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Unterglasanbau - Einsatz von Kieselgur auch bei hoher Luftfeuchte

25.10.2006
Diatomeenerde oder Kieselgur ist ein fossiles Mineral, das sich aus den mikroskopisch kleinen Schalen abgestorbener Kieselalgen gebildet hat.

Durch seine spezifische Kristallstruktur kann Diatomeenerde Flüssigkeiten und Wachse in hohem Maße aufsaugen. Im Vorratsschutz wird es erfolgreich als physikalisch wirkendes Insektizid angewendet. Die Wirkung beruht auf einer Beschädigung der Insektencuticula durch Absorption und Adsorption von Lipiden.

Da hohe relative Luftfeuchte die Wirksamkeit herabsetzt, war ein Einsatz der Präparate im Freiland oder Gewächshaus bisher nicht erfolgreich. Mit neuen Formulierungen, die an der Humboldt-Universität zu Berlin und am Institut für Vorratsschutz der Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft entwickelt wurden, kann bis zu einer relativen Luftfeuchte von 75 Prozent eine insektizide Wirkung erzielt werden.

Auf der Pflanzenschutztagung in Göttingen stellte Prof. Dr. Christoph Reichmuth als Coautor Versuche von Prof. Dr. Dr. Christian Ulrichs, Tanja Mucha-Pelzer und Dr. Inga Mewis mit elektrostatisch appliziertem Kieselgur vor. Nach vier bis fünf Tagen sei bei Meerrettichblattkäfern (Phaedon cochleariae), die sich auf behandelten Pak-Choi-Pflanzen befanden, eine 100-prozentige Mortalität eingetreten. Weitere gute Bekämpfungserfolge konnten mit der Grünen Pfirsichblattlaus (Myzus persicae) und der Weißen Fliege (Trialeurodes vaporariorum) erzielt werden.

Aufgrund der physikalischen Wirkungsweise zeigte sich Reichmuth jedoch zuversichtlich, dass Kieselgur auch gegen weitere Schadinsekten eingesetzt werden kann. Schädlinge mit einem harten Exoskelett - wie Käfer - seien besser zu bekämpfen als Schmetterlingslarven mit einer weichen und sich nachbildenden Cuticula. Ferner sei zu beachten, dass nicht alle im Handel verfügbaren Diatomeenerden sich elektrostatisch applizieren ließen.

Die Photosyntheseleistung der behandelten Pflanzen habe kurzfristig um rund 30 Prozent abgenommen, sei jedoch innerhalb von 24 Stunden und nach Entfernen des Belages durch Abwaschen wieder auf den ursprünglichen Wert angestiegen. Unter dem Lichtmikroskop konnten die Berliner Wissenschaftler nach dem Abwaschen keinerlei Diatomeenreste auf den Pflanzen entdecken. Weiterhin blieb die befürchtete Verstopfung der Spaltöffnungen aus.

Dr. Ute Zöllner | aid infodienst
Weitere Informationen:
http://www.aid.de

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