Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Unterirdische Erosion gefährdet Böden und Wasser

20.03.2001


Gefahr für Mensch und Tier: Tunnelerosion.


Zur Zeit ist es wieder so weit: Auf einzelnen Äckern und Wiesen des Bergischen Landes gibt plötzlich der Boden nach, und es stürzen kreisrunde oder ovale, manchmal metertiefe Löcher ein. Sie entstehen immer an den
Flanken von Hängen oder in Hangmulden und werden durch unterirdisch fließendes Wasser verursacht. An der Universität Bonn wird die gefährliche "Tunnelerosion" momentan intensiv untersucht. Dabei hoffen die Wissenschaftler auch auf die Mithilfe der Bevölkerung.

Vor allem in der kalten Jahreszeit, wenn die Pflanzen eine Ruhephase einlegen und kein Wasser benötigen, passiert es: Das überschüssige Wasser versickert, sammelt sich und spült Hohlräume aus, die irgendwann in sich zusammenbrechen - ein neues "Sinkloch" tut sich auf. "Nach starken Regenfällen hören wir auf dem Grund dieser Sinklöcher das Wasser rauschen", schildert Dr. Johannes Botschek, Privatdozent am Institut für Bodenkunde der Universität Bonn. "Es reißt dabei Bodenmaterial und sogar Steine mit sich." Wenn der Boden standfest genug ist, entstehen dabei unterirdische Tunnels, denen der Vorgang seinen Namen verdankt: Fachleute nennen ihn Tunnelerosion. Die Bonner Bodenkundler beobachten seit einigen Jahren diese Erscheinung, die die betroffenen Böden aushöhlt wie einen Schweizer Käse und ihre landwirtschaftliche Nutzung immer weiter einschränkt. Selbst als Viehweide lassen sich die betroffenen Äcker mitunter nicht mehr verwenden, denn durch die sich ausdehnenden Sinklöcher wird die Grasnarbe und damit die Futtermenge eingeschränkt, oder das Vieh läuft sogar Gefahr, einzubrechen und sich zu verletzen. Das in den ausgewaschenen Tunnels fließende Wasser kann zudem sehr schnell in Bäche und Flüsse gelangen und diese mit Nährstoffen, Pflanzenschutzmitteln oder Organismen belasten. Diese werden dann nicht wie bei einer normalen Versickerung durch den Boden herausgefiltert, so dass die Qualität der oberirdischen Gewässer beeinträchtigt werden kann.

Aus diesem Grund hat auch die Wasserwirtschaft großes Interesse an der Thematik. So läuft im Bereich der Wahnbachtalsperre aktuell eine Untersuchung der Bodenkundler, bei der mit Hilfe von Luftbildern Flächen aufgespürt werden sollen, die bereits Sinklöcher aufweisen. So will man Klarheit darüber erhalten, welche Verbreitung die Tunnelerosion im Bereich der Talsperre hat. "Die Ergebnisse können direkte Folgen für den Gewässerschutz im Einzugsgebiet unserer Trinkwassertalsperre haben", betont Dr. Ralph Krämer, Leiter des Gewässerschutzes beim Wahnbachtalsperrenverband in Siegburg. "Schließlich sind wir stolz auf die gute Wasserqualität in unserer Talsperre. Und das soll auch so bleiben." In Deutschland sei das Phänomen der unterirdischen Erosion noch nicht hinreichend untersucht, betont Botschek. Die Forschungsprojekte am Institut für Bodenkunde sollen diesem Missstand abhelfen. Der Bonner Wissenschaftler hofft dabei auch auf Mithilfe aufmerksamer Landwirte oder Spaziergänger, die gebeten werden, sich unter der Nummer 0228/73-2967 oder unter der E-Mail-Adresse botschek@boden.uni-bonn.de zu melden, wenn sie Anzeichen für Tunnelerosion bemerkt haben.

Weitere Informationen: Privatdozent Dr. Johannes Botschek, Institut für Bodenkunde der Universität Bonn, Tel. 0228/73-2967, Fax: 0228/73-2782, Email:  botschek@boden.uni-bonn.de im Internet unter http://www.tunnelerosion.de/

Weitere Informationen finden Sie im WWW:

Frank Luerweg | idw

Weitere Berichte zu: Bodenkundler Erosion Tunnelerosion

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Elefanten-Herpes: Super-Verbreiter gefährden Jungtiere
04.05.2017 | Universität Zürich

nachricht Wurmmittel für Weidetiere können die Keimung von Pflanzensamen beeinflussen
27.04.2017 | Universität Trier

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten