Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Farming 4.0: Bleibt der Landwirt auf der Strecke?

05.11.2015

Die Integration digitaler Produktionsmittel ist in der Landwirtschaft schon viel weiter als in der übrigen Wirtschaft. Und sie schreitet in ihrer Entwicklung - vom Konsumenten weitgehend unentdeckt - weiter voran, bemerkte Michael Horper, Vorsitzender der Plattform "Landwirtschaft und Verkehr" von Landmaschinenverbänden, Lohnunternehmen, dem Raiffeisen- und dem Deutschen Bauernverband in Berlin auf der Tagung "Big Data, Landwirtschaft 4.0 & Precision Farming - Wo geht die Reise hin?".

Mit Farming 4.0 kann die Landwirtschaft auch bei Verbrauchern punkten. Teilspezifische Flächenbearbeitungen von Aussaat, Düngung und Pflanzenschutzbehandlung, aber auch die Abfrage des Gesundheitsstatus von Milchkühen im Melkkarussell senken den Rohstoffeinsatz und erkennen Defizite beim Tierwohl. Doch das alleine ist noch nicht die Ebene des Farming 4.0. Mittlerweile gibt es mehr als 50 Farmmanagementsysteme, die aus allen Betriebszweigen Daten sammeln und zusammen führen.

Richtig spannend wird die Entwicklung, wenn die Daten den Hof verlassen. So könnte die Agrochemie anhand von Sensoren Mischungen, Abstandsregelungen und Spritzmengen an der Düse selbst steuern und Verantwortung übernehmen.

Am Landwirt vorbei, unterstrich der niederländische Ökonom Krijn Poppe von der Universität Wageningen. Seiner Ansicht nach sind die Daten an sich heute nicht mehr das Problem. Aber die Schnittstellen. Diese sind mit Kosten verbunden und können bei Überwindung der Barrieren einen Mehrwert für neue Dienstleister bieten.

Beispiel USA: Dort degradiere Monsanto seine Landwirte mit Sortenwahl und Anbauvorschriften zu Vertragsbauern. Landwirte haben sich als Reaktion darauf zum Farmers Business Network (FBN) zusammengeschlossen und führen Anbaudaten von mehr als zwei Millionen Hektar Fläche in einer Cloud zusammen. Google hat den Wert dieser Daten erkannt und das FBN für viele Millionen US-Dollar aufgekauft.

Bei einem weiteren amerikanischen Modell "Farmmobile" werden Daten von Maschinen gesammelt und für Entscheidungen zur Verfügung gestellt. Die Landwirte behalten dabei die Hoheit und erlauben die Nutzung ihrer Daten gegen Entgelt. Krijn Poppe ist aber skeptisch. Ertragsdaten alleine haben kaum Mehrwert. Der entstehe erst in Zusammenhang mit weiteren Informationen über beispielsweise Lagerbestände und Preisentwicklung. Diese Daten fallen aber nicht auf dem Betrieb an.

Daher stellt sich die Frage, ob die Landwirte beim Farming 4.0 neben einer Senkung der Arbeitskosten durch effiziente Inputnutzung auch anderweitig profitieren. Das allerdings blieb auf der Tagung offen.

Für unbequeme Klarheit sorgte hingegen Rechtsanwalt Dr. Christian Halm: Rechtlich geschützt sind nur personenbezogene Daten. Alle Maschinendaten fallen noch nicht einmal unter das Geschäftsgeheimnis. Die Grenze ist fließend, wenn der Lohnunternehmer mit dem Aufzeichnen des Arbeitseinsatzes der Maschinen für die Abrechnung auch das Pausenverhalten des Fahrers ablesen kann.

Die Agritechnica 2015 wird zeigen, wie ein Fahrzeugpark übergreifend anhand gesammelter Daten verfolgt werden kann. Dann sieht der Kunde, welcher Mähdrescher das Korn erntete, welcher Lkw es vom Feld transportierte, welche Mühle das Mehl erzeugte und welcher Bäcker das Brot buk. So gläsern wie die Landwirtschaft ist kaum ein anderer Wirtschaftszweig. Der Rechtsrahmen jedoch hinkt der digitalen Integration hinterher.

Roland Krieg, www.aid.de

Roland Krieg | www.aid.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Julius Kühn-Institut etabliert Forschungszentrum für landwirtschaftliche Fernerkundung (FLF)
22.03.2017 | Julius Kühn-Institut, Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen

nachricht Im Drohnenflug dem Wasser auf der Spur
03.03.2017 | Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

Zweites Symposium 4SMARTS zeigt Potenziale aktiver, intelligenter und adaptiver Systeme

27.03.2017 | Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fließender Übergang zwischen Design und Simulation

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Industrial Data Space macht neue Geschäftsmodelle möglich

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Neue Sicherheitstechnik ermöglicht Teamarbeit

27.03.2017 | HANNOVER MESSE