Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

FBN koordiniert in europäischem Exzellenznetz die Mastitis-Forschung

18.04.2006
Jede dritte bis vierte Kuh erleidet jährlich eine bakterielle Euterinfektion (Mastitis).

Die Tiere fühlen sich nicht wohl, bekommen oftmals Fieber und ihre Milchleistung sinkt. Neben der erheblichen Beeinträchtigung des Wohlbefindens dieser Kühe führt Mastitis auch zu massiven finanziellen Einbußen, die man europaweit auf mehr als eine Milliarde € pro Jahr beziffert. Ohne durchschlagenden Erfolg hat man bisher nach Wegen gesucht, die Häufigkeit dieser Infektionen merklich zu vermindern.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus sieben EU-Staaten haben sich nun im Rahmen des etwas sperrig bezeichneten EADGENE-Exzellenz-Netzwerks (European Disease Genomics Network of Excellence for Animal Health and Food Safety) zusammengeschlossen, um die europaweit abgestimmte Anwendung neuester molekularbiologischer Techniken zur Aufklärung der Interaktionen zwischen Erregern und Nutztieren voranzutreiben. Vom Verständnis solcher Zusammenhänge verspricht man sich neue Wege in der Krankheitsvermeidung und -behandlung. Die Forschung über grundlegende Abwehrmechanismen in der Milchdrüse gegenüber bakteriellen Keimen koordiniert dabei Professor Hans-Martin Seyfert vom Forschungsinstitut für die Biologie landwirtschaftlicher Nutztiere (FBN) in Dummerstorf. Warum werden manche Keime vom Immunsystem erfolgreich abgewehrt, während sich andere Erreger im Euter dauerhaft einnisten, also von den natürlichen Schutzmechanismen des Euters ungenügend bekämpft werden? Wie blockieren Keime eine effektive Immunantwort des Wirtes? Zur Klärung solcher Frage sollen nun die Techniken der ´funktionalen Genomanalyse´ eingesetzt werden. Im Kern geht es darum, zunächst alle Abwehrgene zu erfassen, die zur Immunantwort in der Milchdrüse beitragen. Darauf wird ermittelt, welche dieser Gene bei jeder Infektion und welche nur bei ganz bestimmten Keimarten aktiviert werden. Kennt man die Schlüssel-Abwehrgene, so kann man anhand der Vererbung ihrer Varianten in Zuchtpopulationen überprüfen, welche Bedeutung ihnen für die Abwehrbereitschaft des Tieres gegenüber der Mastitis zukommt. Dies ist ein Weg zur Entwicklung neuer Strategien zur züchterischen Minderung der Mastitishäufigkeit.

Die Anwendungen modernster molekularbiologischer Analytik erfordert hohe fachliche Exzellenz und ist aufwändig, so dass die europaweite Koordinierung von Forschungsprogrammen und das Verwenden einheitlicher Standards unumgänglich geworden ist. Es wurden, zum Beispiel, spezielle Hilfsmittel (DNA-Microarray) entwickelt, um die Aktivität von mehr als 20 000 Genen der Kuh anhand einer einzigen Gewebeprobe messen zu können, die nun allen Mitgliedern des Netzwerks zur Verfügung stehen. Unter Verwendung standardisierter Analysemethoden untersuchen derzeit je eine deutsch-englische, eine holländische und eine französische Arbeitsgruppe Mastitis bei der Kuh, während in Italien und Slowenien vergleichbare Infektionen bei der Ziege untersucht werden. Mastitis beim Schaf ist das Interesse einer französischen Forschergruppe. Um aus der Fülle von mehr als 20 000 erfassten Genen jene herauszufiltern, deren ausbleibende Aktivierung für die mangelhafte Immunabwehr verantwortlich gemacht werden können, wird auf den Sachverstand von Bioinformatikern zurückgegriffen. Hierbei ist die Verlässlichkeit der Schlussfolgerungen durch den Datenvergleich zwischen Rind, Schaf und Ziege von entscheidender Bedeutung.

... mehr zu:
»Exzellenznetz »FBN »Gen »Infektion »Kuh »Mastitis

Die Ergebnisse werden regelmäßig gemeinsam diskutiert und Konsequenzen daraus für die künftige Forschungsstrategie festgelegt. "Das Exzellenznetzwerk wird noch bis 2009 von der Europäischen Kommission gefördert. Am Ende wollen wir neue Schlüsselgene identifiziert haben. Vielleicht stellt sich ja heraus, dass wir genau die Mechanismen in unseren Zuchtpopulationen induzieren wollen, um Tiere besser vor Euterinfektionen zu schützen, die ´Mutter Natur´ dafür vorgesehen hat", meint der Koordinator Professor Seyfert.

Das FBN Dummerstorf erforscht die funktionale Biodiversität von Nutztieren in ihrer Umwelt als Grundlage der Domestikation und als wesentliche Komponente einer nachhaltigen Landwirtschaft und der menschlichen Ernährung. Das FBN ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft, der 84 außeruniversitäre Forschungsinstitute und Serviceeinrichtungen für die Forschung angehören. Die Ausrichtung der Leibniz-Institute reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Sozial- und Raumwissenschaften bis hin zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute beschäftigen rund 13.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, arbeiten interdisziplinär und verbinden Grundlagenforschung mit Anwendungsnähe. Da sie Vorhaben im gesamtstaatlichen Interesse betreiben, werden sie von Bund und Ländern gemeinsam gefördert.

Norbert K. Borowy | idw
Weitere Informationen:
http://www.fbn-dummerstorf.de

Weitere Berichte zu: Exzellenznetz FBN Gen Infektion Kuh Mastitis

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Klimawandel – die Tanne sticht Fichte und Buche aus
10.08.2017 | Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL

nachricht Feuerbrand bekämpfen und Salmonellen nachweisen
14.06.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Platz 2 für Helikopter-Designstudie aus Stade - Carbontechnologie-Studenten der PFH erfolgreich

Bereits lange vor dem Studienabschluss haben vier Studenten des PFH Hansecampus Stade ihr ingenieurwissenschaftliches Können eindrucksvoll unter Beweis gestellt: Malte Blask, Hagen Hagens, Nick Neubert und Rouven Weg haben bei einem internationalen Wettbewerb der American Helicopter Society (AHS International) den zweiten Platz belegt. Ihre Aufgabe war es, eine Designstudie für ein helikopterähnliches Fluggerät zu entwickeln, das 24 Stunden an einem Punkt in der Luft fliegen kann.

Die vier Kommilitonen sind im Studiengang Verbundwerkstoffe/Composites am Hansecampus Stade der PFH Private Hochschule Göttingen eingeschrieben. Seit elf...

Im Focus: Wissenschaftler entdecken seltene Ordnung von Elektronen in einem supraleitenden Kristall

In einem Artikel der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Nature“ berichten Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe in Dresden von der Entdeckung eines seltenen Materiezustandes, bei dem sich die Elektronen in einem Kristall gemeinsam in einer Richtung bewegen. Diese Entdeckung berührt eine der offenen Fragestellungen im Bereich der Festkörperphysik: Was passiert, wenn sich Elektronen gemeinsam im Kollektiv verhalten, in sogenannten „stark korrelierten Elektronensystemen“, und wie „einigen sich“ die Elektronen auf ein gemeinsames Verhalten?

In den meisten Metallen beeinflussen sich Elektronen gegenseitig nur wenig und leiten Wärme und elektrischen Strom weitgehend unabhängig voneinander durch das...

Im Focus: Wie ein Bakterium von Methanol leben kann

Bei einem Bakterium, das Methanol als Nährstoff nutzen kann, identifizierten ETH-Forscher alle dafür benötigten Gene. Die Erkenntnis hilft, diesen Rohstoff für die Biotechnologie besser nutzbar zu machen.

Viele Chemiker erforschen derzeit, wie man aus den kleinen Kohlenstoffverbindungen Methan und Methanol grössere Moleküle herstellt. Denn Methan kommt auf der...

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

US-Spitzenforschung aus erster Hand: Karl Deisseroth spricht beim Neurologiekongress in Leipzig

24.08.2017 | Veranstaltungen

Die Zukunft des Leichtbaus: Mehr als nur Material einsparen

23.08.2017 | Veranstaltungen

Logistikmanagement-Konferenz 2017

23.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

US-Spitzenforschung aus erster Hand: Karl Deisseroth spricht beim Neurologiekongress in Leipzig

24.08.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Spot auf die Maschinerie des Lebens

23.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Die Sonne: Motor des Erdklimas

23.08.2017 | Physik Astronomie