Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Fledermäuse düngen tropische Bäume - eine "win-win" Situation im Regenwald

10.06.2015

Fledermäuse in den Tropen düngen Bäume mit ihren Ausscheidungen. Ein internationales Forscherteam fand heraus, dass die Samen einer tropischen Baumart Nährstoffe aus Exkrementen von Fledermäusen enthalten. Die Studie wurde jetzt in dem wissenschaftlichen Fachjournal „Biotropica“ veröffentlicht.

Viele tropische Ökosysteme sind arm an Nährstoffen. Besonders Stickstoff und Phosphor sind enorm wichtig für das Wachstum von Pflanzen. Ihre Verfügbarkeit begrenzt die Produktionsleistung der Pflanzen. Frühere Studien zeigten, dass Pflanzen in nährstoffarmen Umwelten in großem Umfang Nährstoffe tierischen Ursprungs nutzen.


Nährstofflieferant für Tropenbäume: Fledermaus Carollia perspicillata.

Foto: IZW/Christian C. Voigt

Ob auch Bäume Nährstoffe aus Fledermausexkrementen aufnehmen, war bisher noch nicht bekannt. Fledermäuse sind stark auf Baumhöhlen angewiesen, da sie diese tagsüber als Schlafplätze nutzen. Dabei entleeren sie auch ihren Darm in die Hohlräume der Baumstämme. Der sogenannte Fledermausguano, welcher aus den Exkrementen der Fledermäuse besteht, ist sehr reich an Nährstoffen, wobei sich die Zusammensetzung je nach Ernährungsgewohnheit der Fledermäuse unterscheidet.

Christian Voigt vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) in Berlin und Wissenschaftler der Universität Tel Aviv, sowie der Biologischen Station Doñana in Sevilla erforschten in ihrer Studie, ob tropische Bäume davon profitieren, wenn sich Fledermäuse in bodennahen Hohlräumen der Baumstämme aufhalten. Hierfür untersuchten die Forscher in einem Atlantischen Tieflandregenwald in Costa Rica Bäume der Waldmandel (Dipteryx panamensis), welche häufig von verschiedenen insektenfressenden, fruchtfressenden und blutleckenden Fledermausarten als Unterschlupf genutzt werden.

Um zu testen, ob die Bäume davon profitieren, indem sie Nährstoffe aus den Fledermausexkrementen in ihre Samen einlagern, analysierten die Wissenschaftler eine besondere Form von Stickstoff aus den Samenschalen, das stabile Isotop 15N. Diese Stickstoffform ist von Natur aus in größerer Menge im Gewebe und den Ausscheidungen von Fledermäusen enthalten.

Durch die Analyse stellten die Wissenschaftler fest, dass die Samen von Bäumen, welche Fledermäuse beherbergen, mehr mit Stickstoff angereichert sind, als die Samen von Bäumen ohne Fledermausschlafplätze. „Dadurch konnten wir den Weg des Stickstoffs aus dem Fledermausguano hinein in die Samenschalen der Waldmandelbäume aufspüren“, erklärt Voigt. „Der Stickstoff wird vermutlich von einem feinen Wurzelgeflecht aufgenommen, welches wir in allen natürlichen Baumhöhlen finden konnten.“

Die Ergebnisse der Studie deuten außerdem daraufhin, dass größere Fledermauskolonien mehr Nährstoffe für die Bäume liefern als kleine Kolonien. Auch die Artenzusammensetzung der Kolonien scheint eine Rolle zu spielen. So stellen Kolonien mit Vampirfledermäusen, die sich vom Blut anderer Tiere ernähren, mehr Stickstoff für die Bäume bereit als Kolonien ohne Vampirfledermäuse.

Viele der Fledermausarten, welche die untersuchten Bäume im Regenwald als Schlafplätze nutzen, finden ihre Nahrung außerhalb des Waldes, beispielsweise auf Weiden. Somit können sie Nährstoffe von nahe gelegenen Gebieten in die Hohlräume der tropischen Bäume übertragen und dienen wohlmöglich als mobile Nährstoff-Bindeglieder in tropischen Ökosystemen.

Publikation:
Voigt CC, Borrisov I, Kelm DH (2015): Bats fertilize roost trees. BIOTROPICA.
http://onlinelibrary.wiley.com/journal/10.1111/%28ISSN%291744-7429/earlyview


Kontakt:
PD Dr. Christian C. Voigt
Tel.: +49 (0)30 5168-517
voigt@izw-berlin.de

Steven Seet (Pressesprecher)
Tel.: +49 (0)177 857 26 73
seet@izw-berlin.de

Leibniz-Institut für Zoo und Wildtierforschung (IZW)
Alfred-Kowalke-Str. 17
10315 Berlin

Das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) ist eine national und international renommierte Forschungseinrichtung, die anwendungsorientierte und interdisziplinäre Grundlagenforschung in den Bereichen Evolutionsökologie und -genetik, Wildtierkrankheiten, sowie Reproduktionsbiologie und -management bei Zoo- und Wildtieren betreibt. Aufgabe des IZW ist die Erforschung der Vielfalt der Lebensweisen, der Mechanismen evolutionärer Anpassungen und der Anpassungsgrenzen inklusive Krankheiten von Zoo- und Wildtieren in und außerhalb menschlicher Obhut sowie ihrer Wechselbeziehungen mit Mensch und Umwelt. Die gewonnenen Erkenntnisse sind Voraussetzung für einen wissenschaftlich begründeten Artenschutz und für Konzepte der ökologischen Nachhaltigkeit der Nutzung natürlicher Ressourcen. Das IZW gehört zum Forschungsverbund Berlin e.V. (FVB), einem Zusammenschluss von acht natur-, lebens- und umweltwissenschaftlichen Instituten in Berlin. In ihnen arbeiten mehr als 1.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die vielfach ausgezeichneten Einrichtungen sind Mitglieder der Leibniz-Gemeinschaft.

Weitere Informationen:

http://www.izw-berlin.de

Karl-Heinz Karisch | Forschungsverbund Berlin e.V.

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Feuerbrand bekämpfen und Salmonellen nachweisen
14.06.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

nachricht Das Potenzial nichtheimischer Baumarten für den forstlichen Anbau in Deutschland sachlich prüfen
14.06.2017 | Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften