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Forschungsprojekt zur Züchtung krautfäuleresistenter Kartoffeln für den Ökolandbau gestartet

20.08.2012
Julius Kühn-Institut steuert Ausgangszuchtmaterial bei

Der vielfältige Einsatz von Kartoffeln in der Küche hat in Deutschland eine lange Tradition. Fast ebenso lange dauert der Kampf auf dem Feld gegen die Kraut- und Knollenfäule an. Die Kartoffelkrankheit wird von dem Erreger Phytophthora infestans verursacht.


Phytophthora infestans-Infektion am Blatt
T. Hammann/Julius-Kühn-Institut

Trotz über 50-jähriger intensiver Züchtungsbemühungen gibt es weltweit keine gegen die Krautfäule dauerhaft resistenten Speisekartoffelsorten. Das bedeutet in der landwirtschaftlichen Praxis bis zu 19 Pflanzenschutzmittelanwendungen. Im ökologischen Anbau kommen meist kupferhaltige Pflanzenschutzmittel zum Einsatz. Da sich das Metall im Boden anreichert, setzen besonders Öko-Landwirte große Hoffnungen auf resistente Sorten. Solche zu züchten, hat sich ein neuer Forschungsverbund auf die Fahnen geschrieben.

Die deutschen Experten zur Kartoffelzüchtung auf Krautfäule-Resistenz haben sich zusammengetan, um gemeinsam mit Bioberatern und Ökolandwirten der bedeutendsten Kartoffelkrankheit entgegen zu treten. Ihre Forschungs- und Entwicklungsarbeit wird durch das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMELV) im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN) gefördert.
Für die angestrebte Entwicklung von krautfäuleresistentem Zuchtmaterial sind Kartoffelklone aus dem Julius Kühn-Institut in Groß Lüsewitz von besonderer Bedeutung. Die Klone aus dem JKI-Prebreeding-Programm zeichnen sich durch eine hohe quantitative Widerstandsfähigkeit gegen Phytophthora infestans aus. „Besonderen Wert legen wir auf eine dauerhafte Widerstandsfähigkeit, die nicht gleich wieder vom Schaderreger gebrochen wird. Außerdem möchten wir den neuen Sorten zusätzliche Abwehrmechanismen gegen weitere Kartoffelkrankheiten und Schädlinge mit in die Wiege legen“, erklärt Dr. Thilo Hammann vom Julius Kühn-Institut.

Ein weiteres Projektziel an dem die Züchtungsforscher des JKI mitarbeiten ist, die Kartoffelpflanzen auf Genomebene näher zu untersuchen. Um den langwierigen Züchtungsprozess zu beschleunigen, müssen die guten Anlagen der Pflanzen möglichst früh auf der Ebene der Gene erkannt werden. Das Verfahren, das es zu etablieren gilt, heißt „markergestützte Selektion“.
Ein weiterer neuer Ansatz des Projekts ist die direkte Beteiligung der Biobauern am Züchtungsprozess. Die Auslese von Pflanzen auf Ökostandorten setzt die Forderung der ökologischen Pflanzenzüchtung um, eng in den Züchtungsprozess mit eingebunden zu werden. Dass es zum Ende des Projekts in drei Jahren noch keine neue, resistente Sorte geben wird, ist den Partnern angesichts der mühsamen Vorlaufforschung und des langwierigen Zuchtprozesses klar. Zumal die Sorte ja auch noch schmecken soll. Der entstehende Verbund ist jedoch ein wichtiger erster Schritt auf dem Weg zu neuen, resistenten und wohlschmeckenden Kartoffeln, die letztlich nicht nur dem Öko-Anbau zu Gute kommen werden.

Hintergrundinformation zum Projekt:
Beteiligt sind neben dem Julius Kühn-Institut (JKI) die Kartoffel-Genbank des Leibniz-Institutes für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK), Kartoffelzüchtungsunternehmen der Gemeinschaft zur Förderung der privaten deutschen Pflanzenzüchtung (GFP), die Bioverbände Naturland e.V., Bioland Beratung GmbH, Ökoring Niedersachsen e.V., drei Ökobetriebe aus Bayern und Niedersachsen sowie die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) in Freising. Letztere hat die Gesamtkoordination inne. Die Förderung erfolgt über den Projektträger Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE), BÖLN, Projektnummer:2810OE121, Laufzeit: 01.04.2012 – 31.03.2015

Wissenschaftlicher Ansprechpartner :
Dr. Thilo Hammann
Julius Kühn-Institut (JKI), Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen
Institut für Züchtungsforschung an landwirtschaftlichen Kulturen
Rudolf-Schick-Platz 3a, OT Groß Lüsewitz, 18190 Sanitz
Tel.: 038209 45-309
E-Mail: zl@jki.bund.de

Stefanie Hahn | Julius Kühn-Institut
Weitere Informationen:
http://www.jki.bund.de

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