Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gen-Baumwolle soll Millionen Menschen satt machen

22.11.2006
Experte: Hungerproblem nie mit Gentechnologie lösbar

Forscher der texanischen A&M Universität von Texas haben eine toxische Substanz aus Baumwolle-Samen entfernt. Mit dieser Entdeckung wollen sie Millionen Hungernde satt machen, berichtet das Wissenschaftsmagazin Nature in seiner Online-Ausgabe. Bis zu 500 Mio. Menschen könnten nämlich mit den Baumwollsamen, die sonst nicht verwendet werden, versorgt werden.

In mehr als 80 Ländern der Welt wird Baumwolle angebaut. "Was die Menschen davon nutzen, ist die Faser, nicht aber die Samen", meint Keerti Rathore, einer der Studien-Mitarbeiter. Für ein Kilogramm Fasern fallen 1,65 Kilogramm Samen mit einem hohen Proteinanteil an, rechnen die Forscher vor. Der chemische Bestandteil Gossypol macht diese Samen derzeit allerdings für den Menschen, nicht aber für Vieh, ungeniessbar. Gossypol ist ein Terpenoid und schützt die Baumwollpflanze vor Fressfeinden und Schädlingen - und befindet sich daher in Blättern, im Stängel und in der Blüte der Pflanze. Die US-Forscher haben mit Hilfe einer Technik namens RNA-Interferenz (RNAi) die biochemischen Wege unterdrückt und damit Samen hergestellt, die um 98 Prozent weniger Gossypol enthielten als herkömmliche. Ganz verschwunden ist der Stoff aus den Pflanzen jedoch nicht, da die Blätter dieses Gift weiterhin noch enthalten. RNAi hat sich als gentechnisches Verfahren zum Ausschalten von Genen in Laborversuchen etabliert.

In vorangegangenen Untersuchungen hatten Forscher immer wieder versucht, das Gossypol mit Hilfe von Kreuzungen mit wilden Baumwollpflanzen zu eliminieren. Allerdings sei das nicht gelungen, berichtet das Wissenschaftsmagazin National Geographic http://www.nationalgeographic.com . Nun wollen Forscher auch andere schwach toxische Nahrungsmittel wie etwa Kassava und Fava-Bohnen mit der gleichen Art verändern, um sie nach eigenen Angaben noch sicherer zu machen. Die Toxine der beiden Nahrungsmittel werden allerdings durch Erhitzen zerstört und verursachen nur im rohen oder schlecht gegarten Zustand Beschwerden. Die Wissenschaftler wollen nun feststellen, ob die Gen-Baumwollsamen auch nach mehrfacher Anwendung immer noch geniessbar bleiben.

"Was die Menschen in den meisten Ländern, in denen Hunger herrscht, brauchen, ist genug Geld für ihre Produkte, um aus der Saatgut- und Pestizidfalle herauszukommen", meint der Gentechnik-Experte Werner Müller von GLOBAL2000 http://www.global2000.at im pressetext-Interview. Mit Hilfe der Gentechnologie werde das kaum möglich sein. Wie Jean Ziegler, Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung in der Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen, im Film "We Feed The World" http://www.we-feed-the-world.at sagt, "wird jeder Mensch, der heute verhungert, ermordet". Es sei immer noch nicht gelungen, das Ziel zu erreichen, dass Bauern schuldenfrei anbauen können. Und das sei derzeit einfach nicht der Fall. Nahrungsmittel gebe es auf der Welt genug. Jeden Tag würden Tonnen davon vernichtet. "Umgekehrt hat die Agrochemie in den vergangenen Jahrzehnten kräftig verdient, so dass heute der Satz gilt: Bauern sind arm geworden, die Industrie hingegen reich", subsumiert Müller. Daher liege in der Gentechnologie sicher nicht der Schlüssel zur Bekämpfung des weltweiten Hungers.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://ipgb.tamu.edu
http://www.nature.com

Weitere Berichte zu: Gentechnologie Nahrungsmittel Samen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Acht europäische Länder im Kampf gegen den Asiatischen Laubholzbockkäfer
06.01.2017 | Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL

nachricht Kleinbauern in Afrika: Clevere Milchkühlung – dank Solar auch ohne Stromanschluss
02.01.2017 | Universität Hohenheim

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise