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Getreideblattläuse als fliegende Virusüberträger unterwegs

09.03.2007
Biologische Bundesanstalt warnt vor Ausbreitung von Viruskrankheit im Getreide, da milder Winter zur Vermehrung infizierter Blattläuse geführt hat.

Mit wachsender Besorgnis registrieren deutsche Landwirte den für die Jahreszeit ungewöhnlich hohen Blattlausbefall im Wintergetreide. Jetzt häufen sich Meldungen über Wintergerste, die vom Gerstengelbverzwergungs-Virus befallen ist. Das Virus, kurz BYDV, wird von infizierten Blattläusen auf die Pflanzen übertragen.

"Ein starker Blattlausbefall im Herbst und der milde Winter haben dazu geführt, dass viele Blattläuse auf den Feldern überlebt haben", erklärt Dr. Udo Heimbach von der Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft (BBA). Dieser Fakt für sich allein ist schon besorgniserregend, doch die Tiere sind zusätzlich schon ungewöhnlich mobil. Bei dem Insektenkundler der BBA sind im Februar Blattlausproben aus dem gesamten Bundesgebiet eingetroffen. Etwa 20 % der erwachsenen Läuse waren geflügelt. Ein für die Jahreszeit ungewöhnlich hoher Wert. "Wird die Blattlauspopulation nicht dezimiert, kann sich die Viruserkrankung in diesem Frühjahr rasch weiter ausbreiten", warnt der Wissenschaftler der BBA.

Er und seine Kollegen haben die Blattlausproblematik kürzlich auf der Tagung des Arbeitskreises Getreideschädlinge der Deutschen Phytomedizinschen Gesellschaft (DPG) behandelt. "Wir schätzen, dass fast das gesamte Bundesgebiet betroffen ist, da es kaum Regionen gibt, in denen es kalt genug war", erklärt Heimbach. Infiziert werden neben der besonders anfälligen Wintergerste auch Hafer, Weizen und andere Getreidearten. Vom Virus befallene Pflanzen bleiben klein (verzwergen) und ihre Blätter verfärben sich gelb- bzw. rot. Der kümmerliche Wuchs führt zu erheblichen Ertragsverlusten. Beim Weizen wird die Infektion erst spät erkannt, da hier die Symptome später auftreten als in der Gerste.

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Das Virus selbst kann nicht bekämpft werden. Der Experte von der BBA empfiehlt den Landwirten, ihre Felder auf Blattläuse zu kontrollieren und mit den Pflanzenschutzdiensten der jeweiligen Bundesländer über geeignete Maßnahmen zu beraten. Die Blattlausplage und die nachfolgende Virusinfektion betrifft sowohl ökologisch als auch integriert wirtschaftende landwirtschaftliche Betriebe, sofern sie keine Insektizidbehandlung im Herbst durchgeführt haben.

Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen hat bereits Empfehlungen herausgegeben. In verschiedenen Regionen des Landes wurden Gerstentriebe auf Virusbefall untersucht und auf einigen Schlägen auch in der Region Braunschweig ein Befall von über 50 % ermittelt. Typisch für den Befall sind gelbe Nester auf den sonst grünen Feldern.

Hintergrundinformation:

Getreideblattläuse bringen die meiste Zeit ihres Lebens lebende Junge zur Welt. Nur im Herbst legen sie Eier. In einem kalten Winter überleben keine oder sehr wenige erwachsene Tiere auf dem Feld. Deshalb entwickelt sich die neue Blattlausgeneration in der Regel im Frühjahr langsam aus überwinterten Ei-Gelegen. Da Blattläuse an den Pflanzen saugen, können sie Pflanzenviren übertragen. Normalerweise sind im Herbst eines Jahres nur wenige Tiere Virusträger. Diese Läuse übertragen das Virus auf ihre Wirtspflanze, an der sich dann ihre Nachkommen infizieren und das Virus auf benachbarte Pflanzen übertragen. Geflügelte Blattläuse tragen die Infektion dann auch über weitere Strecken in benachbarte Felder weiter.

Wissenschaftlicher Ansprechpartner:
Dr. Udo Heimbach
Institut für Pflanzenschutz in Ackerbau und Grünland der
Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft (BBA)
Messeweg 11-12, 38104 Braunschweig
Tel.: 0531 / 299-4510
E-Mail: u.heimbach(at)bba.de

Stefanie Hahn | idw
Weitere Informationen:
http://www.bba.bund.de

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