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Das Ende einer Ära? Pferde-Brandzeichen sind zu oft unleserlich

24.08.2012
Es gibt immer mehr Hinweise darauf, dass das Brennen bei Fohlen zu Stressbelastungen führt. Viele Pferdezüchter sind jedoch weiterhin davon überzeugt, dass Brandzeichen die beste Art sind, ihre Tiere zu kennzeichnen.
Erstaunlicherweise hat noch niemand untersucht, ob die Brandzeichen später auch verlässlich lesbar sind. Jörg und Christine Aurich und ihr Team von der Vetmeduni Vienna fanden jetzt heraus, dass erfahrene Tester Brandzeichen bei nur 40 Prozent einer Gruppe von knapp 250 Pferden korrekt notierten. Diese Ergebnisse könnten das Ende der langen Tradition des Fohlenbrennens bedeuten, sie wurden soeben in der Zeitschrift „The Veterinary Journal“ veröffentlicht.

Nutztiere, Pferde und Haustiere einzeln korrekt identifizieren zu können, ist aus einer Vielzahl von Gründen wichtig. So sind Züchter darauf angewiesen, die ausgewählten Zuchttiere verlässlich zu erkennen, genauso wie Tierärzte bei der Bekämpfung von Seuchen. Im Pferdesport verhindert die eindeutige Kennzeichnung von Tieren Betrug, auch beim Verkauf eines Tieres ist eine unverwechselbare Identifizierung wichtig.
Fohlenbrennen in vielen EU-Ländern abgeschafft

Traditionellerweise werden große Nutztiere mit Brandzeichen oder Ohrmarken gekennzeichnet, kleinere Tiere wie Hunde und Katzen wird ein Chip implantiert. Pferde wurden bisher generell mit Brandzeichen versehen. Jedoch mehren sich Stimmen, die diese Methode der Kennzeichnung als nicht mit dem Tierschutz vereinbar ansehen, deshalb werden immer mehr Pferde stattdessen mit Chips versehen. In der Europäischen Union ist Chippen von Pferden zwar inzwischen vorgeschrieben, , dennoch akzeptieren einige Länder nach wie vor zusätzlich Brandzeichen. Von deutschen und österreichischen Zuchtverbänden werden Brandzeichen als für die Kennzeichnung einzelner Tiere ausreichend angesehen, was Züchtern unter anderem die Anschaffung teurer Chip-Ausrüstung erspart.
Stress der Tiere bereits untersucht

Bisherige Untersuchungen konzentrierten sich darauf, zu bestimmen, wie viel Stress Pferde entweder beim Anbringen von Brandzeichen oder beim Chippen erleben. Überraschenderweise hat aber noch niemand das Thema von der anderen Seite her betrachtet: Untersuchungen legen nahe, das Chips die Tiere gut unterscheidbar machen, aber wie gut sind eigentlich Brandzeichen lesbar? Genau diese Frage haben nun Jörg und Christine Aurich von der Veterinärmedizinischen Universität Wien (Vetmeduni Vienna) untersucht.
Nummern sind unleserlich

Brandzeichen bestehen in Deutschland und Österreich üblicherweise aus einem Symbol für die Pferderasse und einer mehrstelligen Nummer, die das einzelne Tier bezeichnet. Um die Leserlichkeit der Markierungen zu bestimmen, hatten die Forschenden drei erfahrene Personen gebeten, die Brandzeichen von etwa 250 Pferden zu notieren, die an einem Turnier in Deutschland teilgenommen hatten. Jeder der drei Tester erkannte 90 Prozent der Rassesymbole richtig, bei 84 Prozent aller Pferde notierten sie daher übereinstimmend die richtige Rasse. Im Fall der zweistelligen Nummern lag der Fall jedoch völlig anders. Nur bei etwa der Hälfte der Tiere konnte jede der drei Testpersonen die Zahlen korrekt lesen. Die Quote der von allen dreien richtig notierten Nummern lag bei noch niedrigeren 40 Prozent.
Brandzeichnen schwer zu entziffern

Um die Leserlichkeit von Brandzeichen unter möglichst optimalen Bedingungen festzustellen, untersuchten die Forschenden die Markierungen bei insgesamt 28 weiteren Pferden, die aus Gründen eingeschläfert werden mussten, die nicht mit den Brandzeichen zu tun hatten. Hier konnten bei nur neun Tieren die Nummern korrekt identifiziert werden. Bei sechs Pferden konnten weder die Nummer noch das Rassesymbol entziffert werden, auch nicht, nachdem die betreffende Hautstelle rasiert worden war. Diese Ergebnisse bestätigen die unzuverlässige Kennzeichnung von Pferden durch Brandzeichen.
Deutliche Gewebeschäden

Gleichzeitig untersuchten die Forschenden die Haut unter den Brandzeichen auf Gewebeschäden. Fast alle Tiere wiesen dort deutliche Gewebeschäden auf, die auf abgeheilte Verbrennungen dritten Grades hinwiesen. Jörg Aurich fasst die Ergebnisse knapp zusammen: „Beim Fohlenbrennen entstehen in jedem Fall deutliche lokale Gewebeschäden, und die eingebrannten Zeichen sind später sogar von erfahrenen Personen schwer zu entziffern. Eigentlich gibt es keinen Grund mehr, die Tiere weiterhin mit dieser überholten Methode zu kennzeichnen.“

Der Artikel “Readability of branding symbols in horses and histomorphological alterations at the branding site” von Jörg Aurich, Peter Wohlsein, Manuela Wulf, Marina Nees, Wolfgang Baumgärtner, Mareike Becker-Birck und Christine Aurich wurde soeben online in der Zeitschrift „The Veterinary Journal“ veröffentlicht. Die Tests für die Studie wurden am Graf Lehndorff Institute für Pferdewissenschaften durchgeführt, einer gemeinsamen Forschungseinrichtung der Veterinärmedizinischen Universität Wien und des Brandenburgischen Haupt- und Landgestüts Neustadt (Dosse, D). Die Autopsien wurden am Institut für Pathologie der Tierärztlichen Hochschule Hannover (D) gemacht.
Zusammenfassung des wissenschaftlichen Artikels online (Volltext gegen Entgelt oder Subskription):

Brandzeichen eines fünfjährigen Deutschen Sportpferdes: Der Rassebrand ist gerade noch erkennbar, der Nummernbrand ist jedoch nicht mehr lesbar. Foto: Vetmeduni Vienna/Christine Aurich

http://dx.doi.org/10.1016/j.tvjl.2012.07.006

Rückfragehinweis
O.Univ.Prof. Dr. Jörg Aurich
Abteilung für Geburtshilfe, Gynäkologie und Andrologie
Veterinärmedizinische Universität Wien
T +43 1 25077-5400
joerg.aurich@vetmeduni.ac.at

Aussender
Mag. Klaus Wassermann
Public Relations/Wissenschaftskommunikation
Veterinärmedizinische Universität Wien
T +43 1 25077-1153
klaus.wassermann@vetmeduni.ac.at

Klaus Wassermann | idw
Weitere Informationen:
http://www.vetmeduni.ac.at
http://dx.doi.org/10.1016/j.tvjl.2012.07.006

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