Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Der Kaviar unter den Düngern

10.07.2007
Ehemalige russische Waffenforscher stellen in der FAL ersten funktionellen Phosphordünger aus Glas vor

Nach drei Jahren intensiver Entwicklungsarbeit hat das Konsortium aus Forschern und Forscherinnen aus dem russischen St. Petersburg, dem Otto Schott Institut in Jena und dem Institut für Pflanzenernährung und Bodenkunde der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL) in Braunschweig ihr Ziel erreicht: ein funktioneller Phosphordünger komplett vom Reißbrett.

Im Gegensatz zu herkömmlichen Phosphordüngern, die üblicherweise durch Lösen von phosphorhaltigen Gesteinen in Säuren hergestellt werden, wird dieser Dünger aus den klassischen Grundstoffen der Glasherstellung unter Zusatz reiner Phosphate erschmolzen. Der besondere Vorteil: durch Variation von Ausgangstoffen sowie von Dauer und Temperatur im Schmelz- und Auskühlungsprozess lassen sich Materialien mit über weite Bereiche definierbaren Lösungseigenschaften fertigen.

Durch Veränderung der Glaszusammensetzung können Lösungszeiten in 2%iger Zitronensäure von wenigen Tagen bis zu vier Jahren eingestellt und so die Versorgung aus dem Dünger optimal an den Phosphorbedarf der Pflanze angepasst werden. Im Ergebnis kann die bei herkömmlichen Phosphordüngern geringe Ausnutzung durch Pflanzen, die im Anwendungsjahr üblicherweise kaum mehr als 10% beträgt, mehr als verdoppelt werden. Ein Effekt, der besonders auch der Umwelt zugute kommt, da dann zwangsläufig auch weniger Phosphor in Grund- und Oberflächengewässer verloren geht.

... mehr zu:
»Bodenkunde »Dünger »Kaviar »Phosphor

Ursprünglich arbeiteten die russischen Wissenschaftler/innen am St. Petersburger "Forschungs- und Entwicklungs-Institut für Optische Materialien", wo zu Zeiten des Kalten Krieges Spezialgläser als Träger für militärisch relevante Mikroorganismen und die Herstellung von Lasern untersucht wurden. Während der damaligen Arbeiten beobachteten die Wissenschaftler/innen, dass bestimmte Glasmischungen unter widrigen Umwelteinflüssen rascher erblindeten. Was damals unerwünscht war, bildete aber mit der neuen friedlichen Zielsetzung der Arbeitsgruppe die Grundlage für die Idee des neuen Düngers: Glas, dass sich auflöst und dabei Phosphor für die Ernährung von Pflanzen freisetzt.

Gefördert wurde das anspruchsvolle Projekt aus einem Programm der Europäischen Union und der NATO, das nicht nur technisches Know-how der ehemaligen Waffenforschung in der Sowjetunion erhalten, sondern auch verhindern soll, dass Mitarbeiter/innen ehemals sicherheitssensibler Forschung in nicht mehr kontrollierbare Bereiche abwandern.

Die Idee haben die russischen Kolleginnen und Kollegen in die Gründung einer eigenen Firma eingebracht, die nun Interessenten für das Produktionsverfahren sucht. Das wiederum dürfte nicht ganz so einfach sein, denn wie echter Kaviar für seinen besonderen Geschmack, hat auch der Kaviar unter den Düngern für seine besonderen Eigenschaften seinen Preis und der liegt etwa 10 Mal so hoch wie bei marktgängigen Produkten.

Weitere Informationen:
Lipovskii et al.: Principal studies on phosphate glasses for fertilizers. Landbauforschung Völkenrode 4/2007 und http://www.avamarket.com/J_English/m.htm

Kontakt: Prof. Dr. Dr. Ewald Schnug und Dr. Jürgen Fleckenstein, Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL), Institut für Pflanzenernährung und Bodenkunde, Bundesallee 50, 38116 Braunschweig, Tel.: 0531 596 2101; E-Mail: pb@fal.de

Margit Fink | idw
Weitere Informationen:
http://www.avamarket.com/J_English/m.htm

Weitere Berichte zu: Bodenkunde Dünger Kaviar Phosphor

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Erstmals Studie zu Hai- und Rochenarten in deutschen Meeren
19.04.2017 | Bundesamt für Naturschutz

nachricht Wenn Städte immer mehr an Boden gewinnen: Wie gelingt Land- und Gartenbau südlich der Sahara?
11.04.2017 | Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Im Focus: Wonder material? Novel nanotube structure strengthens thin films for flexible electronics

Reflecting the structure of composites found in nature and the ancient world, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have synthesized thin carbon nanotube (CNT) textiles that exhibit both high electrical conductivity and a level of toughness that is about fifty times higher than copper films, currently used in electronics.

"The structural robustness of thin metal films has significant importance for the reliable operation of smart skin and flexible electronics including...

Im Focus: Immunzellen helfen bei elektrischer Reizleitung im Herzen

Erstmals elektrische Kopplung von Muskelzellen und Makrophagen im Herzen nachgewiesen / Erkenntnisse könnten neue Therapieansätze bei Herzinfarkt und Herzrhythmus-Störungen ermöglichen / Publikation am 20. April 2017 in Cell

Makrophagen, auch Fresszellen genannt, sind Teil des Immunsystems und spielen eine wesentliche Rolle in der Abwehr von Krankheitserregern und bei der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Forschungsexpedition „Meere und Ozeane“ mit dem Ausstellungsschiff MS Wissenschaft

24.04.2017 | Veranstaltungen

3. Bionik-Kongress Baden-Württemberg

24.04.2017 | Veranstaltungen

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Phoenix Contact übernimmt Spezialisten für Netzleittechnik

24.04.2017 | Unternehmensmeldung

Phoenix Contact beteiligt sich an Berliner Start-up Unternehmen für Energiemanagement

24.04.2017 | Unternehmensmeldung

Phoenix Contact übernimmt Spezialisten für industrielle Kommunikationstechnik

24.04.2017 | Unternehmensmeldung