Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ökolandbau ist in der Ressortforschung auf dem Vormarsch

13.03.2006
Was im letzten Jahrtausend - also vor rund sechs Jahren - praktisch undenkbar war, hat sich heute etabliert. Der Ökolandbau ist in der Ressortforschung angekommen und gleichzeitig ist auch die Ressortforschung im Ökolandbau angekommen.

Die Senatsarbeitsgruppe "Ökologischer Landbau" hat am 2. März 2006 in der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL) in Braunschweig das vierte Statusseminar "Ressortforschung für den Ökolandbau" veranstaltet. Eröffnet wurde die Veranstaltung vom Präsidenten des Senates der Bundesforschungsanstalten im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) - Gerhard Flachowsky. Er zeigte sich begeistert über die gute Resonanz und das spannende Programm. Neben rund 90 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus rund 40 verschiedenen Instituten und Forschungseinrichtungen waren Beratung und Praxis ebenso anwesend wie Universitäten und Kontrollstellen. Sechs Bundesforschungsanstalten und sechs Bund-Länder-Einrichtungen - die sogenannten WGL-Institute - haben ihre neuesten Ergebnisse präsentiert. Der Sprecher der Senatsarbeitsgruppe und gleichzeitig Leiter des Instituts für ökologischen Landbau der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL) - Gerold Rahmann - war hoch zufrieden mit der Qualität der Vorträge und den spannenden Diskussionen.

Einmalig ist der interdisziplinäre Charakter der Veranstaltung. Bereits zum vierten Mal wurde in einer Veranstaltung über pflanzenbauliche, tierhalterische und ökonomische Forschungsergebnisse berichtet. Tierwissenschaftler hörten den Pflanzenwissenschaftlern zu, Agrartechnik-Wissenschaftler moderierten ökonomische Themen. Die Veranstaltung wird damit dem Anspruch der System-Betrachtung gerecht, die für den Ökolandbau essentiell ist. Hier hat die Wissenschaft wieder einiges zu lernen - über den Tellerrand ihres Spezialgebietes hinauszuschauen. Dass die Ressortforschung dieses kann, hat die Veranstaltung gezeigt.

In der Einleitung zum Seminar wurde die kontinuierlich steigende Bedeutung des Ökolandbaus hervorgehoben - weltweit und auch in Deutschland. Heute werden rund 31 Millionen Hektar nach den Kriterien des Ökolandbaus bewirtschaftet. Alleine in Deutschland sind dieses 800.000 Hektar. Die Biomärkte sind in den letzten Jahren weit über dem Niveau anderer Lebensmittel gewachsen. Alleine von 2004 auf 2005 hat der Umsatz um 15 Prozent auf rund 4 Milliarden EUR zugenommen. Deutschland ist damit der größte Markt in Europa. Alleine in diesem Jahrtausend, von 2000 bis 2005 hat sich der Umsatz mit Biolebensmitteln verdoppelt. Bis 2011 wird von einem Marktvolumen von 8 Mrd. EUR ausgegangen. Dieses hat auch den Lebensmitteleinzelhandel (LEH) und selbst die Discounter bewegt, Biolebensmittel anzubieten. Heute sind Bioprodukte in praktisch allen Lebensmittelgeschäften zu finden. Auch dieses war im letzten Jahrtausend nicht denkbar.

Der Ökolandbau steht auch wegen seiner zunehmenden Bedeutung vor Herausforderungen. Die permanente Verbesserung der Qualität der Produkte, die Verbesserung der Produktionsmethoden und nicht zuletzt die Wirtschaftlichkeit entscheiden über die Zukunft des Ökolandbaus. Hier kann die Wissenschaft helfen.

Stefan Kühne von der Biologischen Bundesanstalt (BBA) zeigte auf, dass die Bekämpfung von Schädlingen wie Käfer eine große Herausforderung für den Ökolandbau ist. Er forscht an natürlichen Bio-Pflanzenschutzmitteln wie Neem (Baumart in Asien), Coffein (Kaffee-Inhaltsstoff - eigentlich jedem bekannt) und Pyrethrum (wird aus der Ringelblume gewonnen), die dem Ökobauern helfen können, seine Erträge zu sichern und dabei nicht die Umwelt zu schädigen. Gute Erfolge konnte er dabei im Rapsanbau erzielen, die schwierigste Pflanzenkultur im Ökolandbau.

Ulrich Darsow von der Bundesforschungsanstalt für Züchtungsforschung an Kulturpflanzen (BAZ) konnte zeigen, dass die Zucht helfen kann, Kartoffeln widerstandsfähiger gegen die Kraut- und Knollenfäule zu machen, ohne dass dabei die Qualität beeinträchtigt wird.

Der zentrale Problembereich im Ökolandbau bleibt die Tiergesundheit. Der präventive Tierarzneimitteleinsatz ist verboten, Krankheiten können die Tiere leichter krank machen. Matthias Moje von der Bundesforschungsanstalt für Ernährung und Lebensmittel (BFEL) aus Kulmbach hat die Schlachtkörper von Schweinen und Rindern aus ökologischer und konventioneller Haltung auf Krankheiten untersucht. Die ökologisch gehaltenen Tiere zeigen mehr Leberschäden als konventionelle Tiere. Ursache sind in der Regel Parasiten. Dagegen hatten Ökoschweine und Ökorinder deutlich weniger Schäden an Gelenken und der Haut (Technopathien), die auf die tiergerechtete und komfortable Haltung zurückzuführen sind.

Hiltrud Nieberg von der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL) stellte eine Studie über die Situation des Ökolandbaus in Mittel- und Osteuropa vor. Die mit dem Beitritt zur EU deutlich erhöhten Prämien haben zu einer gewaltigen Ausdehnung des Ökolandbaus geführt. Besonders Ungarn und Tschechien springen auf den Ökozug auf. Deutsche Ökobauern sollten aber keine Ängste haben, da die Qualität und die Quantität der Produktion nicht das deutsche Niveau erreichen. Auch bilden sich in diesen Ländern einheimische Biomärkte, die zum Teil durch deutsche Biovermarkter beliefert werden. Die Wirtschaftlichkeit ist auch in diesen Ländern - mit ihren niedrigen Löhnen - nicht unbedingt besser, da die Produktivität ebenfalls eher gering ist. Nur mittelfristig könnten starke Konkurrenten entstehen. Der Ökolandbau in Deutschland darf sich nicht auf seinem hohen Niveau ausruhen.

Das nächste, fünfte Statusseminar "Ressortforschung für den Ökolandbau" wird in der Bundesforschungsanstalt für Ernährung und Lebensmittel in Detmold am 1. März 2007 stattfinden.

Kontakt: Dir. & Prof. Dr. Gerold Rahmann, Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL), Institut für ökologischen Landbau, Trenthorst 32, D-23847 Trenthorst, Tel.: 04539 8880 0, E-Mail: oel@fal.de; download des Tagungsreaders: http://www.oel.fal.de

Margit Fink | idw
Weitere Informationen:
http://www.fal.de/
http://www.oel.fal.de

Weitere Berichte zu: Mittel- und Osteuropa Ressortforschung Ökolandbau

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Da haben wir den Salat: Erste Ernte aus aufbereitetem Abwasser im Forschungsprojekt HypoWave
20.02.2018 | ISOE - Institut für sozial-ökologische Forschung

nachricht Rinderhaltung: Europäische Agrarwissenschaftler betreten Neuland in der Forschungskooperation
16.02.2018 | Leibniz-Institut für Nutzierbiologie (FBN)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Die Brücke, die sich dehnen kann

Brücken verformen sich, daher baut man normalerweise Dehnfugen ein. An der TU Wien wurde eine Technik entwickelt, die ohne Fugen auskommt und dadurch viel Geld und Aufwand spart.

Wer im Auto mit flottem Tempo über eine Brücke fährt, spürt es sofort: Meist rumpelt man am Anfang und am Ende der Brücke über eine Dehnfuge, die dort...

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Im Focus: In best circles: First integrated circuit from self-assembled polymer

For the first time, a team of researchers at the Max-Planck Institute (MPI) for Polymer Research in Mainz, Germany, has succeeded in making an integrated circuit (IC) from just a monolayer of a semiconducting polymer via a bottom-up, self-assembly approach.

In the self-assembly process, the semiconducting polymer arranges itself into an ordered monolayer in a transistor. The transistors are binary switches used...

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Im Focus: Quantenbits per Licht übertragen

Physiker aus Princeton, Konstanz und Maryland koppeln Quantenbits und Licht

Der Quantencomputer rückt näher: Neue Forschungsergebnisse zeigen das Potenzial von Licht als Medium, um Informationen zwischen sogenannten Quantenbits...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Digitalisierung auf dem Prüfstand: Hochkarätige Konferenz zu Empowerment in der agilen Arbeitswelt

20.02.2018 | Veranstaltungen

Aachener Optiktage: Expertenwissen in zwei Konferenzen für die Glas- und Kunststoffoptikfertigung

19.02.2018 | Veranstaltungen

Konferenz "Die Mobilität von morgen gestalten"

19.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Highlight der Halbleiter-Forschung

20.02.2018 | Physik Astronomie

Wie verbessert man die Nahtqualität lasergeschweißter Textilien?

20.02.2018 | Materialwissenschaften

Der Bluthochdruckschalter in der Nebenniere

20.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics