Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Krieg auf dem Acker? Landwirte nicht mehrheitlich gegen grüne Gentechnik

02.03.2007
Agrarwissenschaftliche Befragung zur Akzeptanz von gentechnisch veränderten Saatgutsorten

Die im Gegensatz zur Verbraucherseite bislang wenig erforschte Einstellung der deutschen Landwirtschaft gegenüber der grünen Gentechnik haben jetzt Agrarwissenschaftler der Universität Göttingen in einer Studie untersucht: Ein Forschungsteam unter der Leitung des Agrarökonomen Prof. Dr. Achim Spiller hat dazu 370 Landwirte befragt, darunter insbesondere Besitzer von größeren landwirtschaftlichen Betrieben in Norddeutschland. Danach befürwortet knapp ein Drittel der Befragten die Verwendung von gentechnisch veränderten Saatgutsorten, während sich 29 Prozent klar gegen den Einsatz von GV-Saatgut aussprechen. "Die größte Gruppe von über 38 Prozent ist unentschlossen kritisch, aber nicht gänzlich ablehnend", erläutert Prof. Spiller. "Entgegen der oft vertretenen These, Landwirte seien mehrheitlich gegen Gentechnik, zeigen die Ergebnisse unserer Untersuchung ein geteiltes Bild."

Die Akzeptanz der grünen Gentechnik in der Gesellschaft wird bereits seit mehreren Jahren intensiv untersucht. "Bisher konzentriert sich die Forschung in Deutschland jedoch fast ausschließlich auf die Verbraucherseite", erläutert Prof. Spiller. Nach seinen Angaben konnte hier wiederholt ein klares Meinungsbild festgestellt werden. Verbraucher lehnen "Genfood" mehrheitlich ab. "Die Position der Landwirtschaft wird dagegen erheblich weniger diskutiert", so der Göttinger Agrarwissenschaftler, der die Studie zusammen mit Kollegen der Fachhochschule Osnabrück durchgeführt hat. Um zu klären, welche Einflussgrößen die Einstellung der Landwirte gegenüber grüner Gentechnik maßgeblich bestimmen, wurde eine sogenannte Regressionsanalyse durchgeführt. Mit einem solchen statistischen Verfahren kann berechnet werden, welche Faktoren die Gesamteinschätzung besonders stark prägen.

Die Göttinger Studie zeigt, dass vor allem das Meinungsbild der Familie und ökonomischer Druck eine zustimmende Haltung gegenüber gentechnisch veränderten Pflanzen beeinflussen. "So ist davon auszugehen, dass einige Landwirte GV-Saatgut aufgrund wirtschaftlicher Vorteile einsetzen würden, obgleich sie dieser Thematik unter Umständen kritisch gegenüberstehen. Neben der Zustimmung des räumlichen Umfelds spielt außerdem das Innovationsverhalten landwirtschaftlicher Entscheider gegenüber neuen Saatgutsorten eine wichtige Rolle", betont Studienleiter Julian Voss. "Erstaunlicherweise haben das Haftungsrisiko und mögliche Probleme wie eine Verunkrautung der Anbauflächen nur eine nachgeordnete Bedeutung." Die Befragung gibt zudem darüber Aufschluss, wie gefestigt das Meinungsbild der befragten Landwirte gegenüber der grünen Gentenik tatsächlich ist. Danach schwanken Gegner des GV-Saatguts in ihrer Einstellung deutlich stärker als die Gentechnik-Befürworter.

... mehr zu:
»Acker »Gentechnik »Göttinger »Landwirt

"Auf die direkte Frage, ob künftig der Einsatz von gentechnisch veränderten Saatgutsorten geplant ist, antworten jedoch auch die befürwortenden Landwirte zunächst zurückhaltend. Wird jedoch ein konkretes Produkt wie zum Beispiel Mais oder Zuckerrüben mit Vor- und Nachteilen vorgestellt, erhöht sich die Bereitschaft zum Einsatz von GV-Saatgut. Selbst in der Gruppe der Gegner steigt die Verwendungswahrscheinlichkeit", sagt Prof. Spiller. Der Wissenschaftler, der an der Göttinger Fakultät für Agrarwissenschaften den Arbeitsbereich Marketing für Lebensmittel und Agrarprodukte leitet, fordert einen "sensiblen Umgang mit dieser konfliktbeladenen Thematik". Prof. Spiller: "Es muss insgesamt ein fairer Interessensausgleich angestrebt werden, um den vielzitierten ,Krieg auf dem Acker' zu vermeiden." Weitere Ergebnisse der Göttinger Studie können im Internet unter der Adresse http://www.agrarmarketing.uni-goettingen.de abgerufen werden.

Kontaktadresse:
Prof. Dr. Achim Spiller
Georg-August-Universität Göttingen
Fakultät für Agrarwissenschaften
Department für Agrarökonomie und Rurale Entwicklung
Platz der Göttinger Sieben 5, 37073 Göttingen
Telefon (0551) 39-4822, Fax (0551) 39-12122
e-mail: a.spiller@agr.uni-goettingen.de

Marietta Fuhrmann-Koch | idw
Weitere Informationen:
http://www.agrarmarketing.uni-goettingen.de

Weitere Berichte zu: Acker Gentechnik Göttinger Landwirt

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Kaskadennutzung auch bei Holz positiv
11.12.2017 | Technische Universität München

nachricht Warum pflanzt man Bäume auf dem Acker?
29.11.2017 | Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Scientists channel graphene to understand filtration and ion transport into cells

Tiny pores at a cell's entryway act as miniature bouncers, letting in some electrically charged atoms--ions--but blocking others. Operating as exquisitely sensitive filters, these "ion channels" play a critical role in biological functions such as muscle contraction and the firing of brain cells.

To rapidly transport the right ions through the cell membrane, the tiny channels rely on a complex interplay between the ions and surrounding molecules,...

Im Focus: Stabile Quantenbits

Physiker aus Konstanz, Princeton und Maryland schaffen ein stabiles Quantengatter als Grundelement für den Quantencomputer

Meilenstein auf dem Weg zum Quantencomputer: Wissenschaftler der Universität Konstanz, der Princeton University sowie der University of Maryland entwickeln ein...

Im Focus: Realer Versuch statt virtuellem Experiment: Erfolgreiche Prüfung von Nanodrähten

Mit neuartigen Experimenten enträtseln Forscher des Helmholtz-Zentrums Geesthacht und der Technischen Universität Hamburg, warum winzige Metallstrukturen extrem fest sind

Ultraleichte und zugleich extrem feste Werkstoffe – poröse Nanomaterialien aus Metall versprechen hochinteressante Anwendungen unter anderem für künftige...

Im Focus: Geburtshelfer und Wegweiser für Photonen

Gezielt Photonen erzeugen und ihren Weg kontrollieren: Das sollte mit einem neuen Design gelingen, das Würzburger Physiker für optische Antennen erarbeitet haben.

Atome und Moleküle können dazu gebracht werden, Lichtteilchen (Photonen) auszusenden. Dieser Vorgang verläuft aber ohne äußeren Eingriff ineffizient und...

Im Focus: Towards data storage at the single molecule level

The miniaturization of the current technology of storage media is hindered by fundamental limits of quantum mechanics. A new approach consists in using so-called spin-crossover molecules as the smallest possible storage unit. Similar to normal hard drives, these special molecules can save information via their magnetic state. A research team from Kiel University has now managed to successfully place a new class of spin-crossover molecules onto a surface and to improve the molecule’s storage capacity. The storage density of conventional hard drives could therefore theoretically be increased by more than one hundred fold. The study has been published in the scientific journal Nano Letters.

Over the past few years, the building blocks of storage media have gotten ever smaller. But further miniaturization of the current technology is hindered by...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Innovative Strategien zur Bekämpfung von parasitären Würmern

08.12.2017 | Veranstaltungen

Hohe Heilungschancen bei Lymphomen im Kindesalter

07.12.2017 | Veranstaltungen

Der Roboter im Pflegeheim – bald Wirklichkeit?

05.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einmal durchleuchtet – dreifacher Informationsgewinn

11.12.2017 | Physik Astronomie

Kaskadennutzung auch bei Holz positiv

11.12.2017 | Agrar- Forstwissenschaften

Meilenstein in der Kreissägetechnologie

11.12.2017 | Energie und Elektrotechnik