Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Blauzungenkrankheit jetzt deutschlandweit

14.11.2007
Die Blauzungenkrankheit hat sich deutschlandweit ausgebreitet.

Das geht aus Untersuchungen hervor, die von dem Düsseldorfer Parasitologen Prof. Dr. Heinz Mehlhorn im Auftrag des Bundesministeriums für Landwirtschaft und Ernährung koordiniert wurden und auf hiesige Gnitzenfängen sowie Blutuntersuchungen des Friedrich-Löffler-Instituts zurückgehen.

Mittlerweile sind in der Bundesrepublik weit über 100.000 Schafe und Rinder gemeldet, die mit dem Virus infiziert sind, allein in NRW über 10.000. Die Zahl der tatsächlich erkrankten Nutztiere schätzt Mehlhorn weit höher ein.

Weitergegeben wird das erstmals 2006 in Holland, Belgien und dem Aachener Raum aufgetretene Blauzungenvirus durch Stechmücken, sg. "Gnitzen". Die nur 0,8 mm große Gnitzenart Culicoides obsoletus konnten Mehlhorn und sein Team damals als Überträger des Krankheitsauslösers identifizieren.

Die Hoffnung war nun, dass das Virus im Winter 2006/07 abstarb. Die Untersuchungen zeigten jedoch, dass auch im Jahr 2007 die Gnitzenart Culicoides obsoletus Überträger des Virus ist und die Krankheit sich rasant über das Bundesgebiet ausgebreitet hat. Waren ursprünglich nur Höfe rund um Aachen, dann in ganz NRW betroffen (ca. 800 Betriebe), sind jetzt auch Viehbestände in Bayern, im Berliner Raum und in Sachsen befallen.

Die Krankheit ist für den Menschen nicht ansteckend, der Erreger greift bei Schafen, Rindern und Ziegen die Schleimhäute und viele andere Organe an und verursacht Fieber.

Die Todesrate der befallenen Schafe liegt bei bis zu 30 Prozent, die der Rinder bei vier Prozent. Der volkswirtschaftliche Schaden ist enorm, da die Tiere nicht transportiert werden dürfen und die Milchleistung rapide sinkt.

Die bundesweite Ausbreitung der Krankheit führt der Düsseldorfer Parasitologe hauptsächlich darauf zurück, dass offenbar Tiere transportiert wurden, die äußerlich nicht krank erschienen, jedoch bereits das Virus trugen.

Leitfrage für Mehlhorn und sein Team war dabei: Was ist der Grund für die rasante Ausbreitung des Virus in Zentral-Europa: die globale Erwärmung oder die Globalisierung?

Hintergrund: Ursprünglich glaubte man, dass der Überträger des Virus im wesentlichen die Art Culicoides imicola sei, die im Süden Afrikas beheimatet ist und auch am Nordrand des Mittelmeeres vorkommt. War diese nun durch die globale Erwärmung nach Norden gezogen und mit ihr das Virus? Die Antwort lautet: nein.

Es erwies sich in den vom Monitoring - Team bundesweit durchgeführten Fängen von 2006 und 2007, dass die in Mitteleuropa wichtigste Art, die dort schon immer in großen Mengen vorhanden war und von März bis Dezember fliegt, dafür verantwortlich ist. Also ist das Virus offenbar durch globalisierten Tiertransport nach Zentraleuropa gekommen, denn Culicoides imicola war in Deutschland, Belgien und Holland in keinen Fängen dabei.

Kontakt:
Prof. Dr. Heinz Mehlhorn
Institut für Zoomorphologie, Zellbiologie und Parasitologie
Heinrich-Heine-universität Düsseldorf
Tel. 0211-8113052, Fax 0211-8114499, mail: mehlhorn@uni-duesseldorf.de

Rolf Willhardt | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-duesseldorf.de

Weitere Berichte zu: Blauzungenkrankheit Culicoides Schafe Virus

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Software-App für optimale Düngergabe
09.11.2017 | Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e.V.

nachricht Win-Win-Situation Arznei- und Gewürzpflanzen + Bestäuber-Insekten
06.11.2017 | Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

IfBB bei 12th European Bioplastics Conference mit dabei: neue Marktzahlen, neue Forschungsthemen

22.11.2017 | Veranstaltungen

Zahnimplantate: Forschungsergebnisse und ihre Konsequenzen – 31. Kongress der DGI

22.11.2017 | Veranstaltungen

Tagung widmet sich dem Thema Autonomes Fahren

21.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Bakterien als Schrittmacher des Darms

22.11.2017 | Biowissenschaften Chemie

Ozeanversauerung schädigt Miesmuscheln im Frühstadium

22.11.2017 | Biowissenschaften Chemie

Die gefrorenen Küsten der Arktis: Ein Lebensraum schmilzt davon

22.11.2017 | Geowissenschaften