Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Agrarflächen in den Tropen: Regenwald sorgt für natürliche Schädlingskontrolle

05.07.2006
Agrarflächen in den Tropen: Regenwald sorgt für natürliche Schädlingskontrolle. Göttinger Wissenschaftler untersuchen die "Serviceleistungen" aus der Natur für den Menschen

Agrarflächen in den Tropen wie zum Beispiel Kaffeeplantagen weisen ein größeres Potential der natürlichen Schädlingskontrolle auf, wenn sie in unmittelbarer Nachbarschaft zum Regenwald angesiedelt sind. Sie beherbergen nicht nur vermehrt blütensuchende Bienen und Wespen, sondern zeigen in der nächsten Stufe der Nahrungskette auch eine größere Vielfalt von Organismen, die einen Schädlingsbefall begrenzen können. Das haben Agrarökologen der Universität Göttingen in einem Projekt des Sonderforschungsbereichs (SFB) "Stabilität von Randzonen tropischer Regenwälder in Indonesien" nachgewiesen. Am SFB untersuchen seit sechs Jahren Göttinger Wissenschaftler zusammen mit indonesischen Kollegen, wie sich die Umwandlung von Waldrandgebieten in Landnutzungssysteme unter anderem auf die Tier- und Pflanzenwelt auswirkt. Die Folgen für die Artenvielfalt und die "Serviceleistungen" aus der Natur für den Menschen sind dabei Schwerpunktthemen der Abteilung Agrarökologie unter der Leitung von Prof. Dr. Teja Tscharntke. Die Forschungsergebnisse aus Zentral-Sulawesi (Indonesien) wurden in der Fachzeitschrift "Journal of Animal Ecology" vorgestellt.

"Im Zuge der anhaltenden Zerstörung tropischer Regenwälder werden große Flächen in Agroforstsysteme umgewandelt, die vielen Pflanzen und Tieren die natürliche Lebensgrundlage entziehen. Einige Organismen sind zwar in der Lage, sich der veränderten Umwelt anzupassen und profitieren sogar von dieser Umwandlung. Der Großteil der betroffenen Arten kann in den Agrarflächen jedoch nur dann überleben, wenn Rückzugsgebiete ihres urspünglichen Lebensraumes in erreichbarer Nähe vorhanden sind", erläutert Prof. Tscharntke. In früheren Untersuchungen konnte das Wissenschaftlerteam mit Prof. Tscharntke, Privatdozent Dr. Ingolf Steffan-Dewenter und Dr. Alexandra-Maria Klein bereits zeigen, dass Kaffeeplantagen dann einen großen Artenreichtum blütensuchender Bienen aufweisen, wenn sie direkt an den Regenwald angrenzen. Prof. Tscharntke: "Die Zunahme an Bienenarten führt zu einer besseren Bestäubung und damit zu mehr und größeren Kaffeebohnen. Dies gilt nicht nur für Tieflandkaffee, bei dem zwingend Insektenbestäubung erforderlich ist, sondern auch für Hochlandkaffee."

Für ihre weiterführenden Untersuchungen hat Dr. Klein in 24 Kaffeeplantagen am Rande des Lore-Lindu-Nationalparks mit unterschiedlichen Entfernungen zu Regenwaldgebieten Nisthilfen für Bienen und Wespen ausgebracht und über einen Zeitraum von 15 Monaten regelmäßig kontrolliert. Die Forscher erfassten parallel dazu das Auftreten natürlicher Gegenspieler. Dazu gehörten insbesondere Schlupfwespen, die eine wichtige Funktion als Antagonisten vieler Schädlingsarten besitzen. Vielfalt und Befallsrate waren dort am höchsten, wo die Plantagen in unmittelbarer Nähe des Regenwaldes lagen. "Damit besitzen diese Agrarflächen ein größeres Potential zur natürlichen Kontrolle von großen Insektenpopulationen, die zum Beispiel Schaden an Kulturpflanzen anrichten könnten", erläutert die Göttinger Wissenschaftlerin. "Gleichzeitig haben unsere Forschungsarbeiten aber auch deutlich gemacht, dass Organismen auf höheren Stufen der Nahrungskette in stärkerem Maße von der Zerstörung des Regenwaldes beeinträchtigt werden als Arten nahe der Basis."

Kontaktadresse:
Dr. Alexandra-Maria Klein
Georg-August-Universität Göttingen
Fakultät für Agrarwissenschaften
Department für Nutzpflanzenwissenschaften
Waldweg 26, 37073 Göttingen
Telefon (0551) 39-2257, Fax (0551) 39-8806
e-mail: aklein2@gwdg.de

Marietta Fuhrmann-Koch | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-goettingen.de/
http://www.gwdg.de/~uaoe
http://www.storma.de

Weitere Berichte zu: Agrarflächen Regenwald Schädlingskontrolle Tropen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Bürgerforschungsprojekt SAIN: Urban Farming gemeinsam voranbringen
18.01.2018 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

nachricht Projekt "HorseVetMed": Forscher entwickeln innovatives Sensorsystem zur Tierdiagnostik
17.01.2018 | Universität Leipzig

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Im Focus: Artificial agent designs quantum experiments

On the way to an intelligent laboratory, physicists from Innsbruck and Vienna present an artificial agent that autonomously designs quantum experiments. In initial experiments, the system has independently (re)discovered experimental techniques that are nowadays standard in modern quantum optical laboratories. This shows how machines could play a more creative role in research in the future.

We carry smartphones in our pockets, the streets are dotted with semi-autonomous cars, but in the research laboratory experiments are still being designed by...

Im Focus: Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

• Prototypen-Test im Lufthansa FlyingLab
• LYRA Connect ist eine von drei ausgewählten Innovationen
• Bessere Kommunikation zwischen Kabinencrew und Passagieren

Die Zukunft des Fliegens beginnt jetzt: Mehrere Monate haben die Finalisten des Mode- und Technologiewettbewerbs „Telekom Fashion Fusion & Lufthansa FlyingLab“...

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Im Focus: Forscher entschlüsseln zentrales Reaktionsprinzip von Metalloenzymen

Sogenannte vorverspannte Zustände beschleunigen auch photochemische Reaktionen

Was ermöglicht den schnellen Transfer von Elektronen, beispielsweise in der Photosynthese? Ein interdisziplinäres Forscherteam hat die Funktionsweise wichtiger...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Kongress Meditation und Wissenschaft

19.01.2018 | Veranstaltungen

LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

18.01.2018 | Veranstaltungen

6. Technologie- und Anwendungsdialog am 18. Januar 2018 an der TH Wildau: „Intelligente Logistik“

18.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rittal vereinbart mit dem Betriebsrat von RWG Sozialplan - Zukunftsorientierter Dialog führt zur Einigkeit

19.01.2018 | Unternehmensmeldung

Open Science auf offener See

19.01.2018 | Geowissenschaften

Original bleibt Original - Neues Produktschutzverfahren für KFZ-Kennzeichenschilder

19.01.2018 | Informationstechnologie