Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

"Rote Karte" für weiße Stängel: dem Raps eine chemiefreiere Chance

01.03.2006
Erstes praxisreifes Prognosemodell im Internet hilft Bauern ab heute bei Bekämpfung der Pflanzenkrankheit
Die Weißstängeligkeit ist für den Landwirt die Pest. Die durch einen Pilz verursachte Pflanzenkrankheit befällt die Rapsstängel, lässt sie absterben, gelangt zurück in den Boden und bleibt dort über Jahre infektionsfähig. Befallene Rapspflanzen sterben vorzeitig ab. Der Bauer muss vorbeugend spritzen. Muss er? Seit heute steht unter www.isip.de das derzeit einzige praxisreife Modell parat, das dem Landwirt hilft zu entscheiden, ob er Pflanzenschutzmittel einsetzt oder nicht. Deren Gebrauch konnte bei Tests im Vorjahr um drei Viertel verringert werden, was Umwelt und Geldbeutel schont. Das vom Institut für Pflanzenpathologie und Pflanzenschutz der Universität Göttingen entwickelte Modell wurde mit 175.000 Euro von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) gefördert.

Weißstängeligkeit "gehört zu den wirtschaftlich wichtigsten und gefährlichsten Schaderregern im Raps"

Der Erreger der Weißstängeligkeit - im Fachjargon Sclerotinia sclerotiorum - "gehört zu den wirtschaftlich wichtigsten und gefährlichsten Schaderregern im Raps", betont Dr. Reinhard Sander vom ISIP e.V., dem "Informationssystem Integrierte Pflanzenproduktion". Der zunehmende Anbau von Raps als nachwachsender Rohstoff habe dazu beigetragen, dass sich diese Krankheit in den letzten Jahren in einigen Anbauregionen stark ausgedehnt habe: Bei Befall vergilben Triebe und Schoten, werden notreif und sterben vorzeitig ab. Sander: "Derzeit wird die Weißstängeligkeit überwiegend routinemäßig durch Pflanzenschutzmittel zum Zeitpunkt der Rapsblüte bekämpft." Verschiedene Untersuchungen belegten aber, dass viele dieser nicht-zielgerichteten Behandlungen unwirtschaftlich seien und Mengen chemischer Wirkstoffe eingespart werden könnten. Dadurch könne der Landwirt nicht nur seine Flächen umweltschonender bewirtschaften, sondern auch wesentlich Kosten sparen.

Kleinräumige, schlagspezifische und schadensbezogene Vorhersage

Das nun entwickelte Prognosemodell "SkleroPro" ermögliche ihm eine verlässliche Einschätzung, ob er die Weißstängeligkeit im Winterraps bekämpfen muss oder nicht, durch eine kleinräumige, schlagspezifische und schadensbezogene Vorhersage. Durch die Einbindung dieser flexiblen Schadensschwellen sage SkleroPro nicht nur die Intensität des Befalls vorher, es sei auch besonders auf eine wirtschaftliche Entscheidung ausgerichtet.

Für Zugriff auf ISIP-Portal Passwort erforderlich

Der Anwender wählt in ISIP die Wetterstation aus, die seinem Feld am nächsten liegt und von dem er eine Prognose berechnen lassen möchte. Danach gibt er den Entwicklungsstand des Rapses, die Fruchtfolge, den erwarteten Ertrag, den Rapspreis sowie die Bekämpfungskosten ein. In einer Tabelle werden dann seine individuellen Daten sowie die berechneten Ergebnisse dargestellt. Eine Behandlungsempfehlung wird nur dann gegeben, wenn die berechneten schlagspezifischen Schwellenwerte überschritten werden. Das heißt: wenn der zu erwartende wirtschaftliche Schaden höher wird als die Kosten für den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Zum Zugriff auf das ISIP-Portal ist ein Passwort erforderlich, das Interessenten unter www.isip.de, bei Landwirtschaftskammern oder Pflanzenschutzämtern erhalten.

Aufbau von ISIP: DBU half mit rund 2,6 Millionen Euro

Mit rund 2,6 Millionen Euro hatte die DBU bereits im Juni 2001 den Aufbau von ISIP und die Entwicklung von vier Modellen für Getreide, Kartoffeln und Zuckerrüben unterstützt. Die Landwirte in Deutschland sollten nicht mehr allein auf weiter Flur stehen, wenn es darum geht, ökonomisch sinnvoll, aber ökologisch verantwortlich ihre Äcker zu bestellen. Das interaktive, internetbasierte Informationsnetz sollte ihnen gebündelt, qualitätsgeprüft und benutzerfreundlich helfen, die vielen wissenschaftlichen Erkenntnisse besser als bisher für die Praxis zu nutzen. Die in diesem Verein zusammen geschlossenen Landwirtschaftskammern und Bundesländer wollen zu einer verbesserten, spezifischen und schnelleren Entscheidungshilfe für den Landwirt beitragen und damit die Umwelt schützen helfen.

Ansprechpartner für Fragen zum Projekt (AZ 18877): Dr. Reinhard Sander, ISIP e.V., Telefon: 0671/820430, Fax: 0671/820402, E-Mail: sander@isip.de

Franz-Georg Elpers | DBU-Presseteam
Weitere Informationen:
http://www.isip.de
http://www.dbu.de

Weitere Berichte zu: Pflanzenschutzmittel Raps Stängel Weißstängeligkeit

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Julius Kühn-Institut etabliert Forschungszentrum für landwirtschaftliche Fernerkundung (FLF)
22.03.2017 | Julius Kühn-Institut, Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen

nachricht Im Drohnenflug dem Wasser auf der Spur
03.03.2017 | Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise