Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Biodiversität schützt nicht jede Region vor Trockenheit

10.10.2014

Ergebnisse eines europäischen Projekts widerlegen bisherige Annahmen zur Baumartenvielfalt

Zukünftig werden in Teilen der Welt wie zum Beispiel in Mittel- oder Südeuropa vermehrt Dürreperioden auftreten, die auch die Stabilität von Wäldern reduzieren können.


Wald

Foto: Michael Scherer-Lorenzen

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des internationalen Projekts FunDivEUROPE, das der Freiburger Ökologe Prof. Dr. Michael Scherer-Lorenzen koordiniert, haben erforscht, ob die Vielfalt an Baumarten die Widerstandsfähigkeit eines Waldbestands gegen Trockenheit beeinflusst.

Im Gegensatz zu bisherigen Annahmen belegt die Studie, dass die Artenvielfalt keinen durchweg positiven Effekt auf die Stabilität der Wälder hat. Die Ergebnisse sind in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift „Proceedings of the National Academy of Sciences“ (PNAS) erschienen.

Bekannt ist, dass die biologische Vielfalt des Ökosystems Wald die Leistungsfähigkeit sowie die Resistenz gegenüber Schadinsekten und Krankheiten fördern kann, da verschiedene Baumarten Ressourcen unterschiedlich nutzen und unterschiedlich anfällig für Schadorganismen sind. Bislang haben Forscherinnen und Forscher angenommen, dass Biodiversität die Fähigkeit von Waldökosystemen erhöht, dürrebedingten Stress abzupuffern.

Um die Auswirkungen der Biodiversität auf die Widerstandsfähigkeit der europäischen Wälder gegen Trockenheit zu untersuchen, hat das Team unter Mitwirkung der Freiburger Ökologen Michael Scherer-Lorenzen und Dr. David Forrester insgesamt 160 Waldbestände in Spanien, Italien, Rumänien, Polen und Deutschland ausgewählt und miteinander verglichen. Die Diversität der Baumarten reichte von Monokulturen bis zu Fünf-Arten-Mischungen.

„Unsere Studie zeigt, dass Mischwälder nur in einigen Regionen widerstandsfähiger als Monokulturen gegenüber Trockenstress sind“, sagt Scherer-Lorenzen: Die Baumartenvielfalt biete nur in dürregefährdeten Gebieten eine erhöhte Widerstandskraft gegen Trockenheit; also in Regionen, in denen die Häufigkeit und Schwere der Dürre während der Vegetationszeit bereits relativ hoch sei.

Daher gewährleiste allein eine Waldbewirtschaftung, welche die Baumartenvielfalt erhöhen will, nicht unbedingt eine bessere Anpassungsfähigkeit an mögliche Klimaextreme wie schwere Dürreperioden.

„Eine große Bedeutung spielen nicht nur die Anzahl an Arten, sondern vor allem die Identität der vorkommenden Baumarten sowie die lokalen klimatischen Bedingungen“, berichtet Forrester. Dies sei eine Voraussetzung, um die komplementäre Nutzung von Ressourcen unter Trockenstress zu erhalten und damit die Funktionsfähigkeit des Ökosystems Wald zu stabilisieren.

Originalpublikation:
Grossiord C., Granier A., Ratcliffe S., Bouriaud O., Bruelheide H., Checko E., Forrester D.I., Dawud S.M., Finér L., Pollastrini M., Scherer-Lorenzen M., Valladares F., Bonal D. & Gessler A. (2014). Tree diversity does not always improve resistance of forest ecosystems to drought. Proceedings of the National Academy of Sciences. DOI: 10.1073/pnas.1411970111

Weitere Informationen:
http://www.fundiveurope.eu

Kontakt:
Prof. Dr. Michael Scherer-Lorenzen
Geobotanik
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Tel.: 0761/203-5014
E-Mail: michael.scherer@biologie.uni-freiburg.de

Rudolf-Werner Dreier | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau
Weitere Informationen:
http://www.uni-freiburg.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Acht europäische Länder im Kampf gegen den Asiatischen Laubholzbockkäfer
06.01.2017 | Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL

nachricht Kleinbauern in Afrika: Clevere Milchkühlung – dank Solar auch ohne Stromanschluss
02.01.2017 | Universität Hohenheim

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Im Focus: Studying fundamental particles in materials

Laser-driving of semimetals allows creating novel quasiparticle states within condensed matter systems and switching between different states on ultrafast time scales

Studying properties of fundamental particles in condensed matter systems is a promising approach to quantum field theory. Quasiparticles offer the opportunity...

Im Focus: Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

Solarthermie ist in der breiten Öffentlichkeit derzeit durch dunkelblaue, rechteckige Kollektoren auf Hausdächern besetzt. Für ästhetisch hochwertige Architektur werden Technologien benötigt, die dem Architekten mehr Gestaltungsspielraum für Niedrigst- und Plusenergiegebäude geben. Im Projekt »ArKol« entwickeln Forscher des Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern aktuell zwei Fassadenkollektoren für solare Wärmeerzeugung, die ein hohes Maß an Designflexibilität erlauben: einen Streifenkollektor für opake sowie eine solarthermische Jalousie für transparente Fassadenanteile. Der aktuelle Stand der beiden Entwicklungen wird auf der BAU 2017 vorgestellt.

Im Projekt »ArKol – Entwicklung von architektonisch hoch integrierten Fassadekollektoren mit Heat Pipes« entwickelt das Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

Aquakulturen und Fangquoten – was hilft gegen Überfischung?

16.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Geothermie: Den Sommer im Winter ernten

18.01.2017 | Energie und Elektrotechnik

Kompositmaterial für die Wasseraufbereitung

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Brain-Computer-Interface: Wenn der Computer uns intuitiv versteht

18.01.2017 | Informationstechnologie