Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Biologische Schaderregerkontrolle für Erdbeeren im Garten des Bundespräsidenten

05.06.2007
Das Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) in Müncheberg und das Landesamt für Verbraucherschutz, Landwirtschaft und Flurneuordnung (LVLF) des Landes Brandenburg stellen unter dem Motto "Gute Pilze schützen Erdbeeren vor Pilzkrankheiten" eine innovative biologische Schaderregerkontrolle für Erdbeeren auf der Woche der Umwelt (5./6. Juni 2007) in Berlin im Garten von Schloss Bellevue vor.

Aus über 400 Bewerbern hat der Bundespräsident zusammen mit der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU, Osnabrück) etwa 180 Aussteller eingeladen, an der "Woche der Umwelt" in Berlin teilzunehmen. Diese einzigartige Informationsschau zu Innovationen in Forschung und Entwicklung im Bereich Umwelt wurde bisher zweimal, 2002 und 2004, durchgeführt. Im Garten von Schloss Bellevue, dem Amtssitz des Bundespräsidenten, zeigt das ZALF als einer der Aussteller der "Woche der Umwelt" Beispiele, was moderne Umwelt- und Landschaftsforschung bieten und welche Praxisnähe sehr gute Grundlagenforschung haben kann.

Erdbeeren sind wie alle Kulturpflanzen während des Anbaus durch viele Schaderreger bedroht. Kostengünstige, wirksame und umweltverträgliche Verfahren zur Kontrolle der wichtigsten Erkrankungen sind aber rar. Die Sorte 'Elsanta' stellt europaweit die Hauptsorte im Erdbeeranbau dar, ist aber hochgradig anfällig für den Erreger der Verticillium-Welke, einem Schadpilz. Die Verticillium-Welke kann innerhalb von 4 Wochen zu einem Absterben der Pflanzen führen (Bild. 1, 2). Ein wirtschaftlicher Totalverlust ergibt sich, wenn über 30% der Pflanzen ausfallen.

Ausgangspunkt für die Entwicklung eines biologischen Bekämpfungsverfahrens waren die Vorgaben von EU und Bundesregierung, durch Verbote bzw. die Beschränkung des Einsatzes von chemischen Pflanzenschutzmitteln die Umweltbelastung zu vermindern. Speziell bei der Bekämpfung der Verticillium-Welke im Erdbeeranbau gibt es durch das seit 2001 geltende Anwendungsverbot keine zugelassenen Pflanzenschutzmittel.

Die Untersuchung von 9 verschiedenen Praxis-Standorten des Erdbeeranbaus über mehrere Jahre ergab, dass vitale Pflanzen den Schadpilz ebenso enthalten wie stark geschädigte. Durch eine sensitive molekulargenetische Analyse der über 400 gewonnenen Pilzisolate konnte eine reproduzierbare Aufteilung der Art V. dahliae in genetische Subtypen durchgeführt werden. Hierdurch war es möglich, die Besiedlung von vitalen und geschädigten Pflanzen zu analysieren und einzelne Subtypen näher zu charakterisieren. Die Subtypen dieser Pilzart in den vitalen Pflanzen wirken aber nicht schädigend auf die Pflanze. Überwiegen in einer Pflanze die nichtschädigenden Subtypen, werden die sonst schädigenden Subtypen zurückgedrängt.

Die Beimpfung mit einzelnen Verticillium-Stämmen und mit Mixturen dieser Stämme ergab bei ganz speziellen Kombinationen der Subtypen eine Schadensfreiheit der Pflanzen. Allerdings zeigten Klimakammerversuche mit 2 Temperaturprogrammen, dass es auch Pilz-Stämme gibt, die erst unter erhöhter Temperatur Schäden verursachten. Bei einer klimatischen Erwärmung sind voraussichtlich diese dann schädigenden Subtypen bereits im Boden anzutreffen. Andere Pilz-Stämme verursachen nur unter kühlen Bedingungen Schäden. Neben den temperaturabhängig schädigenden kommen auch generell stark schädigende und, selten, apathogene (generell nicht schädigende) Subtypen vor.

Als biologisches Kontrollverfahren gegen die Verticilliumwelke bei Erdbeeren hat sich nun als wirksam herausgestellt, dass durch den Zusatz von 3 aufeinander abgestimmten Subtypen, auch unter Nutzung apathogener, bei der Erdbeer-Pflanzung die Pflanzen vital bleiben. Diese Wirkung tritt auch bei erhöhter Temperatur ein. Dieses Prinzip der biologischen Schaderregerkontrolle von V. dahliae wurde vom ZALF zum Patent angemeldet (Offenlegung 10. Mai 2007 unter der Nummer WO 2007/051654, ZALF in Müncheberg; LVLF Müncheberg; gefördert durch DBU, Az: 18940;).

Potential: Die Nutzung dieser ökologischen Zusammenhänge ermöglicht ein umweltgerechtes Anbauverfahren und sichert eine hohe Vitalität der Erdbeerpflanzen auch bei steigender Temperatur, wie sie in für einen anstehenden Klimawandel prognostiziert werden.

Über das ZALF
Das Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e. V. betreibt eine inter- und transdisziplinierte integrative Erforschung von Ökosystemen in Agrarlandschaften und Entwicklung ökologisch und ökonomisch vertretbarer Landnutzungssysteme, die auf die zukünftige Entwicklung der ländlichen Räume ausgerichtet ist. Es ist seit 1997 Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft.
Wissenschaftlicher Ansprechpartner:
Dr. P. Lentzsch plentsch@zalf.de

Heike Schäfer | idw
Weitere Informationen:
http://www.zalf.de

Weitere Berichte zu: Erdbeeranbau Erdbeeren Schaderregerkontrolle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Feuerbrand bekämpfen und Salmonellen nachweisen
14.06.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

nachricht Das Potenzial nichtheimischer Baumarten für den forstlichen Anbau in Deutschland sachlich prüfen
14.06.2017 | Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Future Security Conference 2017 in Nürnberg - Call for Papers bis 31. Juli

26.06.2017 | Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

„Digital Mobility“– 48 Mio. Euro für die Entwicklung des digitalen Fahrzeuges

26.06.2017 | Förderungen Preise

Fahrerlose Transportfahrzeuge reagieren bald automatisch auf Störungen

26.06.2017 | Verkehr Logistik

Forscher sorgen mit ungewöhnlicher Studie über Edelgase international für Aufmerksamkeit

26.06.2017 | Physik Astronomie