Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die Kornkammer des Ostens blockiert ihre Markt- und Wachstumschancen

10.04.2014

IAMO Policy Brief 16 liefert neuste Ergebnisse zur Problematik

Mit knapp 100 Millionen Tonnen pro Jahr und einem gemeinsamen Anteil von 15 Prozent in der weltweiten Weizenproduktion gehören Russland, die Ukraine und Kasachstan zu den größten Getreidenationen. Aufgrund ihrer riesigen Flächen- und Ertragspotenziale wird diesen Ländern eine erhebliche Bedeutung für die Weltgetreidemärkte und damit für die globale Nahrungsmittelversorgung zugesprochen.

Jedoch nicht nur die aktuellen Unruhen in Folge der Krim-Krise, sondern insbesondere die problematischen Handels- und Marktpolitiken, geringe Ausschöpfung von Produktionsreserven sowie Defizite in der Vermarktungsinfrastruktur hemmen die Wachstumschancen erheblich. Im Policy Brief 16 stellen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des IAMO anhand ihrer Forschungsergebnisse dar, welche Produktions- und Marktpotenziale in der Getreidewirtschaft Russlands, der Ukraine und Kasachstans zu erwarten sind und auf welche Hindernisse die Agrarproduzenten des Ostens dabei treffen.

In den letzten Jahren haben sich Russland, die Ukraine und Kasachstan bedingt durch die positiven Entwicklungen in der Weizenproduktion zu den wichtigsten Playern auf dem internationalen Getreidemarkt etabliert. Dennoch liegen die Erträge pro Hektar nicht einmal bei der Hälfte dessen, was im Durchschnitt auf westeuropäischen Agrarflächen erzielt wird.

Neuste Berechnungen des IAMO zeigen, dass durch entsprechende Maßnahmen, wie der Rekultivierung jüngerer brachliegender Flächen, die Weizenproduktion allein in Russland um bis zu 50 Millionen Tonnen pro Jahr gesteigert werden könnte. Die Mobilisierung solcher Produktions- und Exportpotenziale hängt jedoch entscheidend von den künftigen Markt- und Wettbewerbsbedingungen sowie politischen Rahmenbedingungen ab.

Als Antwort auf die steigenden Weltmarktpreise für Getreide in den letzten zehn Jahren wurde mit einer Vielzahl an Exportbeschränkungen in Russland, der Ukraine und Kasachstan in die Märkte eingegriffen. Diese staatlichen Interventionen führten dazu, dass die Märkte erheblich verunsichert, Exporte nahezu ausgesetzt und eine geregelte Preisbildung außer Kraft gesetzt wurden. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des IAMO weisen darauf hin, dass solche populistischen Handels- und Marktpolitiken die Investitionsanreize in der Getreidewirtschaft mittel- und langfristig reduzieren und damit der Funktionsfähigkeit von Märkten entgegenwirken.

Des Weiteren werden in den Transformationsländern Produktivitäts- und Ertragspotenziale aufgrund persistenter Produktionslücken nur geringfügig bzw. mit großen regionalen Unterschieden ausgeschöpft. Es bestehen Investitions- und Managementdefizite, die das betriebliche Wachstum und die effiziente Nutzung unternehmerischer Ressourcen hemmen. Auch in der Vermarktungsinfrastruktur, wie Lagerhaltung, Binnenlandtransport und Hafenkapazitäten, bestehen noch massive Investitions- und Modernisierungsdefizite, die die Markttransaktionen und Exportchancen blockieren.

„Aufgrund der bestehenden Umstände ist nicht zu erwarten, dass Russland, die Ukraine und Kasachstan in absehbarer Zeit in der Lage sein werden, ihre Markt- und Wachstumspotenziale entsprechend auszuschöpfen. Eine Priorisierung auf marktkonforme und exportorientierte Politiken sowie Investitionen in räumliche und betriebliche Infrastruktur sind dringend erforderlich“, erläutert IAMO-Direktor Thomas Glauben.

Der IAMO Policy Brief 16 mit dem Titel „Die Kornkammer des Ostens blockiert ihre Markt- und Wachstumschancen“ kann auf der folgenden Internetseite kostenfrei heruntergeladen werden: www.iamo.de/publikation/policybrief-16

Text: 3.734 Zeichen (mit Leerzeichen)

IAMO Policy Briefs

In der Publikationsreihe IAMO Policy Brief werden in loser Folge gesellschaftlich relevante Forschungsergebnisse des Leibniz-Instituts für Agrarentwicklung in Mittel- und Osteuropa (IAMO) kurz und allgemeinverständlich aufbereitet und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Zielgruppe sind insbesondere Entscheidungsträger der Politik, Medienvertreter und die breite Öffentlichkeit.

Über das IAMO

Das Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien (IAMO) widmet sich der Analyse von wirtschaftlichen, sozialen und politischen Veränderungsprozessen in der Agrar- und Ernährungswirtschaft sowie in den ländlichen Räumen. Sein Untersuchungsgebiet erstreckt sich von der sich erweiternden EU über die Transformationsregionen Mittel-, Ost- und Südosteuropas bis nach Zentral- und Ostasien. Das IAMO leistet dabei einen Beitrag zum besseren Verständnis des institutionellen, strukturellen und technologischen Wandels. Darüber hinaus untersucht es die daraus resultierenden Auswirkungen auf den Agrar- und Ernährungssektor sowie die Lebensumstände der ländlichen Bevölkerung. Für deren Bewältigung werden Strategien und Optionen für Unternehmen, Agrarmärkte und Politik abgeleitet und analysiert. Seit seiner Gründung im Jahr 1994 gehört das IAMO als außeruniversitäre Forschungseinrichtung der Leibniz-Gemeinschaft an.

Bitte beachten Sie: Im Januar 2014 wurde das Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Mittel- und Osteuropa in Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien umbenannt. Die Institutsabkürzung IAMO bleibt weiterhin gültig.

Pressekontakt

Daniela Schimming
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: +49 345 2928-330
Fax: +49 345 2928-499
presse@iamo.de
www.iamo.de

Daniela Schimming | IAMO

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Wurmmittel für Weidetiere können die Keimung von Pflanzensamen beeinflussen
27.04.2017 | Universität Trier

nachricht Erstmals Studie zu Hai- und Rochenarten in deutschen Meeren
19.04.2017 | Bundesamt für Naturschutz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

Jenaer Akustik-Tag: Belastende Geräusche minimieren - für den Schutz des Gehörs

27.04.2017 | Veranstaltungen

Ballungsräume Europas

26.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

VLC 200 GT von EMAG: Neue passgenaue Dreh-Schleif-Lösung für die Bearbeitung von Pkw-Getrieberädern

27.04.2017 | Maschinenbau

Induktive Lötprozesse von eldec: Schneller, präziser und sparsamer verlöten

27.04.2017 | Maschinenbau

Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

27.04.2017 | Informationstechnologie