Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Weniger Pestizide im Bio-Gemüse

10.05.2002


Diskurs zwischen ökologischem Landbau und konventioneller Landwirtschaft entfacht

Biologisch angebautes Obst und Gemüse enthält um ein Drittel weniger Pestizide als das aus konventioneller Landwirtschaft. Das ergab eine Studie, die im amerikanischen "Food Additives and Contaminants Journal" veröffentlicht wurde.

Die Debatte um die Pestizidbelastung in organisch angebautem Obst und Gemüse wurde in einer TV-Sendung des ABC-News-Programms "20/20" im Februar 2000 losgetreten. Damals behauptete John Stossel, Korrespondent von ABC, dass es Forschungsberichte gebe, die beweisen, dass biologisch angebautes Obst und Gemüse ebenso Pestizid belastet sei wie herkömmlich angebautes. Obwohl der Reporter in einem weiteren Statement die Behauptung später zurückzog, gab es heftige Reaktionen seitens der Consumer Union, die darin eine Attacke gegen die biologische Landwirtschaft sah.

Edward Groth von der Consumers Unit zeigt sich über die neuerliche Untersuchung erfreut. "Vorher gab es keine Daten, nur Meinungen. Die Ergebnisse der neuen Studie belegen aber eindeutig, dass die Pestizidrückstände in organisch gezogenem Obst und Gemüse wesentlich niedriger sind als in denen aus der konventionellen Landwirtschaft", so Groth. Tatsächlich wurden in der Studie der amerikanischen Landwirtschaftsbehörde (Department of Agriculture) mehr als 94.000 Proben untersucht, die zwischen 1994 und 1999 in Kalifornien gezogen wurden. Nur knapp 1.300 davon stammten aus ökologischem Anbau. 73 Prozent aller gezogenen Proben enthielten zumindest nachweisbare Rückstände eines einzelnen Pestizids und sechs Mal häufiger verschiedene Pestizid-Rückstände als organische. Dagegen konnten bei nur 23 Prozent der ökologisch angebauten Güter Pestizid-Rückstände gefunden werden. In Kalifornien wurden bei 31 Prozent der konventionellen Lebensmittel Rückstände gefunden und nur bei 6,5 Prozent aus biologischem Anbau.

Die Studie hat auch untersucht, warum Obst und Gemüse aus der biologischen Landwirtschaft überhaupt Pestizid-Rückstände aufwies. Die Gründe dafür liegen in der Bindung langanhaltender Gifte wie DDT, die offensichtlich immer noch im Boden vorhanden sind. Wenn DDT aus der Untersuchung genommen wurde, fiel das Maß an Rückständen noch niedriger aus: dann enthielten nur noch 13 Prozent der Lebensmittel nachweisbare Pestizide.

Gegner der organischen Landwirtschaft, allen voran das American Council on Science and Health, das 40 Prozent seines Budgets von der Industrie bekommt, behaupten, dass Gesundheitsrisiken durch Pestizide nicht hinreichend erforscht sind. Es gebe keinen Hinweis darauf, dass die Pestizide schädlich für die Gesundheit sein könnten, so Gilbert Ross vom Council. Dagegen wettert die Environmental Protection Agency seit Jahren. Dort wird nämlich seit 1996 die Reduzierung von Pestiziden gefordert.

Die Menge an Pestiziden in konventionellen Landwirtschaftsprodukten ist immer noch unter dem Grenzwert, der definitiv als gesundheitsgefährdend eingestuft wird. Er bewegt sich aber dennoch in einem Bereich, von dem einige Forscher meinen, er sei zu hoch. Klar ist für die Environmental Working Group, einer non-profit-Forschungsorganisation, dass das Ergebnis der Studie eindeutig für organische Nahrungsmittel spreche. "Wer die Pestizidmenge verringern will, greift zu Produkten, die aus ökologischer Landwirtschaft stammen", so Ken Cook, Chef der Environmental Working Group.

Wolfgang Weitlaner | pte.monitor
Weitere Informationen:
http://www.tandf.co.uk
http://www.epa.gov
http://www.ewg.org

Weitere Berichte zu: DDT Gemüse Pestizid Pestizid-Rückstände

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Klimawandel – die Tanne sticht Fichte und Buche aus
10.08.2017 | Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL

nachricht Feuerbrand bekämpfen und Salmonellen nachweisen
14.06.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

International führende Informatiker in Paderborn

21.08.2017 | Veranstaltungen

Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik

21.08.2017 | Veranstaltungen

DGI-Forum in Wittenberg: Fake News und Stimmungsmache im Netz

21.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Im Neptun regnet es Diamanten: Forscherteam enthüllt Innenleben kosmischer Eisgiganten

21.08.2017 | Physik Astronomie

Ein Holodeck für Fliegen, Fische und Mäuse

21.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Institut für Lufttransportsysteme der TUHH nimmt neuen Cockpitsimulator in Betrieb

21.08.2017 | Verkehr Logistik