Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Forscherteam entwickelt Modell für sozial-ökologische Veränderungsprozesse

06.11.2014

Seit Beginn der Menschheitsgeschichte sind Mensch und Natur eng miteinander verbunden, sie bilden ein „sozial-ökologisches System“. Bevölkerungswachstum, technologischer Fortschritt und Urbanisierung verändern diese Systeme auf der ganzen Welt grundlegend.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitäten Kapstadt, Kassel und Göttingen haben ein Modell entwickelt, mit dem sich die Ursachen und Konsequenzen dieser Prozesse weltweit und auf verschiedenen Ebenen vergleichen lassen. Die Ergebnisse wurden als Titelbeitrag in der Fachzeitschrift Nature veröffentlicht.


Luftaufnahme eines Gemüsemarktes in Boubon (Niger)

(Foto: Bürkert, Soumana/Uni Kassel)

Jahrhundertelang waren Agrargesellschaften darauf angewiesen, ihre unmittelbare Umgebung so nachhaltig wie möglich zu nutzen, da ihr eigenes Überleben davon abhing. Mit der Entstehung von Städten und der Industrialisierung veränderte sich das Verhältnis zwischen Mensch und Natur grundlegend, und mit weltweit fortschreitendem Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum gewinnen diese Veränderungen zunehmend an Bedeutung.

„Um eine Übernutzung der natürlichen Ressourcen zu verhindern, sind neue Regularien und Institutionen nötig“, so das Autorenteam.

Das nun entwickelte Modell ermöglicht den Vergleich von sozial-ökologischen Systemen auf verschiedenen Ebenen, seien es individuelle Haushalte, Landnutzungssysteme, Städte oder ganze Staaten. Solange eine nachhaltige Nutzung eines Ökosystems das soziale System stabilisiert und umgekehrt, wird dieser Zustand als „Loop“ (Schleife) bezeichnet.

Eine „Trap“ (Falle) hingegen ist durch Übernutzung und fortschreitende Degradierung des Ökosystems gekennzeichnet, die letztlich zum Zusammenbruch der gesellschaftlichen Ordnung führen kann. Darüber hinaus unterscheiden die Forscher zwischen rural geprägten Systemen (Green Loop/Green Trap) und urban geprägten (Red Loop/Red Trap).

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler überprüfen das Model in ihrem Artikel anhand von drei Fallstudien. Aus Schweden sind für die vergangenen 250 Jahre umfangreiche Daten zur Entwicklung der Land- und Volkswirtschaft verfügbar, an denen sich ein erfolgreicher Übergang vom Green Loop zum Red Loop belegen lässt – also von einem ausgeglichenen rural geprägten System zu einem ausgeglichenen urban geprägten.

Im Niger hingegen, einem Land, das noch zu Beginn der 1960er-Jahre von Hirten und Ackerbauern geprägt war und Merkmale eines Green Loop aufwies, führen Bevölkerungswachstum und Urbanisierung immer mehr zu einer Green Trap. Und der Großraum Peking, eines der in den vergangenen Jahrzehnten weltweit am stärksten expandierenden Ballungsgebiete, zeigt inzwischen Anzeichen einer ökologischen Krise, die die Stadt von einem Red Loop in eine Red Trap treiben könnte, falls nicht rechtzeitig steuernd eingegriffen wird.

„Um die Veränderungen in sozial-ökologischen Systemen zu verstehen, benötigen wir eine disziplinübergreifende Theorie zu voneinander abhängigen ökologischen und gesellschaftlichen Prozessen“, erläutern die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. „Nur so haben wir eine realistische Chance, maßgebliche Veränderungen rechtzeitig zu erkennen und langfristig ökologisch nachhaltiger und sozial gerechter steuern zu können.“

Das englischsprachige Nature-Magazin ist eine der angesehensten Fachzeitschriften für Naturwissenschaften weltweit.

Originalveröffentlichung: Graeme S. Cumming, Andreas Buerkert, Ellen M. Hoffmann, Eva Schlecht, Stephan von Cramon-Taubadel and Teja Tscharntke. Implications of agricultural transitions and urbanization for ecosystem services. Nature 2014. DOI: 10.1038/nature13945.

Kontaktadressen:

Prof. Dr. Andreas Bürkert
Universität Kassel
Ökologische Agrarwissenschaften
Steinstraße 19, 37213 Witzenhausen
Telefon (05542) 98-1228 oder -1251
E-Mail: buerkert@uni-kassel.de
http://www.uni-kassel.de/fb11agrar/en/sections/opats/home.html

Prof. Dr. Stephan von Cramon-Taubadel
Universität Göttingen
Department für Agrarökonomie und Rurale Entwicklung
Lehrstuhl für Agrarpolitik
Platz der Göttinger Sieben 5
37073 Göttingen
Telefon (0551) 39-22872
E-Mail: scramon@gwdg.de
www.uni-goettingen.de/de/18660.html


Weitere Informationen:

http://www.uni-kassel.de/uni/nc/universitaet/nachrichten/article/gleichgewicht-zwischen-mensch-und-natur-forscherteam-entwickelt-modell-fuer-sozial-oekologische-ver.html

Sebastian Mense | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Innovationen für eine nachhaltige Forstwirtschaft
06.12.2016 | Steinbeis-Europa-Zentrum

nachricht Die smarte klassische Landhausvilla
28.11.2016 | Bau-Fritz GmbH & Co. KG, seit 1896

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie