Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Eine umwelt- und naturschutzgerechte Landwirtschaft braucht gesellschaftlichen Rückhalt

09.03.2001


Die derzeitige agrarpolitische Diskussion muss zu einer Neubewertung der Landwirtschaft in der Gesellschaft genutzt werden. Nur von den Landwirten oder den Politikern
eine "Agrarwende" zu fordern, ist zu kurz gedacht. Lebensmittelverarbeiter, Handel und Verbraucher sind ebenso gefragt. "Nur wenn allen klar ist, dass eine naturgerechte Landwirtschaft auch die Unterstützung an der Ladentheke erhält, wird die Agrarwende gelingen", erklärten die Präsidenten des Umweltbundesamtes (UBA) und des Bundesamtes für Naturschutz (BfN), Prof. Dr. Andreas Troge und Prof. Dr. Hartmut Vogtmann, heute in Berlin und Bonn.

Um einen schrittweißen Ausbau des ökologischen Landbaus und eine umwelt- und natur-schutzgerechte Bewirtschaftung auch in der konventionellen Landwirtschaft zügig zu erreichen, muss die Agrarpolitik nach Ansicht von BfN und UBA die richtigen Rahmenbedingungen setzen. "Dazu gehört die grundsätzliche Neuausrichtung und Ökologisierung der gesamten EU-Agrarpolitik sowie die Veränderung der bisherigen Subventionspraxis für die Landwirtschaft in Deutschland und Europa", erklärten die beiden Präsidenten. Die Bundesregierung und die EU-Agrarpolitik sollten sich dabei als Vorreiter der neuen Entwicklung verstehen und damit der Bevölkerung signalisieren, dass diese Kehrtwende breite Unterstützung braucht.

Der konventionelle Landbau belastet in vielfältiger Weise die Umwelt und nimmt die natürlichen Ressourcen stark in Anspruch. Darauf haben auch das UBA und BfN seit Jahren hingewiesen. Doch Forderungen nach einem dringend erforderlichen Kurswechsel in der Landwirtschaft blieben weitgehend ungehört. Beide Behörden sind der Ansicht, dass der Ausbau des Marktanteils von ökologischen erzeugten Lebensmitteln innerhalb von zehn Jahren auf 20 % der Natur und Umwelt zugute kommt. Die Wende zu einer nachhaltigen Lebensmittelproduktion ist auf eine Unterstützung der Landwirte angewiesen. Insgesamt geht es um die Integration von Umwelt- und Naturschutz entlang der gesamten Kette über die Landwirtschafts-, Umwelt- und Verbraucherpolitik. "Als erster Schritt muss die sogenannte gute fachliche Praxis der Landwirtschaft ergänzt und weiterentwickelt werden - hierzu gibt es im BfN und UBA bereits Vorschläge", sagte Prof. Vogtmann. Und UBA-Präsident Troge ergänzte: "Umwelt- und Verbraucherschutz sind nicht zu trennen. Deshalb ist eine umweltgerechte Landwirtschaft auch eine verbrauchergerechte Landwirtschaft".

Der Ökologische Landbau kommt dem Leitbild einer nachhaltigen Lebensmittelproduktion am nächsten. Ökologischer Landbau ist allerdings mehr als nur der Verzicht auf Kunstdünger und synthetische Pflanzenschutzmittel. Die Umstellung eines landwirtschaftlichen Betriebes auf ökologischen Landbau geht nicht von heute auf morgen. Sie bedeutet einen grundlegenden Systemwechsel, denn die gesamte Betriebsorganisation und Art der Bewirtschaftung bis hin zum Absatz der Produkte müssen geändert werden. Die Landwirte müssen dabei unterstützt und gefördert werden. Da vorerst noch der Großteil der landwirtschaftlichen Fläche konventionell bewirtschaftet wird, müssen die Umweltbelastungen dieser Betriebe so weit wie möglich verringert werden. Ein wesentlicher Schlüssel dazu ist die sogenannte gute fachliche Praxis, die in ihren Mindestanforderungen einen ähnlichen Charakter hat wie der Stand der Technik in der Industrie. Die gute fachliche Praxis muss unter Umwelt- und Naturschutzgesichtspunkten ergänzt und weiterentwickelt werden. Dazu gehören:

  • die Überprüfung und Nachbesserung der Düngeverordnung,
  • die Verschärfung und der bessere Vollzug der Vorschriften zum Pflanzenschutz,
  • die Umsetzung der Vorschriften des Bundes-Bodenschutzgesetzes zur guten fachlichen Praxis
  • die Definition und Konkretisierung der guten fachlichen Praxis bei der Novellierung des Bundesnaturschutzgesetzes,
  • das Verbot antibiotischer Leistungsförderer in der Tierhaltung und
  • der Verzicht auf den Einsatz gentechnisch veränderter Organismen.

Eine neue Agrarpolitik kann und darf sich vor dem Hintergrund der Globalisierung auch im Bereich der Nahrungsmittelproduktion und auch aus Wettbewerbsgründen nicht auf Deutschland beschränken. Die gemeinsame Agrarpolitik der Europäischen Union muss im Sinne des Umwelt- und Naturschutzes weiter entwickelt und die gesamte agrarpolitische Subventionspraxis auf den Prüfstand gestellt werden. Kontraproduktive Agrarsubventionen, wie die Silomaisprämie oder die Subventionen der in der Landwirtschaft ein gesetzten Dieselkraftstoffe sollten europaweit abgeschafft werden. Direktzahlungen müssen an verbindliche Umweltauflagen gekoppelt und differenziert ausgestaltet werden. Die sogenannte zweite Säule der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP), die Förderung der Entwicklung des ländlichen Raums - hierunter fallen unter anderem die Agrarumweltprogramme - sollten fortentwickelt, ausgebaut und finanziell wesentlich gestärkt werden.
Der Hinweis auf die europäische Dimension der Agrarpolitik darf aber nicht den Blick auf die Handlungsmöglichkeiten vor Ort versperren. Denn gerade intakte, regionale Kreisläufe sind die Grundlage einer nachhaltigen Lebensmittelproduktion und helfen die heute zurecht geforderte Transparenz über die Produktionsbedingungen herzustellen. Regionales Handeln unter globalen Zielen stärkt die Regionen und dient dem Umwelt- und Verbraucherschutz. Denn regional und umweltfreundlich erzeugten Qualitätsprodukten und ihrer Vermarktung kommt insbesondere für die Erhaltung und Pflege der Kulturlandschaft eine wachsende Bedeutung zu. UBA und BfN fördern bereits zahlreiche Initiativen vor Ort.

Franz August Emde | idw

Weitere Berichte zu: Agrarpolitik BfN Landbau Lebensmittelproduktion UBA

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht „Antilopen-Parfüm“ hält Fliegen von Kühen fern
20.10.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Agritechnica: Silber für neue Technologie zur Blütenausdünnung im Obstbau
16.10.2017 | Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Salmonellen als Medikament gegen Tumore

HZI-Forscher entwickeln Bakterienstamm, der in der Krebstherapie eingesetzt werden kann

Salmonellen sind gefährliche Krankheitserreger, die über verdorbene Lebensmittel in den Körper gelangen und schwere Infektionen verursachen können. Jedoch ist...

Im Focus: Salmonella as a tumour medication

HZI researchers developed a bacterial strain that can be used in cancer therapy

Salmonellae are dangerous pathogens that enter the body via contaminated food and can cause severe infections. But these bacteria are also known to target...

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Konferenz IT-Security Community Xchange (IT-SECX) am 10. November 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

Die Zukunft der Luftfracht

23.10.2017 | Veranstaltungen

Ehrung des Autors Herbert W. Franke mit dem Kurd-Laßwitz-Sonderpreis 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Magma sucht sich nach Flankenkollaps neue Wege

23.10.2017 | Geowissenschaften

Neues Sensorsystem sorgt für sichere Ernte

23.10.2017 | Informationstechnologie

Salmonellen als Medikament gegen Tumore

23.10.2017 | Biowissenschaften Chemie