Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

GhK-Agrarwissenschaftler: Neuorientierung der Agrarpolitik konsequent vorantreiben

20.02.2001


Der Fachbereich Landwirtschaft, Internationale Agrarentwicklung und Ökologische Umweltsicherung der Universität Gesamthochschule Kassel begrüßt die nun eingeleitete grundsätzliche Neuausrichtung der
Agrarpolitik nachdrücklich.

Witzenhausen. Der Fachbereich Landwirtschaft, Internationale Agrarentwicklung und Ökologische Umweltsicherung der Universität Gesamthochschule Kassel (GhK) in Witzenhausen begleitet seit über 20 Jahren kritisch die Entwicklung in der Landwirtschaft und hat in dieser Zeit immer wieder auf Fehlentwicklungen in der Landwirtschaft hingewiesen. Bemängelt wurden u.a. der Einsatz von Fütterungsantibiotika in der Tiermast, tierquälerische Zucht- und Haltungsmethoden sowie die vom Intensivpflanzenbau ausgehenden Gefährdungen von Boden, Wasser und Atmosphäre.

Mittlerweile ist der gesamte Fachbereich in Witzenhausen zu einem Zentrum für Lehre und Forschung in Ökologischer Landwirtschaft ausgebaut worden und bietet den europaweit einzigen Vollstudiengang für Ökologische Landwirtschaft an. Die nun folgende Pressemitteilung geht auf den einstimmigen Beschluss des Fachbereichsrats zurück, den dieser am 16. Februar als Reaktion auf die Regierungserklärung von Bundeslandwirtschaftsministerin Künast gefasst hat:

Der Fachbereich begrüßt die nun eingeleitete grundsätzliche Neuausrichtung der Agrarpolitik nachdrücklich. Die von Ministerin Renate Künast in ihrer Regierungserklärung vom 8. Februar vorgeschlagenen Maßnahmen und Ziele wie Förderung von Regionalität oder Flächenbindung der Tierhaltung sind im Kern richtig und längst überfällig. Selbstverantwortliches Handeln und Gestalten in der Landwirtschaft muss wieder ermöglicht werden. Die Landwirtschaft braucht Rahmenbedingungen für eine ökologisch- und sozialverträgliche Entwicklung, die den Anforderungen der Zukunft gerecht wird und Arbeit im ländlichen Raum bietet.

Zur Umsetzung dieser Ziele müssen jedoch folgende Forderungen ergänzend zu den von Frau Ministerin Künast vorgeschlagenen umgesetzt werden:

· Neuorientierung der Nutztierhaltung
Die Nutztiere als Mitgeschöpfe zu betrachten, heißt konkret die Haltungs- und Fütterungssysteme müssen an die Bedürfnisse der Tiere angepasst werden und nicht die Tiere kurzfristigen Gewinninteressen. Geschieht dies, dann ergeben sich Präventiveffekte, die ggf. den Einsatz von Antibiotika und Chemotherapeutika auf den echten Krankheitsfall beschränken lassen.

· Neuorientierung des Pflanzenbaus
In die Neuorientierung der Landwirtschaft muss neben der tierischen Erzeugung auch die pflanzliche Erzeugung mit einbezogen werden. Die Belastungen von Boden, Wasser und Atmosphäre durch Pflanzenschutzmittel sowie N- und P-Dünger erfordern im Sinne des Verursacherprinzips deutliche Maßnahmen zur Begrenzung ihres Einsatzes.

· Verbot der Gentechnik in der Landwirtschaft und Lebensmittelwirtschaft
Der Einsatz von gentechnisch veränderten Organismen in der Landwirtschaft birgt nicht kalkulierbare Gefahren für die Menschen und das Ökosystem. Er ist ökologisch und sozial nicht zu rechtfertigen und sollte weltweit unterbleiben. Die Einzigartigkeit und Vielseitigkeit der Pflanzen und Tiere muss erhalten werden.

· Rechtliche Rahmenbedingungen an neue Ziele anpassen
Die derzeit gültigen rechtlichen Rahmenbedingungen fördern die Konzentration im vor- und nachgelagerten Bereich der Landwirtschaft und behindern somit die regionale Entwicklung. Das Regelwerk für die handwerkliche Verarbeitung und Vermarktung muss eine ökologisch und regional ausgerichtete Landwirtschaft ermöglichen und dementsprechend angepasst werden. Damit werden kleineren Betrieben qualitative Entwicklungsperspektiven geboten, auch als Alternative zum "Wachsen oder Weichen".

· Ganzheitlichkeit
Der landwirtschaftliche Betrieb kann nicht allein als gewinnmaximierendes Einzelunternehmen gesehen werden. Er muss als Teil eines stabilen Ökosystems betrachtet werden, das volkswirtschaftliche Folgekosten minimiert.

· Landwirtschaft als Bildungsaufgabe verstehen
Um das Problembewusstsein für die Landwirtschaft in der Gesellschaft zu schärfen, muss das Thema Landwirtschaft und Ernährung deutlich stärker als bisher in die schulische Bildung integriert werden. Die vielfältigen Leistungen der Landwirtschaft für die Gesellschaft, die über die reine Produktion von Lebensmitteln hinausgehen, wie die Pflege, der Erhalt und die Weiterentwicklung der Kulturlandschaft, müssen erkannt und entsprechend honoriert werden.

· Umorientierung in der Forschung
Die Grundsätze zur Vergabe von Forschungsfördermitteln müssen neu überdacht werden und den neuen agrarpolitischen Zielen entsprechen. Für die Ausdehnung und Weiterentwicklung des Ökologischen Landbaus müssen die Forschungsmittel hierfür deutlich aufgestockt werden. Wer morgen 20 % Öko-Landbau will, muss heute mindestens 50 % der Forschungsmittel in diesen Bereich lenken. Die wissenschaftlichen Beiräte des BMV müssen mit Fachwissenschaftlern besetzt werden, die die neue Agrarpolitik qualifiziert beraten können.

· Globale Verantwortung
Die weltweiten Wirkungen nationaler und europäischer Agrarpolitik sind zu beachten. Entsprechende ökologische und soziale Standards müssen bei den WTO-Verhandlungen weltweit definiert und durchgesetzt werden.

Kontakt und Informationen:
Prof. Dr. Holger Wildhagen, Dekan des FB 11 der Universität Gesamthochschule Kassel, Tel.: (05542) 98-1212 /-1211, E-Mail: dekfb11@wiz.uni-kassel.de

Prof. Dr. J. Heß (Fachgebiet Ökologische Land- und Pflanzenbausysteme der GhK)
Ist heute unter: 0177/5911315 oder (05542) 98-1587 telefonisch erreichbar.
E-Mail: jhesz@wiz.uni-kassel.de

Ingrid Hildebrand | idw

Weitere Berichte zu: Agrarpolitik Forschungsmittel GhK Neuorientierung Ökologische

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Agritechnica: Silber für neue Technologie zur Blütenausdünnung im Obstbau
16.10.2017 | Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)

nachricht Getreide, das der Dürre trotzt
19.09.2017 | Universität Wien

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Aufräumen? Nicht ohne Helfer

19.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Neue Biotinte für den Druck gewebeähnlicher Strukturen

19.10.2017 | Materialwissenschaften

Forscher studieren molekulare Konversion auf einer Zeitskala von wenigen Femtosekunden

19.10.2017 | Physik Astronomie