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Verständnis der Körpersprache der Bäume vermeidet Unfälle

10.05.2007
Das im Forschungszentrum Karlsruhe entwickelte "Visual Tree Assessment (VTA)" erhält aktualisierte Feldanleitung

Die Baumkontrollmethode VTA (Visual Tree Assessment) ist eine weltweit verbreitete und rechtlich anerkannte Methode zur Beurteilung der Verkehrssicherheit von Bäumen. Professor Dr. Claus Mattheck, Leiter der Abteilung Biomechanik am Forschungszentrum Karlsruhe und vereidigter Sachverständiger, hat VTA entwickelt und publiziert.

15 Jahre nach seinem ersten Buch zum Thema VTA ist nun die "Aktualisierte Feldanleitung für Baumkontrollen mit Visual Tree Assessment" erschienen, in die neben den methodischen Grundlagen die wissenschaftlichen Weiterentwicklungen aus diesem Zeitraum eingeflossen sind. Das im Verlag des Forschungszentrums erschienene Buch wendet sich einerseits an Baumpfleger und alle anderen Berufsgruppen, die mit der Verkehrssicherung von Bäumen beschäftigt sind, andererseits aber auch an interessierte Laien und alle Menschen, die Bäume lieben.

Bäume streben nach einer gleichförmigen Spannungsverteilung auf der Baumoberfläche. Wird diese durch lokal hohe Spannungen gestört, lagert der Baum an dieser Stelle dickere Jahresringe an. Ist er umgekehrt lokal unterbelastet, führt dies zu einem geringeren Zuwachs. Die Gestalt der Bäume ist somit ein Protokoll ihrer Lastgeschichte, eine Biographie in Holz. Der Baum kann, anders als Knochen, einmal gebildetes Holz nicht wieder entfernen, er ist somit immer ein exaktes Protokoll seiner Vergangenheit. Dies ist die Grundlage der Baumkontrollmethode VTA (Visual Tree Assessment). VTA deutet die Körpersprache der Bäume, indem sie Reparaturanbauten innere Defekte zuordnet, diese bestätigt und vermisst, schließlich mit Versagenskriterien bewertet und daraus Maßnahmen für eine "Therapie" des Baumes ableitet. Es ist diese Naturnähe und Nachvollziehbarkeit der Mattheck'schen Biomechanik, die VTA zur weltweit verbreiteten Baumkontrollmethode machen.

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Die neue Feldanleitung für Baumkontrollen von Professor Dr. Claus Mattheck führt in die Grundlagen des Visual Tree Assessment ein und zeigt anhand vieler Zeichnungen und Bilder die Warnsignale in der Körpersprache der Bäume. In das Buch sind die neuesten wissenschaftlichen Ergebnisse eingeflossen, beispielsweise Erkenntnisse zum Versagen hohler Bäume, zu schlanker Bäume und Äste sowie zur Körpersprache der Pilzfruchtkörper, die ebenfalls stumm beredter Zeuge im Schadensfall sein können.

In seinem neuen Buch führt Professor Mattheck auch ein in das Tree Engineering, einer taschenrechnertauglichen Mechanik auch für Formel-Ängstliche, die es erlaubt, Belastungen baumnaher Hauswände, Gasleitungen, Baumstützen, sowie Mindestgrößen von Pflanzkübeln und Standflächen abzuschätzen. Natur und Kultur rücken immer enger zusammen. In Singapore stehen Bäume auf den Dächern der Hochhäuser. Die Wechselwirkungen zwischen biologischem und künstlichem Bauteil werden immer enger, Baumhäuser und Hochseilanlagen sprießen in die Lüfte, ohne Tree Engineering gibt es dort keine Verkehrssicherheit.

Nicht zuletzt ist das Buch auch ein Beitrag zum Rechtsfrieden. VTA hilft seit über einem Jahrzehnt, begründete Schadenersatzansprüche nach Baumunfällen zu befriedigen und unbegründete abzuweisen. Es gibt nämlich auch unvorhersehbare Baumunfälle: Der Preis des Leichtbaus ist eine natürliche Versagensrate auch defektfreier, unbeschnittener Bäume beispielsweise bei Orkanen, die heute keineswegs mehr Jahrhundertereignisse sind.

Die "Aktualisierte Feldanleitung für Baumkontrollen mit Visual Tree Assessment" (ISBN 978-3-923704-58-3), 170 Seiten, viele Farbabbildungen, kann zum Preis von 30,-- Euro bei der Buchhandlung Mende in Karlsruhe (Tel. 0721 981610, E-Mail: info@mende.de) bezogen werden. Eine englische Übersetzung "Updated field guide for visual tree assessment" erscheint im Juni 2007.

Das Forschungszentrum Karlsruhe ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, die mit ihren 15 Forschungszentren und einem Jahresbudget von rund 2,1 Milliarden Euro die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands ist. Die insgesamt 24 000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Helmholtz-Gemeinschaft forschen in den Bereichen Struktur der Materie, Erde und Umwelt, Verkehr und Weltraum, Gesundheit, Energie sowie Schlüsseltechnologien.

Dr. Joachim Hoffmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.fzk.de/presse

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