Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Europas erster und einziger Voll-Studiengang Ökologischer Landbau

21.03.2001


Europaweit als erste und im Moment und wohl auch auf absehbare Zeit einzige Hochschule bietet die Universität Gesamthochschule Kassel (GhK) an ihrem Standort Witzenhausen seit dem Wintersemester 1996/97 einen
Vollstudiengang "Ökologische Landwirtschaft" an.

Witzenhausen/Kassel. Europaweit als erste und im Moment und wohl auch auf absehbare Zeit einzige Hochschule bietet die Universität Gesamthochschule Kassel (GhK) an ihrem Standort Witzenhausen seit dem Wintersemester 1996/97 einen Vollstudiengang "Ökologische Landwirtschaft" an. Lange bevor das Thema BSE bundesweit relevant wurde, wurde am Fachbereich Landwirtschaft der Universität Kassel der Beschluss gefasst, sich eindeutig zu profilieren und den Studiengang Landwirtschaft auf die Ökologische Landwirtschaft auszurichten. Der Studiengang in Witzenhausen ist projektorientiert. Neben den Grundlagen des allgemeinen und speziell des Ökologischen Landbaus wird den Studierenden u.a. anhand real existierender Fallbeispiele vermittelt, wie man konkret einen Betrieb umstellt: Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein? Passt die Fruchtfolge? Ist die Arbeitsbilanz ausgeglichen? Stimmt die Nährstoffbilanz? Sind die erreichbaren Fördermittel ausgeschöpft und v.a. rechnet sich das Konzept? Neben Inhalten werden auch Schlüsselqualifikationen vermittelt wie z.B. in den Bereichen Organisation, Arbeiten im Team, Projektplanung u.a.m.    In die Forschung werden in die Studierenden auch bereits bei entsprechendem Interesse während ihrer Studienzeit einbezogen. Dort werden wissenschaftliche Fragestellungen behandelt, die die Schließung von Nährstoffkreisläufen, die Verbesserung der Nährstoffeffizienz unter den gegebenen Bedingungen des Ökologischen Landbaus, systemkonforme Maßnahmen zur Regulierung von Krankheiten, Nutzung regenerativer Energiequellen und nachwachsender Rohstoffe betreffen, ebenso Fragen des Naturschutzes im Anbausystem Ökologischer Landbau, der artgemäßen Tierhaltung sowie Marketingkonzepte für Ökoprodukte.

Der Studiengang Ökologischer Landbau ist eingebettet in eine interessante Fachbereichsstruktur, die sich in den vergangenen Jahren zunehmend in Richtung ökologischen Landbau profiliert hat. Zwar wurde bereits vor 20 Jahren an der Universität Gesamthochschule Kassel die europaweit erste Professur für Ökologischen Landbau eingerichtet, zahlreiche heute vorhandene ökologische Fachgebiete wurden aber erst sukzessive aus der konventionellen in die ökologische Agrarwissenschaft überführt. Ausgehend von den drei bereits seit fast 20 bzw. zehn Jahren am Fachbereich angesiedelten Professuren Ökologischer Landbau (heute: Prof. Dr. Jürgen Heß, bis 1993 Prof. Dr. Hartmut Vogtmann), Ökologische Tierhaltung (Prof. Dr. Engelhard Boehncke) und Nutztierethologie und artgemäße Tierhaltung (Prof. Dr. Detlef Fölsch) wurden alle neu ausgeschriebenen Stellen dem neuen Profil des Fachbereiches "Ökologische Landwirtschaft" gewidmet. Zwischenzeitlich neu besetzt wurden die Professuren "Ökologischer Pflanzenschutz" (Prof. Dr. Maria Finckh), "Tierernährung und Tiergesundheit" (Prof. Dr. Albert Sundrum), "Bodenbiologie und Pflanzenernährung" (Prof. Dr. Rainer Jörgensen). Kurz vor der Besetzung steht eine Stiftungsprofessur "Ökologische Lebensmittelqualität und Ernährungskultur" und demnächst ausgeschrieben werden die Professuren "Marketing im Ökologischen Landbau" und "Betriebswirtschaft". Darüber hinaus haben sich bereits am Fachbereich existierende Professuren - wenn auch noch nicht alle vollständig - inhaltlich auf das neue Profil ausgerichtet.
Hinzu kommen zwischenzeitlich neu eingerichtete bzw. von Kassel nach Witzenhausen ganz oder teilweise verlagerte Professuren des Fachbereiches Stadtplanung/Landschaftsplanung, wie z.B. "Ländliche Entwicklung", "Nachhaltige Regionalentwicklung", "Gewässerökologie", "Landschaftsökologie" und "Landschaftsplanung, Naturschutz". Gemeinsam mit dem Fachbereich Landwirtschaft, Internationale Agrarentwicklung und Ökologische Umweltsicherung gestalten diese Fachgebiete den 1996 von der GhK ins Leben gerufenen Lehr- und Forschungsschwerpunkt "Nachhaltige Landnutzung und Regionalentwicklung", dessen elementarer Bestandteil der Studiengang Ökologische Landwirtschaft darstellt.
Zur Abrundung des Konzeptes "Nachhaltige Landnutzung und Regionalentwicklung" und als Experimentierfeld hat die GhK vor gut zwei Jahren die Hessische Staatsdomäne Frankenhausen als Lehr- und Versuchsgut für Ökologische Landwirtschaft und Nachhaltige Regionalentwicklung vom Land Hessen angepachtet und geht nun dort in einem ganzheitlichen Konzept, das landwirtschaftliche Erzeugung in Verbindung mit Regionalentwicklung, Wissenschaft und Öffentlichkeitsarbeit sieht, neue Wege der universitären Auseinandersetzung mit Ökologischer Landwirtschaft. Deutlich wird, dass der Fachbereich das Notwendige tut, um in Ausbildung und Forschung die Voraussetzungen für den ökologischen Umbau der Landwirtschaft vorzubereiten. Bislang gab es allerdings nur sehr begrenzt dafür eine Unterstützung durch die etablierten forschungsfördernden Stellen.
Die Bereitschaft der Landwirte und Verbraucher, bei einer dringend benötigten Agrarwende mitzuziehen (siehe auch GhK-Pressemitteilung unter: http://www.uni-kassel.de/presse/pm/feb01-05.ghk "Agrarwissenschaftlicher Fachbereich fordert konsequente Agrarwende" vom 20.2.2001) ist eine notwendige Voraussetzung. Zwingend notwendig ist aber auch, dass über Ausbildung und Forschung die Voraussetzungen für einen großflächigen Umstieg auf Ökologische Landwirtschaft geschaffen werden. Dazu mangelt es in Agraradministration und Praxis an Fachkräften, die das Ziel "mehr Ökologischer Landbau" umsetzen können. Hier setzt die GhK mit ihrem weitgefächerten Studienangebot in Ökologischer Landwirtschaft und Nachhaltiger Regionalentwicklung an. Zugleich verweisen die Experten aus Witzenhausen und Kassel darauf, dass die Forschungsdefizite im Ökologischen Landbau beträchtlich sind. Anders als der konventionell-integrierten Landbau, der seit mehr als 30 Jahren von einer Vielzahl von privaten und öffentlichen Forschungseinrichtungen beforscht wird, blickt der ökologische Landbau nur auf eine Zeit von etwas mehr als 10 Jahren zurück, in denen eine knappe Hand voll, meist öffentlicher Institute mit bescheidenen Mitteln zum Ökologischen Landbau forschte. Bewegten sich die Forschungsmittel für den Ökologischen Landbau bislang eher auf bzw. unter dem Niveau des jeweiligen Flächenanteils des Ökologischen Landbaus, so wird es künftig notwendig sein, die in den Forschungsbudgets für den Ökologischen Landbaus vorzusehenden Anteile an den Zielgrößen für seine Flächenausdehnung, z.B. 20 % Flächenanteil im Jahr 2010, zu orientieren, so das Votum der GhK-Wissenschaftler.
uh

Kontakt und Informationen:
Prof. Dr. Holger Wildhagen, Dekan des FB 11 der Universität Gesamthochschule Kassel, Tel.: (05542) 98-1212 /-1211, E-Mail: dekfb11@wiz.uni-kassel.de

Prof. Dr. J. Heß (Fachgebiet Ökologische Land- und Pflanzenbausysteme der GhK)
Tel.: (05542) 98-1587, E-Mail: jhesz@wiz.uni-kassel.de

Weitere Informationen finden Sie im WWW:

Ingrid Hildebrand | idw

Weitere Berichte zu: GhK Landbau Regionalentwicklung Ökologischen Ökologischer

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Getreide, das der Dürre trotzt
19.09.2017 | Universität Wien

nachricht BMEL verstärkt Maßnahmen im Kampf gegen das Eschentriebsterben
11.09.2017 | Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zum Biomining ab Sonntag in Freiberg

22.09.2017 | Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

DFG bewilligt drei neue Forschergruppen und eine neue Klinische Forschergruppe

22.09.2017 | Förderungen Preise

Lebendiges Gewebe aus dem Drucker

22.09.2017 | Biowissenschaften Chemie