Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Dem Koi-Herpesvirus die Stirn bieten

01.03.2018

Egal ob gegrillt, scharf mit Paprikagemüse oder in Mehl gewendet und schwimmend in Fett gebacken – der Karpfen ist einer der beliebtesten Speisefische. Eine gefürchtete Bedrohung für den bis zu 15 Kilo schweren Friedfisch: das Koi-Herpesvirus (KHV). Es kann monatelang im Karpfen schlummern, bevor die meist tödliche KHV-Infektion ausbricht – genug Zeit, um zahlreiche andere Zuchtfische zu infizieren. Fraunhofer-Forscher haben jetzt zusammen mit drei weiteren Partnern ein Verfahren entwickelt, mit dem sich das Virus zuverlässiger und präziser diagnostizieren lässt.

Rund die Hälfte aller Speisefische stammt heute aus Aquakulturen, denn die Überfischung der Meere führt dazu, dass dieser Markt kontinuierlich wächst. Für den fischereiwirtschaftlichen Ertrag ist die Gesundheit der Fische entscheidend.


Mit Hilfe der verbesserten Diagnostik können infizierte Tiere sicher identifiziert und von gesunden separiert werden.

Fraunhofer EMB

Nach der Forelle ist der Karpfen der wichtigste Aquakulturfisch in Deutschland. Große Karpfenzuchten finden sich in der sächsischen Oberlausitz, aber auch Franken und die Oberpfalz gelten als traditionelle Karpfenregionen mit zahlreichen kleineren Betrieben.

Seit Jahren kämpfen Züchter in ganz Deutschland gegen das Koi-Herpesvirus, das sich immer weiter ausbreitet und die anzeigepflichtige KHV-Infektion verursacht. Bei einem Ausbruch der Krankheit in Sachsen in den Jahren 2003 bis 2005 starben in einigen Fischzuchten fast alle Tiere, 28 Tonnen Karpfen gingen verloren.

Verbesserte Diagnostik mittels Zellkulturen

»Die KHV-Infektion ist nicht therapierbar, daher ist es wichtig, möglichst gut vorzubeugen. Wir haben mit unseren Projektpartnern eine verbesserte Diagnostik entwickelt, mit der man infizierte Tiere zuverlässig identifizieren kann. Je schneller die kranken Karpfen separiert werden, desto größer die Chance, die anderen Fische vor dem KHV zu bewahren«, sagt Dr. Sebastian Rakers, der an der Fraunhofer-Einrichtung für Marine Biotechnologie und Zelltechnik EMB in Lübeck die Arbeitsgruppe Aquatische Zelltechnologie und Aquakultur leitet.

Bisher wird das Koi-Herpesvirus mit Hilfe von PCR-Tests nachgewiesen, die die Erreger-DNA in einer Gewebeprobe sichtbar machen. »Wenn in der Probe allerdings zu wenig Virus-DNA vorhanden ist, bekommt man mit PCR falsch negative Ergebnisse.«

Ein weiterer, erheblicher Nachteil der PCR-Tests: Sie erlauben keine Aussage darüber, wie infektiös das Virus ist, da der genomische Nachweis nicht dem Nachweis von vermehrungsfähigem Virus entsprechen muss.

»Mit unseren verbesserten und teils neu entwickelten Verfahren mittels Zellkulturen können wir feststellen, wie viele Viruspartikel pro Zelle vorhanden sind – und damit auch, wie stark das Virus in den Zellen repliziert wird.« So dienen die Zellkulturen nicht nur als zusätzliches Diagnostikinstrument, sondern auch dazu, das Virus besser zu verstehen.

Impfstoffentwicklung ist auf gutem Weg

Rakers und seinem Team gelang es, Zellkulturen zu züchten, die pro Zelle wesentlich mehr Viren replizieren können als herkömmliche Kulturen. »Bisher lag der bestmögliche Titer, also die Anzahl von infektiösen Viren pro Milliliter, die benötigt wird, um die Hälfte der Zellen zu töten, bei 106. Wir konnten den Virustiter auf 108 erhöhen und hoffen, durch weitere Optimierungsmaßnahmen einen Titer von 1010 zu erreichen.«

Das ist nicht nur wichtig für eine verbesserte Diagnostik, sondern auch Voraussetzung für die Entwicklung eines gut wirksamen Impfstoffs gegen KHV. »Unsere Projektpartner vom Friedrich-Loeffler-Institut (FLI), dem Lehrstuhl für Bioverfahrenstechnik der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und der Tierärztlichen Hochschule Hannover arbeiten intensiv an der Impfstoffentwicklung und konnten bei der asiatischen KHV-Linie die Mortalitäten bereits erheblich reduzieren.«

Gefördert wird das Verbundprojekt »KHV-Vacc« durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestags über die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE), Förderkennzeichen 2815HS011.

Weitere Informationen:

https://www.fraunhofer.de/de/presse/presseinformationen/2018/Maerz/Dem-Koi-Herpe...

Dr. Sandra Schumann | Fraunhofer Forschung Kompakt

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Mischwälder: ökologisch und ökonomisch überlegen
09.05.2018 | Technische Universität München

nachricht Wertvolle Böden erhalten
03.05.2018 | Schweizerischer Nationalfonds SNF

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Bose-Einstein-Kondensat im Riesenatom - Universität Stuttgart untersucht exotisches Quantenobjekt

Passt eine ultrakalte Wolke aus zehntausenden Rubidium-Atomen in ein einzelnes Riesenatom? Forscherinnen und Forschern am 5. Physikalischen Institut der Universität Stuttgart ist dies erstmals gelungen. Sie zeigten einen ganz neuen Ansatz, die Wechselwirkung von geladenen Kernen mit neutralen Atomen bei weitaus niedrigeren Temperaturen zu untersuchen, als es bisher möglich war. Dies könnte einen wichtigen Schritt darstellen, um in Zukunft quantenmechanische Effekte in der Atom-Ion Wechselwirkung zu studieren. Das renommierte Fachjournal Physical Review Letters und das populärwissenschaftliche Begleitjournal Physics berichteten darüber.*)

In dem Experiment regten die Forscherinnen und Forscher ein Elektron eines einzelnen Atoms in einem Bose-Einstein-Kondensat mit Laserstrahlen in einen riesigen...

Im Focus: Algorithmen für die Leberchirurgie – weltweit sicherer operieren

Die Leber durchlaufen vier komplex verwobene Gefäßsysteme. Die chirurgische Entfernung von Tumoren ist daher oft eine schwierige Aufgabe. Das Fraunhofer-Institut für Bildgestützte Medizin MEVIS hat Algorithmen entwickelt, die die Bilddaten von Patienten analysieren und chirurgische Risiken berechnen. Leberkrebsoperationen werden damit besser planbar und sicherer.

Jährlich erkranken weltweit 750.000 Menschen neu an Leberkrebs, viele weitere entwickeln Lebermetastasen aufgrund anderer Krebserkrankungen. Ein chirurgischer...

Im Focus: Positronen leuchten besser

Leuchtstoffe werden schon lange benutzt, im Alltag zum Beispiel im Bildschirm von Fernsehgeräten oder in PC-Monitoren, in der Wissenschaft zum Untersuchen von Plasmen, Teilchen- oder Antiteilchenstrahlen. Gleich ob Teilchen oder Antiteilchen – treffen sie auf einen Leuchtstoff auf, regen sie ihn zum Lumineszieren an. Unbekannt war jedoch bisher, dass die Lichtausbeute mit Elektronen wesentlich niedriger ist als mit Positronen, ihren Antiteilchen. Dies hat Dr. Eve Stenson im Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) in Garching und Greifswald jetzt beim Vorbereiten von Experimenten mit Materie-Antimaterie-Plasmen entdeckt.

„Wäre Antimaterie nicht so schwierig herzustellen, könnte man auf eine Ära hochleuchtender Niederspannungs-Displays hoffen, in der die Leuchtschirme nicht von...

Im Focus: Erklärung für rätselhafte Quantenoszillationen gefunden

Sogenannte Quanten-Vielteilchen-„Scars“ lassen Quantensysteme länger außerhalb des Gleichgewichtszustandes verweilen. Studie wurde in Nature Physics veröffentlicht

Forschern der Harvard Universität und des MIT war es vor kurzem gelungen, eine Rekordzahl von 53 Atomen einzufangen und ihren Quantenzustand einzeln zu...

Im Focus: Explanation for puzzling quantum oscillations has been found

So-called quantum many-body scars allow quantum systems to stay out of equilibrium much longer, explaining experiment | Study published in Nature Physics

Recently, researchers from Harvard and MIT succeeded in trapping a record 53 atoms and individually controlling their quantum state, realizing what is called a...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

„Data Science“ – Theorie und Anwendung: Internationale Tagung unter Leitung der Uni Paderborn

18.05.2018 | Veranstaltungen

Visual-Computing an Bord der MS Wissenschaft

17.05.2018 | Veranstaltungen

Tagung »Anlagenbau und -betrieb der Zukunft«

17.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Bose-Einstein-Kondensat im Riesenatom - Universität Stuttgart untersucht exotisches Quantenobjekt

18.05.2018 | Physik Astronomie

Countdown für Kilogramm, Kelvin und Co.

18.05.2018 | Physik Astronomie

Wie Immunzellen Bakterien mit Säure töten

18.05.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics