Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Das Potenzial nichtheimischer Baumarten für den forstlichen Anbau in Deutschland sachlich prüfen

14.06.2017

In Nordrhein-Westfalen entstehen Versuchsflächen mit breitem Spektrum von Atlas-Zeder bis Westliche Hemlocktanne – Andreas Schütte von der FNR übergibt Förderbescheide

Der Landesbetrieb Wald und Holz Nordrhein-Westfalen und der Landesverband Lippe etablieren in einem dreijährigen Projekt Versuchsflächen mit verschiedenen nichtheimischen Baumarten, die dann langfristig auf ihre Wuchsdynamik, waldbauliche Eignung, Integrierbarkeit in herkömmliche Ernteverfahren, erreichbare Holzqualitäten und ihr mögliches invasives Potenzial untersucht werden sollen.


Mammutbäume - Option für deutsche Wälder?

ASCHEWALD

Das Vorhaben wird vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) im Rahmen des Förderprogramms Nachwachsende Rohstoffe unterstützt. „Ein von Forstwirtschaft und Naturschutz getragener Konsens darüber, welche nichtheimischen Baumarten sich für den Anbau im Wald eignen, ist wichtig. Nur so können wir vitale und produktive Wälder erhalten und die Bioökonomie umsetzen, ohne die Biodiversität zu gefährden“, erklärte Andreas Schütte, Geschäftsführer der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR).

Die FNR übergab als zuständiger Projektträger des BMEL heute im Auftrag des Ministeriums auf dem Kirchberg in der Gemeinde Kalletal die Förderbescheide. Hier wurden bereits in der Vergangenheit erste Anbauversuche mit nichtheimischen Baumarten unternommen.

Weitere Informationen stehen auf fnr.de unter dem Förderkennzeichen 22012016 und 22004217 zur Verfügung.

Die beiden Projektpartner Landesbetrieb Wald und Holz NRW und Landesverband Lippe – vertreten durch Heinrich Barkmeyer, stellvertretender Leiter von Wald und Holz NRW, und Landesverbandsvorsteherin Anke Peithmann – nahmen die Übergabe der Förderbescheide zum Anlass, eine Kooperationsvereinbarung zu unterzeichnen, um eine erfolgreiche Umsetzung des gemeinsamen Projektes zu gewährleisten.

Neben der FNR sowie den Vertretern des Landesbetriebes und des Landesverbandes nahm auch der Bundestagsabgeordnete Cajus Caesar an dem Termin teil.

Grundsätzlich bieten Baumarten aus anderen biogeografischen Regionen im Zuge von Umweltveränderungen große Potenziale für die Sicherung vitaler Mischwälder und die heimische Holzversorgung. Die Douglasie - die derzeit am weitesten verbreitete nichteinheimische Baumart unserer Wälder – ist zum Beispiel besser an sommerliche Trockenheit und Hitze angepasst als die wirtschaftlich bedeutende Fichte. Eine nachhaltige Holznutzung ist ihrerseits ein wichtiges Instrument gegen den Klimawandel, denn Holz kann fossile Rohstoffe und Energieträger ersetzen und als Kohlenstoffspeicher fungieren*. Wie Holzprodukte als Kohlenstoffspeicher künftig im Rahmen der europäischen Energie- und Klimapolitik verbucht werden können, dazu hat die EU-Kommission 2016 einen Vorschlag gemacht**.

„Wir wollen mit unserem Projekt an Anbauversuche anknüpfen, die schon seit mehr als 100 Jahren in Deutschland durchgeführt werden und so mithelfen, Fakten in die Debatte einbringen. Dazu wollen wir neben den wirtschaftlich relevanten Informationen auch solche zu den Auswirkungen auf die Waldökosysteme sammeln“, erklärte Susanne Hoffmann, stellvertretende Leiterin der Forstabteilung des Landesverbandes Lippe. „Schon heute kann Deutschland seinen Holzbedarf nicht mehr durch die aktuelle Nutzung in heimischen Wäldern decken - nicht weil wir insgesamt zu wenig Holz hätten, sondern weil die verschiedenen Waldeigentümer nur einen Teil des jährlichen Holzzuwachses ernten und verkaufen. Am Holzmarkt besonders gefragt ist Nadelholz. Um diese Nachfrage auch in Zukunft decken zu können, ist es sinnvoll, Alternativen zu den heimischen Nadelbaumarten in unsere Wälder zu integrieren“, ergänzte Dr. Norbert Asche vom Landesbetrieb Wald und Holz NRW, Koordinator des Gesamtprojektes.

In dem jetzt beginnenden Vorhaben sollen auf den insgesamt über 26 Hektar großen Versuchsflächen im Sauerland und im Lipper Bergland insgesamt sieben Nadel- und vier Laubbaumarten möglichst in Mischung mit der heimischen Rotbuche angebaut werden: Atlaszeder (Cedrus atlantica), Küstentanne (Abies grandis), Araukarie (Araucaria araucana), Westliche Hemlocktanne (Tsuga heterophylla), Küstenmammutbaum (Sequioa sempervirens), Gebirgsmammutbaum (Sequoiadendron giganteum), Baumhasel (Corylus colurna), Edelkastanie (Castanea sativa), Orientbuche (Fagus orientalis), Platane (Platanus orientalis) und Sicheltanne (Cryptomeria japonica). Alle diese Arten wachsen hierzulande bislang nur in geringem Umfang und teils auch nur als Straßen- und Parkbäume, produzieren aber in ihrer Heimat in mit Deutschland vergleichbaren Klimazonen ein hochwertiges und in der Industrie nachgefragtes Holz.

In der dreijährigen Projektlaufzeit stehen die Etablierung der Versuchsflächen und die Dokumentation des Anwuchsverhaltens und eventueller Schädigungen auf der Agenda. Außerdem wollen die Wissenschaftler ein Untersuchungsdesign für ein langfristiges Monitoring der Flächen erarbeiten. Dieses soll die langfristige wissenschaftliche Untersuchung der Flächen sicherstellen und fundierte Ergebnisse liefern.

*Vgl. hierzu auch Charta für Holz 2.0, BMEL 2017.
**https://ec.europa.eu/transparency/regdoc/rep/1/2016/DE/1-2016-479-DE-F1-1.PDF

Weitere Informationen:

https://www.fnr.de/index.php?id=11150&fkz=22012016
https://www.fnr.de/index.php?id=11150&fkz=22004217
http://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/Broschueren/ChartaHolz.pdf;jsessionid=47...
https://ec.europa.eu/transparency/regdoc/rep/1/2016/DE/1-2016-479-DE-F1-1.PDF

Dr. Torsten Gabriel | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Berichte zu: BMEL Baumarten FNR Holz Kohlenstoffspeicher Rohstoffe Versuchsflächen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Neue Strategie zur Kupferreduktion im Pflanzenschutz entwickelt
21.02.2018 | Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)

nachricht Da haben wir den Salat: Erste Ernte aus aufbereitetem Abwasser im Forschungsprojekt HypoWave
20.02.2018 | ISOE - Institut für sozial-ökologische Forschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Im Focus: Developing reliable quantum computers

International research team makes important step on the path to solving certification problems

Quantum computers may one day solve algorithmic problems which even the biggest supercomputers today can’t manage. But how do you test a quantum computer to...

Im Focus: Innovation im Leichtbaubereich: Belastbares Sandwich aus Aramid und Carbon

Die Entwicklung von Leichtbaustrukturen ist eines der zentralen Zukunftsthemen unserer Gesellschaft. Besonders in der Luftfahrtindustrie und in anderen Transportbereichen sind Leichtbaustrukturen gefragt. Sie ermöglichen Energieeinsparungen und reduzieren den Ressourcenverbrauch bei Treibstoffen und Material. Zum Einsatz kommen dabei Verbundmaterialien in der so genannten Sandwich-Bauweise. Diese bestehen aus zwei dünnen, steifen und hochfesten Deckschichten mit einer dazwischen liegenden dicken, vergleichsweise leichten und weichen Mittelschicht, dem Sandwich-Kern.

Aramidpapier ist ein etabliertes Material für solche Sandwichkerne. Sein mechanisches Strukturversagen ist jedoch noch unzureichend erforscht: Bislang fehlten...

Im Focus: Die Brücke, die sich dehnen kann

Brücken verformen sich, daher baut man normalerweise Dehnfugen ein. An der TU Wien wurde eine Technik entwickelt, die ohne Fugen auskommt und dadurch viel Geld und Aufwand spart.

Wer im Auto mit flottem Tempo über eine Brücke fährt, spürt es sofort: Meist rumpelt man am Anfang und am Ende der Brücke über eine Dehnfuge, die dort...

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Spannungsfeld Elektromobilität

23.02.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

Tag der Seltenen Erkrankungen – Deutsche Leberstiftung informiert über seltene Lebererkrankungen

21.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Spannungsfeld Elektromobilität

23.02.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Von Hefe für Demenzerkrankungen lernen

22.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Sektorenkopplung: Die Energiesysteme wachsen zusammen

22.02.2018 | Seminare Workshops

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics