraunhofer IPA has developed a proximity sensor made from silicone and carbon nanotubes (CNT) which detects objects and determines their position. The materials and printing process used mean that the sensor is extremely flexible, economical and can be used for large surfaces. Industry and research partners can use and further develop this innovation straight away.

At first glance, the proximity sensor appears to be nothing special: a thin, elastic layer of silicone onto which black square surfaces are printed, but these...

Im Focus: 3-D scanning with water

3-D shape acquisition using water displacement as the shape sensor for the reconstruction of complex objects

A global team of computer scientists and engineers have developed an innovative technique that more completely reconstructs challenging 3D objects. An ancient...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

2. Spitzentreffen »Industrie 4.0 live«

25.07.2017 | Veranstaltungen

Gipfeltreffen der String-Mathematik: Internationale Konferenz StringMath 2017

24.07.2017 | Veranstaltungen

Von atmosphärischen Teilchen bis hin zu Polymeren aus nachwachsenden Rohstoffen

24.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

IT-Experten entdecken Chancen für den Channel-Markt

25.07.2017 | Unternehmensmeldung

Erst hot dann Schrott! – Elektronik-Überhitzung effektiv vorbeugen

25.07.2017 | Seminare Workshops

Dichtes Gefäßnetz reguliert Bildung von Thrombozyten im Knochenmark

25.07.2017 | Biowissenschaften Chemie