Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Agrarwende bleibt stecken

05.02.2002


Ökologische Marktwirtschaft gefordert

Naturschutz kann Geld bringen

Neben allen Nachteilen hatte die BSE-Krise einen Vorteil: sie gab den Anstoß für einen Richtungswechsel in der Agrarpolitik. Ökologische Reformen wurden in Angriff genommen. Trotz ehrgeiziger Ansätze ist es jedoch bisher zu keinen tiefgreifenden Veränderungen gekommen. Stattdessen droht die Agrarwende stecken zu bleiben: in Lagerkämpfen zwischen Bauernverband, Bundesverbraucherschutzministerium und den Landwirtschaftsministerien einiger Bundesländer. Ursache des drohenden Scheiterns der Reformen sei ihre Oberflächlichkeit - so die aktuelle Stellungnahme des Zentrums für Agrarlandschafts- und Landnutzungsforschung (ZALF), Müncheberg. Es genüge nicht, lediglich ökologischen Landbau stärker zu fördern und vorsorgenden Verbraucherschutz anzustreben. Notwendig sei vielmehr der konsequente Einstieg in die ökologische Marktwirtschaft.

"Naturschutzinteressen müssen nicht an der Intervention der Landwirtschaft scheitern. Auch muss dabei die Landwirtschaft nicht der Verlierer sein", erklärt Prof. Dr. Hubert Wiggering. Vielmehr ließen sich der Umweltschutz und die Interessen der Landwirte durchaus miteinander vereinbaren. Tatsächlich könnten die Bauern am Naturschutz sogar verdienen. Wer sagt denn, dass "Windbrecher" (Hindernisse, die quer zur Windrichtung gepflanzt werden, um die Bodenerosion aufzuhalten) immer langweilige Hecken sein müssen? Hier sei Kreativität gefragt, um Landschaft aktiv mitzugestalten. Auf diese Weise können Sonntagsausflügler und Touristen angezogen werden, die die Region wirtschaftlich beleben.

Ein Beispiel für den kreativen Umgang mit Landschaft seien die Irrgärten, die Landwirte in Mais- und Getreidefeldern anlegen und für die sie dann Eintritt nehmen. Verstärkt werden sollte die Entwicklung attraktiver Landschaften, für deren Besuch dann ein kleiner Betrag gezahlt wird. Generell wäre nach Möglichkeiten zu suchen, mit denen Landwirte zusätzlich zur traditionellen Produktion ihre Einkünfte aufbessern können.

In diesem Zusammenhang sollte das bestehende Fördersystem für Umweltleistungen konsequent umstrukturiert werden, fordert Wiggering. An die Stelle einer handlungsorientierten Förderung könnte dann eine Finanzierung treten, die am Ergebnis orientiert ist. Zurzeit erhalten Landwirte beispielsweise Prämien, wenn sie es vermeiden, Ackerrandstreifen mit Pestiziden zu besprühen. Dadurch soll die Artenvielfalt bewahrt werden. In einer ergebnisorientierten Förderung würde die gleiche Prämie erst dann vergeben, wenn die gefährdeten Arten wie Mohn- und Kornblumen am Ackerrand wieder wachsen. "Auf diese Weise muss der Landwirt sich viel stärker an Qualitätsmerkmalen ausrichten," meint Wiggering. "Zahlungen sollten nicht flächenorientiert erfolgen, sondern an den von der Gesellschaft gewünschten Leistungen orientiert. Dann versucht der Landwirt seinen Anbau zu optimieren und wird standortgerecht wirtschaften - das heißt im Einklang mit den naturräumlichen Möglichkeiten."

Weiterhin solle die Agrarwende eher mit Belohnungen statt mit Verboten angestrebt werden. Die Honorierung ökologischer Aktivitäten sei wichtiger als Restriktionen. Die Mittel hierzu könnten durch Umwidmung der Gelder des EU-Agrarhaushalts bereitgestellt werden. Umweltleistungen wie die Luftreinhaltung, die Grundwasserneubildung und der Erhalt der Vielfalt von Pflanzen und Tieren sollen sich finanziell lohnen.

Der Bedarf nach einer staatlichen Regelung des Umweltschutzes werde um so geringer, je konsequenter sich eine ökologische Marktwirtschaft entwickelt, bei der der Anreiz zu ökologischem Verhalten im finanziellen Vorteil liege, meint Wiggering.

Das ZALF gehört zu den 79 außeruniversitären Forschungsinstituten und Serviceeinrichtungen für die Forschung der Leibniz-Gemeinschaft. Das Spektrum der Leibniz-Institute ist breit und reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Sozial- und Raumwissenschaften bis hin zu den Geisteswissenschaften und Museen mit angeschlossener Forschungsabteilung. Die Institute beschäftigen rund 12.000 Mitarbeiter und haben einen Gesamtetat von 820 Millionen Euro. Sie arbeiten nachfrageorientiert und inter-disziplinär und sind von überregionaler Bedeutung. Da sie Vorhaben im gesamtstaatlichen Interesse betreiben, werden sie von Bund und Ländern gemeinsam gefördert. 

Kontakt:


Prof. Dr. Hubert Wiggering
Zentrum für Agrarlandschafts- und Landnutzungsforschung (ZALF)
Tel: 033432/82 200

E-Mail: wiggering@zalf.de

Dr. Frank Stäudner | idw
Weitere Informationen:
http://www.wgl.de.

Weitere Berichte zu: Agrarwende Landnutzungsforschung Landwirt ZALF

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Wurmmittel für Weidetiere können die Keimung von Pflanzensamen beeinflussen
27.04.2017 | Universität Trier

nachricht Erstmals Studie zu Hai- und Rochenarten in deutschen Meeren
19.04.2017 | Bundesamt für Naturschutz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

Jenaer Akustik-Tag: Belastende Geräusche minimieren - für den Schutz des Gehörs

27.04.2017 | Veranstaltungen

Ballungsräume Europas

26.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

VLC 200 GT von EMAG: Neue passgenaue Dreh-Schleif-Lösung für die Bearbeitung von Pkw-Getrieberädern

27.04.2017 | Maschinenbau

Induktive Lötprozesse von eldec: Schneller, präziser und sparsamer verlöten

27.04.2017 | Maschinenbau

Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

27.04.2017 | Informationstechnologie