Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Biologische Schädlingsbekämpfung nicht immer erfolgreich

08.11.2016

Göttinger Agrarökologen: Naturnahe Lebensräume bekämpfen Schädlinge nicht immer effektiv

Naturnahe Lebensräume spielen in Agrarlandschaften eine große Rolle für die Artenvielfalt und die Aufrechterhaltung wichtiger Ökosystemfunktionen, wie zum Beispiel der biologischen Schädlingsbekämpfung, dem Bodenschutz, der Nährstoffbindung und der Bestäubung.


Eine auf dem Acker häufige Wolfsspinne der Gattung Alopecosa, die auch Schädlinge frisst.

Im Gegensatz zu Ökologen teilen Landwirte diese Wertschätzung naturnaher Lebensräume aber oft nicht. Göttinger Agrarökologen haben zusammen mit einem internationalen Expertenteam die Situation identifiziert, wann und warum naturnahe Lebensräume nicht zur biologischen Schädlingsbekämpfung beitragen. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift Biological Conservation erschienen.

Wie Ergebnisse zahlreicher Fallstudien zeigen, kann die relative Bedeutung von naturnahen Lebensräumen für die Schädlingsbekämpfung je nach Situation unterschiedlich ausfallen. „Beispielsweise spielt die Kontinuität der Nahrungsversorgung über die ganze Vegetationsperiode eine wichtige Rolle für natürliche Gegenspieler – und kann durch ein geeignetes Nebeneinander von Ackerflächen in bestimmten Fällen besser realisiert werden als durch naturnahe Flächen“, so Prof. Dr. Teja Tscharntke, Leiter der Abteilung Agrarökologie und Erstautor der Studie.

„Es gibt viele Schädlinge, die nicht ausreichend natürliche Gegenspieler haben oder in naturnahen Lebensräumen besser überleben als ihre Gegenspieler. Außerdem profitieren manche Schädlinge mehr von der Nachbarschaft zu einem anderen Acker als von einer Nachbarschaft zu naturnahen Flächen. Oder sie profitieren davon, dass ihre natürlichen Gegenspieler durch die landwirtschaftliche Praxis geschädigt werden, wie zum Beispiel durch den Einsatz von Pestiziden“, so Prof. Tscharntke.

Manchmal ziehen es auch die natürlichen Gegenspieler vor, in den naturnahen Flächen zu bleiben, wohingegen die Schädlinge sie als Ausgangspunkt für die Ackerbesiedlung nehmen. Eindeutig ist es der Fall, wenn Gegenspieler zwar den Acker besiedeln, aber wegen der Ausbringung von Pestiziden keine Wirkung entfalten können. Prof. Tscharntke betont, wie wichtig ein breit gefächerter Blick auf Erfolge und Misserfolge in der biologischen Schädlingsbekämpfung ist:

„Neue Ansätze thematisieren, dass die exakte Zusammensetzung des Landschaftsmosaiks für die natürliche Kontrolle von Schädlingen von großer Bedeutung sein kann. Aber auch die Resistenz von Nutzpflanzen, das Unkrautmanagement und der Agrochemikalieneinsatz spielen eine wichtige Rolle.“

Originalveröffentlichung: Teja Tscharntke et al. When natural habitat fails to enhance biological pest control – Five hypotheses. Biological Conservation (2016), http://dx.doi.org/10.1016/j.biocon.2016.10.001

Hinweis an die Redaktionen:
Fotos zum Thema haben wir unter http://www.uni-goettingen.de/de/3240.html?cid=5659 zum Download bereitgestellt.

Kontaktadresse:
Prof. Dr. Teja Tscharntke
Georg-August-Universität Göttingen
Fakultät für Agrarwissenschaften
Department für Nutzpflanzenwissenschaften – Abteilung Agrarökologie
Grisebachstraße 6, 37077 Göttingen
Telefon (0551) 39-9209, E-Mail: ttschar@gwdg.de
Internet: http://www.agroecology.uni-goettingen.de

Weitere Informationen:

http://www.uni-goettingen.de/de/3240.html?cid=5659
http://dx.doi.org/10.1016/j.biocon.2016.10.001

Thomas Richter | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Biologische Vielfalt von grünlanddominierten Kulturlandschaften unter der Lupe
20.04.2018 | Hochschule Weihenstephan-Triesdorf

nachricht Nitrat-Problem der Landwirtschaft in Luft auflösen
29.03.2018 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Moleküle brillant beleuchtet

Physiker des Labors für Attosekundenphysik, der Ludwig-Maximilians-Universität und des Max-Planck-Instituts für Quantenoptik haben eine leistungsstarke Lichtquelle entwickelt, die ultrakurze Pulse über einen Großteil des mittleren Infrarot-Wellenlängenbereichs generiert. Die Wissenschaftler versprechen sich von dieser Technologie eine Vielzahl von Anwendungen, unter anderem im Bereich der Krebsfrüherkennung.

Moleküle sind die Grundelemente des Lebens. Auch wir Menschen bestehen aus ihnen. Sie steuern unseren Biorhythmus, zeigen aber auch an, wenn dieser erkrankt...

Im Focus: Molecules Brilliantly Illuminated

Physicists at the Laboratory for Attosecond Physics, which is jointly run by Ludwig-Maximilians-Universität and the Max Planck Institute of Quantum Optics, have developed a high-power laser system that generates ultrashort pulses of light covering a large share of the mid-infrared spectrum. The researchers envisage a wide range of applications for the technology – in the early diagnosis of cancer, for instance.

Molecules are the building blocks of life. Like all other organisms, we are made of them. They control our biorhythm, and they can also reflect our state of...

Im Focus: Metalle verbinden ohne Schweißen

Kieler Prototyp für neue Verbindungstechnik wird auf Hannover Messe präsentiert

Schweißen ist noch immer die Standardtechnik, um Metalle miteinander zu verbinden. Doch das aufwändige Verfahren unter hohen Temperaturen ist nicht überall...

Im Focus: Software mit Grips

Ein computergestütztes Netzwerk zeigt, wie die Ionenkanäle in der Membran von Nervenzellen so verschiedenartige Fähigkeiten wie Kurzzeitgedächtnis und Hirnwellen steuern können

Nervenzellen, die auch dann aktiv sind, wenn der auslösende Reiz verstummt ist, sind die Grundlage für ein Kurzzeitgedächtnis. Durch rhythmisch aktive...

Im Focus: Der komplette Zellatlas und Stammbaum eines unsterblichen Plattwurms

Von einer einzigen Stammzelle zur Vielzahl hochdifferenzierter Körperzellen: Den vollständigen Stammbaum eines ausgewachsenen Organismus haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Berlin und München in „Science“ publiziert. Entscheidend war der kombinierte Einsatz von RNA- und computerbasierten Technologien.

Wie werden aus einheitlichen Stammzellen komplexe Körperzellen mit sehr unterschiedlichen Funktionen? Die Differenzierung von Stammzellen in verschiedenste...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Fraunhofer eröffnet Community zur Entwicklung von Anwendungen und Technologien für die Industrie 4.0

23.04.2018 | Veranstaltungen

Mars Sample Return – Wann kommen die ersten Gesteinsproben vom Roten Planeten?

23.04.2018 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Moleküle brillant beleuchtet

23.04.2018 | Physik Astronomie

Sauber und effizient - Fraunhofer ISE präsentiert Wasserstofftechnologien auf Hannover Messe

23.04.2018 | HANNOVER MESSE

Fraunhofer IMWS entwickelt biobasierte Faser-Kunststoff-Verbunde für Leichtbau-Anwendungen

23.04.2018 | Materialwissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics