Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die neue Dynamik des Bio-Marktes

07.03.2007
Forschungsteam legt zweibändige Publikation über die Entwicklung des Biosektors seit der Agrarwende im Jahr 2001 vor. Die Forscher geben Empfehlungen, wie unerwünschten Nebenfolgen des boomenden Bio-Markts auf den einzelnen Ebenen der Akteurskette - von der Landwirtschaft über den Handel bis zu den Konsumierenden - gegengesteuert werden kann.

Seit der BSE-Krise zu Beginn des Jahres 2001 und der als Reaktion darauf ausgerufenen "Agrarwende" hat der Markt für Bioprodukte in Deutschland einen Boom erlebt: Allein im Jahr 2006 ist er um 15 Prozent gewachsen. Insgesamt hat sich die Branche stark aufgefächert: Neben den klassischen Bioläden entstanden zunehmend Bio-Supermärkte. Aber auch im konventionellen Lebensmitteleinzelhandel, insbesondere bei Discountern wie zum Beispiel Aldi, Lidl, Norma oder Plus werden wachsende Umsätze mit Bio-Lebensmitteln erzielt. Dieser Bio-Boom wurde wesentlich durch die Einführung des staatlichen Biosiegels beschleunigt.

Die Entwicklung der letzten Jahre hatte jedoch nicht nur positive Auswirkungen. So ist seit einiger Zeit festzustellen, dass deutsche Produzenten die steigende Nachfrage nicht mehr bedienen können und daher zunehmend Bio-Rohstoffe aus dem Ausland importiert werden müssen. Insgesamt gewinnen so auch im Bio-Bereich die Strukturen und Mechanismen der konventionellen Lebensmittelerzeugung und -vermarktung an Gewicht. Nicht nur bei Produzenten, sondern auch bei den Konsumenten werden dadurch Fragen aufgeworfen: Wie geht es weiter mit dem deutschen Biolandbau? Oder: Ist die Qualität der angebotenen Produkte gewährleistet?

Der Forschungsverbund "Von der Agrarwende zur Konsumwende?" hat verschiedene Aspekte der jüngsten Entwicklungen untersucht und dabei auch exemplarische Studien zur Entwicklung des Öko-Landbaus in zwei ausgewählten Regionen Deutschlands - in der Großregion München sowie in Mecklenburg-Vorpommern - durchgeführt. In einer zweibändigen Buch-Publikation stellen die Wissenschafterinnen und Wissenschaftler nun die Ergebnisse vor. Zentrale Ergebnisse dieser Forschungsarbeiten sind:

... mehr zu:
»Dynamik »Konsument

1. "Bio" hat die gesellschaftliche Nische verlassen. Die neue Dynamik des Bio-Markts nötigt diesen Sektor jedoch zu ökonomischen Anpassungsstrategien und hat im Produktions- wie im Distributionsbereich eine Ausdifferenzierung von Betriebstypen, Vermarktungsformen und Handlungsmotiven zur Folge. Auch auf Seiten der Konsumenten fächern sich die Kaufmotive auf.

2. Tendenzen der "Konventionalisierung" des Bio-Sektors gefährden die Glaubwürdigkeit der Produkte. Dazu trägt auch bei, dass das staatliche Biosiegel den Konsumenten nur unzureichend die spezifischen Qualitäten und den Zusatznutzen von Bio-Lebensmitteln vermittelt; dazu gehören neben der ökologischen Produktion auch der Tierschutz, die Förderung der regionalen Agrarwirtschaft oder die Landschaftspflege.

3. Während der Handel mit Bioprodukten boomt, sind die Öko-Landwirte aufgrund der problematischen Einkommenssituation und der unklaren Zukunftsperspektiven im Rahmen der europäischen Agrarpolitik eher verunsichert. Auch der traditionelle Naturkosthandel unterliegt einem verstärkten Verdrängungswettbewerb.

"Dass sich der Markt in den letzten Jahren ausdifferenziert hat, beinhaltet aber auch Chancen, wenn sich diese ausdifferenzierten Strukturen durch Netzwerkbildung, verstärkte Beratung und ein bracheninternes Wertemanagement stabilisieren lassen", so der Leiter des Verbundprojektes, Prof. Dr. Karl-Werner Brand (MPS/TU München). "Die alteingesessenen Anbieter in Landwirtschaft und Handel, welche die traditionellen Werte der Biobranche vertreten, können weiterhin die klassische Klientel bedienen, während neue Angebotsformen gleichzeitig dafür sorgen, dass sich der Biomarkt wirtschaftlich weiterentwickelt." Nach Auffassung des Forschungsteams ist dazu eine verstärkte Leitbild-Kommunikation notwendig, die eine Balance zwischen traditionellen Wertorientierungen und ökonomischen Anpassungszwängen in der Bio-Branche herstellt, die spezifischen Qualitäten und den gesellschaftlichen Zusatznutzen von Bio-Produkten überzeugend vermittelt und einen besseren Ausgleich schafft zwischen den Rahmenbedingungen des Öko-Landbaus und den Vorstellungen und Kauf-Motiven der Konsumenten. Die beiden Ergebnisbände liefern detaillierte Analysen und Vorschläge, wie dies am besten geschehen kann:

1. Welche speziellen Beratungs- und Unterstützungsleistungen benötigen die verschiedenen Betriebstypen und Segmente des Bio-Markts.

2. Wie können Konsumenten, die verschiedene biographische Umbruchsituationen erleben, für nachhaltige Ernährungsstile gewonnen werden.

3. Welche Formen der gruppen- und situationsspezifischen Ansprache eignen sich dafür am besten.

"Die neue Dynamik des Bio-Markts" und "Von der Agrarwende zur Konsumwende?", Karl-Werner Brand (Hrsg.), Oekom Verlag, München, 2007, Ergebnisse Sozial-ökologischer Forschung, Band 4 und 5, ISBN 978-3-86581-039-7 und 978-3-86581-040-3

Das Projekt war Teil des Forschungsschwerpunktes Sozial-ökologische Forschung (SÖF), der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert wird.

Ralph Wilhelm | idw
Weitere Informationen:
http://www.sozial-oekologische-forschung.org
http://www.konsumwende.de

Weitere Berichte zu: Dynamik Konsument

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Feuerbrand bekämpfen und Salmonellen nachweisen
14.06.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

nachricht Das Potenzial nichtheimischer Baumarten für den forstlichen Anbau in Deutschland sachlich prüfen
14.06.2017 | Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: 3-D scanning with water

3-D shape acquisition using water displacement as the shape sensor for the reconstruction of complex objects

A global team of computer scientists and engineers have developed an innovative technique that more completely reconstructs challenging 3D objects. An ancient...

Im Focus: Einblicke unter die Oberfläche des Mars

Die Region erstreckt sich über gut 1000 Kilometer entlang des Äquators des Mars. Sie heißt Medusae Fossae Formation und über ihren Ursprung ist bislang wenig bekannt. Der Geologe Prof. Dr. Angelo Pio Rossi von der Jacobs University hat gemeinsam mit Dr. Roberto Orosei vom Nationalen Italienischen Institut für Astrophysik in Bologna und weiteren Wissenschaftlern einen Teilbereich dieses Gebietes, genannt Lucus Planum, näher unter die Lupe genommen – mithilfe von Radarfernerkundung.

Wie bei einem Röntgenbild dringen die Strahlen einige Kilometer tief in die Oberfläche des Planeten ein und liefern Informationen über die Struktur, die...

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Gipfeltreffen der String-Mathematik: Internationale Konferenz StringMath 2017

24.07.2017 | Veranstaltungen

Von atmosphärischen Teilchen bis hin zu Polymeren aus nachwachsenden Rohstoffen

24.07.2017 | Veranstaltungen

Recherche-Reise zum European XFEL und DESY nach Hamburg

24.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Gipfeltreffen der String-Mathematik: Internationale Konferenz StringMath 2017

24.07.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Von atmosphärischen Teilchen bis hin zu Polymeren aus nachwachsenden Rohstoffen

24.07.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Lupinen beim Trinken zugeschaut – erstmals 3D-Aufnahmen vom Wassertransport zu Wurzeln

24.07.2017 | Biowissenschaften Chemie