Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Etabliert sich der Götterbaum bald in der ganzen Schweiz?

03.09.2015

Der in der Schweiz gebietsfremde Götterbaum (Ailanthus altissima) kommt nicht nur in der Südschweiz, sondern inzwischen auch in zahlreichen Wäldern nördlich der Alpen vor. Dies zeigt eine neue an der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL erstellte Verbreitungskarte.

Im Rahmen eines von der WSL und dem Bundesamt für Umwelt BAFU finanzierten Projektes wurden erstmals umfangreiche Daten zur Verbreitung des Götterbaumes in der Schweiz aus verschiedenen Datenbanken zusammengetragen, durch aktuelle Beobachtungen ergänzt und in einer nationalen Karte dargestellt.


Der Götterbaum beschädigt Bauten und Infrastruktur. Zürich, Gessnerallee und…


Der Götterbaum dringt in einen Waldbestand in Pratval bei Thusis (GR) ein.

Foto: Daniela Gurtner (WSL)

Die Karte zeigt deutlich: die meisten Götterbäume wachsen in dicht besiedelten Gegenden. Die Baumart verbreitet sich vor allem entlang der Hauptverkehrsachsen und Seen. Ursprünglich wurde der Baum wegen seiner Salz- und Trockenheitstoleranz vor allem in Städten und Gärten angepflanzt, von wo aus er verwilderte.

Ältere Exemplare produzieren unterdessen viele Samen, was die Ausbreitung des Götterbaumes in die wärmeren Gebiete des Mittellandes und die Föhntäler fördert. Die wärmeliebende Art wächst zwar überwiegend in den tieferen Lagen bis ca. 600 m.ü.M., im Tessin jedoch kommen einzelne Exemplare schon bis in eine Höhe von 1300 m.ü.M. vor.

Götterbäume im Wald: in 11 Kantonen nördlich der Alpen

Der Götterbaum dringt auf der Alpensüdseite zunehmend in die durch Sommerdürren, Schadinsekten und Pilze sowie Waldbrände gestörten Edelkastanienwälder ein. Nördlich der Alpen kam die aus Ostasien stammende Baumart bis vor wenigen Jahren nur in Siedlungsräumen vor (siehe Karte).

Die Forschenden stellten nun überraschenderweise fest, dass der Götterbaum unterdessen an 90 Orten auch im Wald wächst, wo er durch seine starke Wüchsigkeit in jungen Jahren (1-2m Höhenzuwachs pro Jahr) in Zukunft einheimische Baumarten bedrängen kann.

Darüber hinaus gibt es Anzeichen, dass er in Alpentälern die Schutzwirkung von Wäldern gegen Naturgefahren verringern könnte, weil seine Stämme mit zunehmendem Alter von innen her durch Fäulepilze geschwächt werden. Die Entfernung des Götterbaumes ist schwierig und aufwendig. Im Wald wird seine Bekämpfung zusätzlich durch die Tatsache erschwert, dass dort der Einsatz von Herbiziden verboten ist.

Die neue Karte stützt sich auf vorhandene Kartierungen von den kantonalen Forstdiensten aus der Südschweiz, auf kantonale Daten (inklusive Fürstentum Liechtenstein) der Alpennordseite sowie auf Fundmeldungen, die Fach- und Privatpersonen via Internet oder Smartphone-App an Info Flora weitergegeben haben. Aktuelle Beobachtungen des Projektteams und des WSL-Standorts in Bellinzona sowie Daten des Schweizerischen Landesforstinventars (LFI4) flossen ebenfalls in die neue Karte ein.

Götterbaumbeobachtungen – Bitte melden

Eine weitere Verbesserung der Datengrundlage wird es ermöglichen, die zukünftige Verbreitung der Art abzuschätzen, sowohl unter heutigem Klima als auch für zukünftige Klimaszenarien. Dabei bildet eine möglichst aktuelle Karte mit den Vorkommen des Götterbaumes die Grundlage für ein gezieltes Management dieser Art. Zur Verfeinerung und Verbesserung der Karte ist auch die Mithilfe der Bevölkerung gefragt. Die WSL ist dankbar für Meldungen von Götterbaum-Beobachtungen mit Koordinaten und Kurzbeschrieb an Daniela Gurtner oder an Info Flora.

Ausbau der Götterbaum-Forschung

Seit Anfang 2015 beteiligt sich die WSL an einem neuen Projekt, mit dem die Grundlagenforschung zur Ökologie und Langzeitdynamik von Götterbaumbeständen erweitert wird. Es werden einerseits dendroökologische und ökophysiologische Untersuchungen im Tessin durchgeführt, andererseits werden Felddaten in China erhoben, dem Herkunftsland des Götterbaumes.

Das Projekt wird vom Schweizerischen sowie vom Französischen Nationalfonds gefördert und in Zusammenarbeit mit weiteren Forschungspartnern in der Schweiz sowie in Frankreich durchgeführt. Die Forschungsarbeiten umfassen auch Feldexperimente und Modellierungen zur mechanischen Stabilität von Götterbäumen, die es erlauben sollen, die Schutzwirksamkeit von Götterbaumbeständen abzuschätzen.

Link
Aggressiver Götterbaum – nutzen statt ausrotten (Schweizer Fernsehen)

Kontakt
Dr. Jan Wunder
Organisationseinheit Ökologie der Lebensgemeinschaften

Tel: +41 44 739 2840
Fax: +41 44 7392 215
Raum: Bi HP D 57
E-Mail: jan.wunder@wsl.ch
Web: http://www.wsl.ch/info/mitarbeitende/wunder

Dr. Marco Conedera, Leiter Forschungseinheit
Organisationseinheit Ökologie der Lebensgemeinschaften

Tel: +41 91 8215 231
Fax: +41 91 8215 239
Raum: Be RA C 5
E-Mail: marco.conedera@wsl.ch
Web: http://www.wsl.ch/info/mitarbeitende/conedera

Dr. Reinhard Lässig | Eidg. Forschungsanstalt WSL
Weitere Informationen:
http://www.wsl.ch
http://www.wsl.ch/medien/news/goetterbaum_2015/index_DE

Weitere Berichte zu: Alpen Baumart Götterbaum Organisationseinheit Schadinsekten Schutzwirkung WSL Ökologie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Acht europäische Länder im Kampf gegen den Asiatischen Laubholzbockkäfer
06.01.2017 | Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL

nachricht Kleinbauern in Afrika: Clevere Milchkühlung – dank Solar auch ohne Stromanschluss
02.01.2017 | Universität Hohenheim

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise