Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Forscher wollen Roggen im Ökologischen Landbau gegen Schwarzrost wappnen

13.08.2012
Projektstart: Julius Kühn-Institut (JKI) Partner im nationalen Forschungsverbund zu ökologischen Züchtungsmethoden bei Roggen. Obwohl Krankheit in Deutschland noch wenig verbreitet ist, wurde bereits eine Vielzahl unterschiedlicher Schwarzrost-Rassen gefunden.

Roggen ist das Getreide, das von ökologisch wirtschaftenden Landwirten bevorzugt angebaut wird. Es deckt den Boden früh gut und unterdrückt so lästige Unkräuter. Auch an der Widerstandsfähigkeit des Roggens gegen Schadpilze war bisher nichts zu deuteln. Wegen trockener und heißer Frühsommer wird er jedoch nun häufiger von Schwarzrost befallen.


Starker Schwarzrostbefall an anfälliger Roggensorte
Foto: Miedaner/Uni Hohenheim

Die Krankheit ist aus den Steppen Russlands und anderen kontinentalen Klimaten bekannt. In Teilen Brandenburgs findet man Roggenschwarzrost (Puccinia graminis f. sp. secalis) seit mehreren Jahren in den Beständen. In Süddeutschland trat er im Jahr 2000 erstmals epidemisch auf. Im Öko-Landbau kann dem Schwarzrostproblem nur mit widerstandsfähigen Roggensorten begegnet werden, die bisher in Deutschland nicht zur Verfügung stehen. Hier setzt ein neues Forschungsprojekt an, das vom Julius Kühn-Institut (JKI) koordiniert wird.

„Vor etwa zwei Jahren erbrachten unsere routinemäßigen Untersuchungen zu Getreiderosten ein alarmierendes Ergebnis“, berichtet die Koordinatorin Dr. Kerstin Flath aus dem JKI. Obwohl die Krankheit in Deutschland wenig verbreitet ist, fand sie bereits eine Vielzahl unterschiedlicher Rassen, von denen einige im Keimlingstest überraschend aggressiv reagierten.
Das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMELV) reagierte, indem es einen nationalen Forschungsverbund zum Thema „Kontrolle des Roggenschwarzrostes im Ökologischen Landbau durch Züchtung resistenten Roggens“ fördert. Ziel ist es, ressourcenschonende und nachhaltige Bekämpfungsstrategien zu entwickeln.

„Ein Beitrag des JKI besteht darin, die Zusammensetzung der aktuellen Schwarzrostpopulationen in der ökologischen und konventionellen Landwirtschaft zu analysieren“, so Dr. Flath.Die Mykologen vom JKI versorgen die Partner mit aktuellem Sporenmaterial, das für umfangreiche Feldprüfungen eingesetzt wird. Zusätzlich werden innovative Jungpflanzentests entwickelt, die eine rasche und sichere Auswahl resistenter Einzelpflanzen ermöglichen. „Das ist der erste Schritt für eine erfolgreiche Resistenzzüchtung gegen diesen neuen Schadpilz“, berichtet Dr. Flath.

Im Projekt wird auch in alten Landsorten und ausländischen Zuchtsorten aus Osteuropa nach wirksamen Resistenzgenen gesucht. Dazu bauen die Projektpartner potenzielle Resistenzträger an sechs Standorten in Deutschland an, infizieren diese künstlich und beobachten den Befall. Die Bedingungen waren 2012 ideal für Schwarzrostbefall. Roggenstämme, die unter diesen harten Freilandbedingungen Resistenz zeigen, werden im Labor weiter geprüft. Das JKI analysiert resistente Einzelpflanzen mit möglichst vielen, hochaggressiven Schwarzrostrassen. „Denn die Gene müssen eine dauerhafte Resistenz bewirken, wenn sie erfolgreich in der Züchtung eingesetzt werden sollen“, erläutert Dr. Flath. Wird dies bereits im Jungpflanzenstadium erkannt, beschleunigt das den Zuchtfortschritt erheblich.

Hintergrundinformationen zum Projekt:
Das Projekt wird mit Bundesmitteln in Höhe von 177.387 Euro gefördert. Es startete vor einem Jahr und läuft bis zum Sommer 2014. Die Förderung erfolgt über das „Bundesprogramm Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN)“. Beteiligt sind die Forschung & Züchtung Dottenfelderhof in der LBS Dottenfelderhof e.V., die Landessaatzuchtanstalt der Universität Hohenheim und das Julius Kühn-Institut im Verbund mit der KWS LOCHOW GmbH.

Hintergrundinformation zum Schwarzrost:
Der Schwarzrost ist aggressiver als der verbreitete Braunrost. Er tritt vorzugsweise am Stängel auf, führt zum Aufplatzen der Epidermis und zerstört die Leitungsbahnen der Pflanzen. Bei anfälligen Sorten kann zur Ernte hin der gesamte Stängel mit den hochinfektiösen Pilzsporen bedeckt sein. Dies ist für Roggen besonders schädlich, weil er einen Großteil seiner Nähstoffe, die er im Korn anreichert, über den Stängel requiriert. Im konventionellen Anbau wird Schwarzrost mit einem erheblichen Fungizidaufwand bekämpft. Ähnlich wie der Weizenschwarzrost, der in Ostafrika und Teilen Vorderasiens zu Totalausfällen führt, kann auch der Roggenschwarzrost zu drastischen Ertragsverlusten führen.

Ihre wissenschaftlichen Ansprechpartnerinnen:
Dr. Kerstin Flath und Dr. Bettina Klocke
Julius Kühn-Institut (JKI), Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen
Institut für Pflanzenschutz in Ackerbau und Grünland
Stahnsdorfer Damm 81, 14532 Kleinmachnow
E-Mail: kerstin.flath(at)jki.bund.de

Stefanie Hahn | idw
Weitere Informationen:
http://www.jki.bund.de
http://www.jki.bund.de/de/startseite/institute/pflanzenschutz-ackerbau-und-gruenland/arbeitsgruppen/mykologie-bakteriologie-und-virolog

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Neue Perspektive für die Gesundheit der Bäume
15.06.2018 | Hochschule Ostwestfalen-Lippe

nachricht Plant3, Zukunftsstrategie für Landwirtschaft, Fischerei und Weiterverarbeitung in Nordosdeutschland
25.05.2018 | Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: AchemAsia 2019 in Shanghai

Die AchemAsia geht in ihr viertes Jahrzehnt und bricht auf zu neuen Ufern: Das International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production findet vom 21. bis 23. Mai 2019 in Shanghai, China statt. Gleichzeitig erhält die Veranstaltung ein aktuelles Profil: Die elfte Ausgabe fokussiert auf Themen, die für Chinas Prozessindustrie besonders relevant sind, und legt den Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit und Innovation.

1989 wurde die AchemAsia als Spin-Off der ACHEMA ins Leben gerufen, um die Bedürfnisse der sich damals noch entwickelnden Iindustrie in China zu erfüllen. Seit...

Im Focus: AchemAsia 2019 will take place in Shanghai

Moving into its fourth decade, AchemAsia is setting out for new horizons: The International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production will take place from 21-23 May 2019 in Shanghai, China. With an updated event profile, the eleventh edition focusses on topics that are especially relevant for the Chinese process industry, putting a strong emphasis on sustainability and innovation.

Founded in 1989 as a spin-off of ACHEMA to cater to the needs of China’s then developing industry, AchemAsia has since grown into a platform where the latest...

Im Focus: Li-Fi erstmals für das industrielle Internet der Dinge getestet

Mit einer Abschlusspräsentation im BMW Werk München wurde das BMBF-geförderte Projekt OWICELLS erfolgreich abgeschlossen. Dabei wurde eine Li-Fi Kommunikation zu einem mobilen Roboter in einer 5x5m² Fertigungszelle demonstriert, der produktionsübliche Vorgänge durchführt (Teile schweißen, umlegen und prüfen). Die robuste, optische Drahtlosübertragung beruht auf räumlicher Diversität, d.h. Daten werden von mehreren LEDs und mehreren Photodioden gleichzeitig gesendet und empfangen. Das System kann Daten mit mehr als 100 Mbit/s und fünf Millisekunden Latenz übertragen.

Moderne Produktionstechniken in der Automobilindustrie müssen flexibler werden, um sich an individuelle Kundenwünsche anpassen zu können. Forscher untersuchen...

Im Focus: First real-time test of Li-Fi utilization for the industrial Internet of Things

The BMBF-funded OWICELLS project was successfully completed with a final presentation at the BMW plant in Munich. The presentation demonstrated a Li-Fi communication with a mobile robot, while the robot carried out usual production processes (welding, moving and testing parts) in a 5x5m² production cell. The robust, optical wireless transmission is based on spatial diversity; in other words, data is sent and received simultaneously by several LEDs and several photodiodes. The system can transmit data at more than 100 Mbit/s and five milliseconds latency.

Modern production technologies in the automobile industry must become more flexible in order to fulfil individual customer requirements.

Im Focus: ALMA entdeckt Trio von Baby-Planeten rund um neugeborenen Stern

Neuartige Technik, um die jüngsten Planeten in unserer Galaxis zu finden

Zwei unabhängige Astronomenteams haben mit ALMA überzeugende Belege dafür gefunden, dass sich drei junge Planeten im Orbit um den Säuglingsstern HD 163296...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Simulierter Eingriff am virtuellen Herzen

18.06.2018 | Veranstaltungen

Künstliche Intelligenz – Schafft der Mensch seine Arbeit ab?

15.06.2018 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Asteroidenforschung in Garching

13.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neuer Abwehrmechanismus gegen Sauerstoffradikale entdeckt

18.06.2018 | Biowissenschaften Chemie

Umwandlung von nicht-neuronalen Zellen in Nervenzellen

18.06.2018 | Biowissenschaften Chemie

Im Fußballfieber: Rittal Cup verspricht Spannung und Spaß

18.06.2018 | Unternehmensmeldung

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics