Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Energieholz von Ackerflächen: Wissenschaftler prüfen neue Wege der Holzgewinnung

07.08.2008
Landwirte bestellen Felder, Forstleute bewirtschaften Wälder. Was bislang als selbstverständlich galt, könnte sich bald ändern. Bäume sollen künftig auch auf Äckern wachsen - mit kurzen Umtriebszeiten und hoher Rentabilität.

Die seit Jahren steigende Nachfrage nach Nutzholz für die Säge- und Holzindustrie bzw. als Brennstoff macht "Holzanbau" für Landwirte attraktiv und wirft gleichzeitig neue Fragen auf. Die Wissenschaftler der Forschungsverbünde Agrowood (Tharandt/TU Dresden), Dendrom (Eberswalde) und Agroforst (Universität Freiburg und Landschwirtschaftliches Technologiezentrum Augustenberg) untersuchen die Bedingungen, die Vor- und Nachteile sowie die verschiedenen Modelle der Plantagenwirtschaft.

Das Laborgespräch VII des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) stellt die Projekte und ihre ersten Ergebnisse vor.

Das Projekt der Forschungsgruppe Agrowood ist ausgesprochen praxisnah angelegt. In den Modellregionen Freiberg und Schradenland sollen auf rund 200 Hektar Fläche schnellwachsende Pappeln und Weiden angebaut und geerntet sowie die ökonomischen und ökologischen Chancen und Risiken bewertet werden. Vorteile der Holzplantagen, die sich bereits im Vorfeld abzeichnen: weniger Pflanzenschutzmittel, weniger Dünger als in der Landwirtschaft üblich, geringere Belastungen für die Gewässer, deutlich vermindert Bodenerosion aufgrund der ganzjährigen Durchwurzelung der Flächen und höhere Erträge als in der Waldwirtschaft. Ein weiterer Vorteil ist, dass sich der Ackerboden erholen kann, da er seltener befahren wird. Gleichzeitig reichert der Boden Humus aus Laub und Wurzeln an, was wiederum die Fruchtbarkeit erhöht.

Die bedeutendste Voraussetzung für eine rentable Plantage ist der hohe Wassergehalt der gesamten Landschaft, da schnell wachsende Bäume einen starken Wasserverbrauch aufweisen. Die durchschnittliche jährliche Niederschlagsmenge muss mehr als 500 Millimeter betragen, von denen mindestens 300 Millimeter in der Vegetationszeit fallen. In niederschlagsarmen Regionen ist der Holzanbau nur möglich, wenn der Grundwasserspiegel entsprechend hoch ist.

Als rentabel gilt der Holzanbau, wenn pro Hektar im Mittel mehr als acht Tonnen Holz pro Jahr nachwachsen. Ertragstafeln für Plantagen existieren allerdings noch nicht, der Verbund Dendrom, der den Agrarholzanbau systematisch analysiert, betont zudem, dass die exakten Erträge der unterschiedlichen Klone von Pappeln, Weiden oder Robinien ermittelt werden müssten.

Einem spannenden Ansatz für Holzplantagen widmet sich der Verbund Agroforst. Landwirtschaftliche Flächen könnten kombiniert genutzt werden, z. B. durch das parallele Anpflanzen von jungen Bäumen und überwinternden Ackerkulturen. Bis die Bäume Blätter tragen, sind die überwinternden Ackerkulturen weit entwickelt. Die Bäume bieten Wind- und Erosionsschutz, erst wenn sie älter sind, entsteht die Konkurrenz um Licht und Wasser. Doppelt genutzte Ackerflächen eignen sich laut den Wissenschaftlern hervorragend zum ertragreichen Anbau von Wertholz.

Die Forschungsverbünde Agroforst, Agrowood und Dendrom gehören zu den 25 Verbundprojekten, die im Förderschwerpunkt "Nachhaltige Waldwirtschaft" vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert werden. Das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) betreut in der wissenschaftlichen Begleitung und Koordinierung den Förderschwerpunkt "Nachhaltige Waldwirtschaft", den das BMBF im Zeitraum 2005 bis 2009 mit rund 30 Millionen Euro finanziert. Aufgabe des Koordinierungsbüros am UFZ ist es, auf nationaler und europäischer Ebene ein Netzwerk für Wissenschaft und Praxis zu schaffen. Der Förderschwerpunkt widmet sich bis 2009 vor allem drei Feldern: Wie kann die Wertschöpfungskette Forst-Holz sowohl gewinnorientiert als auch ökologisch verträglich und sozial gerecht optimiert werden? Wie können Waldlandschaften so genutzt werden, dass die Lebensqualität der Menschen verbessert wird und gleichzeitig die Ressourcen langfristig gewährleistet sind? Wie sieht der Wald der Zukunft aus?

Links:
Das vollständige Laborgespräch ist auf den Webseiten des Förderschwerpunktes nachzulesen:

http://www.nachhaltige-waldwirtschaft.de/Laborgespraeche.212.0.html

BMBF-Förderschwerpunkt "Nachhaltige Waldwirtschaft":
http://www.nachhaltige-waldwirtschaft.de/
Forschungsverbünde:
http://www.agroforst.uni-freiburg.de/
http://www.agrowood.de/
http://www.dendrom.de
Weitere fachliche Informationen:
Andreas Werntze, Msc.
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ
Telefon: 0341-235-1816
http://www.ufz.de/index.php?de=12792
oder über:
Doris Böhme / Tilo Arnhold
Pressestelle Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ
Telefon: 0341-235-1269
E-mail: presse@ufz.de
Im Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ erforschen Wissenschaftler die Ursachen und Folgen der weit reichenden Veränderungen der Umwelt. Sie befassen sich mit Wasserressourcen, biologischer Vielfalt, den Folgen des Klimawandels und Anpassungsmöglichkeiten, Umwelt- und Biotechnologien, Bioenergie, dem Verhalten von Chemikalien in der Umwelt, ihrer Wirkung auf die Gesundheit, Modellierung und sozialwissenschaftlichen Fragestellungen. Ihr Leitmotiv: Unsere Forschung dient der nachhaltigen Nutzung natürlicher Ressourcen und hilft, diese Lebensgrundlagen unter dem Einfluss des globalen Wandels langfristig zu sichern. Das UFZ beschäftigt an den Standorten Leipzig, Halle und Magdeburg 900 Mitarbeiter. Es wird vom Bund sowie von Sachsen und Sachsen-Anhalt finanziert.

Die Helmholtz-Gemeinschaft leistet Beiträge zur Lösung großer und drängender Fragen von Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft durch wissenschaftliche Spitzenleistungen in sechs Forschungsbereichen: Energie, Erde und Umwelt, Gesundheit, Schlüsseltechnologien, Struktur der Materie, Verkehr und Weltraum. Die Helmholtz-Gemeinschaft ist mit 25.700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in 15 Forschungszentren und einem Jahresbudget von rund 2,3 Milliarden Euro die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands. Ihre Arbeit steht in der Tradition des großen Naturforschers Hermann von Helmholtz (1821-1894).

Tilo Arnhold | Helmholtz-Gemeinschaft
Weitere Informationen:
http://www.ufz.de/index.php?de=17049

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Acht europäische Länder im Kampf gegen den Asiatischen Laubholzbockkäfer
06.01.2017 | Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL

nachricht Kleinbauern in Afrika: Clevere Milchkühlung – dank Solar auch ohne Stromanschluss
02.01.2017 | Universität Hohenheim

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise