Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Elefanten-Herpes: Super-Verbreiter gefährden Jungtiere

04.05.2017

Elefanten haben arteneigene Herpesviren, die vor allem bei Jungtieren häufig zu Todesfällen führen. Forscher der Universität Zürich haben den Ansteckungsweg verschiedener Elefantenkälber nachvollzogen und dabei erkannt: Es gibt Tiere, die das Virus nicht oder nur selten ausscheiden und andere, die das häufig tun. Diese Superspreader und ihr Nachwuchs sind dabei selbst nur schwach vom Virus betroffen, gefährden aber besonders die Jungtiere der Nicht-Ausscheider.

Viele Herpesviren befallen nur eine einzige Tierart. Auch Elefanten haben ihr eigenes Arsenal an Herpesviren, die eine tödlich verlaufende Infektion verursachen können. Asiatische Elefanten sind Träger der Virustypen 1, 4 und 5; afrikanische Elefanten tragen die Typen 2, 3 und 6 in sich.


Es ist wichtig, dass Elefanten in Zoos regelmässig auf Herpes untersucht werden.

Bild: Zoo Zürich

Typ 1 ist besonders für Jungtiere der asiatischen Elefanten gefährlich und hat weltweit zu zahlreichen Todesfällen in der Wildnis und in Zoos geführt. Auch in der Schweiz sind in den letzten 30 Jahren drei Tiere am «Elefanten-Herpes» gestorben. Wie die Tiere die Krankheit übertragen, und wie sie sich anstecken, war aber bislang kaum bekannt.


Rüssel-Spülung liefert Herpes-Proben

Seit einiger Zeit lässt sich jedoch mit Rüssel-Spülproben herausfinden, ob Elefanten vom Virus befallen sind und diesen auch ausscheiden. «Elefanten können darauf trainiert werden, dass sie sich mit etwas Kochsalzlösung den Rüssel spülen lassen.

Dabei heben sie den Rüssel kurz an, damit die Flüssigkeit möglichst weit nach hinten gelangt, und lassen sie dann in einen Eimer auslaufen», erklärt Jean-Michel Hatt, Direktor der Klinik für Zoo-, Heim- und Wildtiere der UZH. Die so gewonnenen Proben wurden am UZH-Institut für Virologie auf Herpesviren untersucht.

Virulente Superspreader

«Die von uns untersuchten Elefanten lassen sich in solche aufteilen, die das Virus nicht oder nur selten ausscheiden, und solche, die das häufig tun. Letztere sind sogenannte Superspreader und verursachen die Mehrzahl der Infektionen», so Virologe Mathias Ackermann. Die Superspreader kennt man auch von anderen Virus-Infektionen bei Mensch und Tier. Sie selbst sind gegen die Erkrankung immun und übertragen diese Immunität auf ihre Nachkommen.

Risikobehafteter Kontakt mit Jungtieren

Gefährlich wird es dann, wenn ein Superspreader mit Jungtieren von Nicht-Ausscheidern in Kontakt kommt. So stand eine Elefantenkuh, die während der vorliegenden Studie das Virus am häufigsten ausschied, mit allen drei in der Schweiz verstorbenen Elefanten-Kälbern in sehr engem Kontakt. Alle Kälber trugen das für die Todesfälle verantwortliche Virus des Subtypus 1A in sich, was auf eine gemeinsame Infektionsquelle schliessen lässt. Die verstorbenen Tiere stammten von Nicht-Ausscheiderinnen ab, während die Nachkommen der Superspreaderin verschont blieben.


Weit verbreitete Krankheit

«Elefanten-Herpes ist keine reine Zoo-Erkrankung», so Mathias Ackermann. Die Herpesviren der Elefanten setzten sich etwa zeitgleich von allen anderen Herpesviren ab, als die Elefanten sich von anderen Säugetieren abspalteten. Seither haben sich die asiatischen und die afrikanischen Virustypen weit auseinander entwickelt. Die einzelnen Typen sind unterschiedlich virulent, doch beide sind in ihren Ursprungsländern weit verbreitet. Erkrankungsfälle sind sowohl aus der asiatischen als auch der afrikanischen Wildnis bekannt.


Regelmässige Untersuchung ist zentral

Die Zürcher Forscher sind überzeugt: «Wichtig ist, dass Elefanten in Zoos regelmässig auf Herpes untersucht werden.» Dann kann die Platzierung von Tieren so geplant werden, dass Elefantenkälber weniger gefährdet sind. Mittels Virusnachweis im Blut kann zudem ein Krankheitsausbruch bei Jungtieren viel früher festgestellt werden – dies erweitert den Behandlungszeitraum um bis zu zehn Tage.


Literatur:

Ackermann M, Hatt J-M, Schetle N, Steinmetz HP: Identification of shedders of Elephant Endotheliotropic Herpesviruses among Asian Elephants (Elephas maximus) in Switzerland. Mai 3, 2017. PLoS One. DOI: pone.0176891

Kontakt:

Prof. Dr. Jean-Michel Hatt
Klinik für Zoo-, Heim- und Wildtiere
Vetsuisse-Fakultät
Universität Zürich
Tel: + 41 44 635 83 42
E-Mail: jmhatt@vetclinics.uzh.ch

Weitere Informationen:

http://www.media.uzh.ch/de.html

Nathalie Huber | Universität Zürich

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Biologische Vielfalt von grünlanddominierten Kulturlandschaften unter der Lupe
20.04.2018 | Hochschule Weihenstephan-Triesdorf

nachricht Nitrat-Problem der Landwirtschaft in Luft auflösen
29.03.2018 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Software mit Grips

Ein computergestütztes Netzwerk zeigt, wie die Ionenkanäle in der Membran von Nervenzellen so verschiedenartige Fähigkeiten wie Kurzzeitgedächtnis und Hirnwellen steuern können

Nervenzellen, die auch dann aktiv sind, wenn der auslösende Reiz verstummt ist, sind die Grundlage für ein Kurzzeitgedächtnis. Durch rhythmisch aktive...

Im Focus: Der komplette Zellatlas und Stammbaum eines unsterblichen Plattwurms

Von einer einzigen Stammzelle zur Vielzahl hochdifferenzierter Körperzellen: Den vollständigen Stammbaum eines ausgewachsenen Organismus haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Berlin und München in „Science“ publiziert. Entscheidend war der kombinierte Einsatz von RNA- und computerbasierten Technologien.

Wie werden aus einheitlichen Stammzellen komplexe Körperzellen mit sehr unterschiedlichen Funktionen? Die Differenzierung von Stammzellen in verschiedenste...

Im Focus: Spider silk key to new bone-fixing composite

University of Connecticut researchers have created a biodegradable composite made of silk fibers that can be used to repair broken load-bearing bones without the complications sometimes presented by other materials.

Repairing major load-bearing bones such as those in the leg can be a long and uncomfortable process.

Im Focus: Verbesserte Stabilität von Kunststoff-Leuchtdioden

Polymer-Leuchtdioden (PLEDs) sind attraktiv für den Einsatz in großflächigen Displays und Lichtpanelen, aber ihre begrenzte Stabilität verhindert die Kommerzialisierung. Wissenschaftler aus dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPIP) in Mainz haben jetzt die Ursachen der Instabilität aufgedeckt.

Bildschirme und Smartphones, die gerollt und hochgeklappt werden können, sind Anwendungen, die in Zukunft durch die Entwicklung von polymerbasierten...

Im Focus: Writing and deleting magnets with lasers

Study published in the journal ACS Applied Materials & Interfaces is the outcome of an international effort that included teams from Dresden and Berlin in Germany, and the US.

Scientists at the Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) together with colleagues from the Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) and the University of Virginia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

124. Internistenkongress in Mannheim: Internisten rücken Altersmedizin in den Fokus

19.04.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Juni 2018

17.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Grösster Elektrolaster der Welt nimmt Arbeit auf

20.04.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Bilder magnetischer Strukturen auf der Nano-Skala

20.04.2018 | Physik Astronomie

Kieler Forschende entschlüsseln neuen Baustein in der Entwicklung des globalen Klimas

20.04.2018 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics