Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Rückstands- und Schadstoffbelastung des Getreides deutlich rückläufig

12.12.2005


Interessante Ergebnisse aus langjährigen Qualitätsuntersuchungen des Brotgetreides hat die Bundesforschungsanstalt für Ernährung und Lebensmittel (BfEL) in Detmold jetzt vorgelegt. Danach ist die Belastung von Weizen und Roggen durch Blei und Cadmium in den letzten 30 Jahren erkennbar zurückgegangen. Auch Pflanzenschutzmittel-Rückstände sind trotz hoch entwickelter Analytik nur noch selten zu finden. Die Backqualität von Weizen hat hingegen dank der Fortschritte in Pflanzenzüchtung und Pflanzenbau zugenommen.



Seit mehr als 30 Jahren überprüfen Arbeitsgruppen der BfEL am Standort Detmold im Rahmen der so genannten "Besonderen Ernte- und Qualitätserhebung" die Beschaffenheit des frisch geernteten Brotgetreides. Alljährlich werden dafür rund 3.000 Proben aus dem gesamten Bundesgebiet ausgewertet. Die Daten werden nicht nur für agrar- und verbraucherpolitische Entscheidungen benötigt, sondern sind auch für die weiterverarbeitende Wirtschaft von Interesse. Im Wissenschaftsmagazin ForschungsReport stellen die Experten jetzt einige wichtige Ergebnisse vor.



Vor allem aufgrund des Benzin-Blei-Gesetzes, das schrittweise ab 1972 zu einer Reduzierung des Bleigehalts in Kraftstoffen geführt hat, ist der Bleigehalt im Roggen von rund 0,1 mg/kg Mitte der 70er Jahre auf heute 0,02 mg/kg gesunken; bei Winterweizen sank er im gleichen Zeitraum von 0,05 auf 0,02 mg/kg und damit auf ein vernachlässigbar geringes Niveau. Die Daten liefern der Politik und der Öffentlichkeit den Beleg, dass es gelungen ist, durch die Verringerung der Blei-Emissionen von Autoverkehr und Industrie "bleifreies Getreide" zu erreichen. Auch die Situation bei dem Schwermetall Cadmium hat sich positiv entwickelt. Cadmium kommt natürlicherweise im Gestein und in Böden vor, gelangt aber auch über mineralische Dünger und industrielle Prozesse in die Umwelt. Das Monitoring der letzten 30 Jahre hat ergeben, dass die Cadmiumbelastung im Weizen rückläufig ist und es der deutschen Getreidewirtschaft möglich ist, den festgelegten Höchstwert von 0,2 mg/kg einzuhalten. Aufgrund der Ergebnisse der letzten Jahre wird im Rahmen der EU sogar diskutiert, diesen Wert aus Gründen des vorsorglichen Verbraucherschutzes noch weiter auf 0,1 mg/kg abzusenken.

Eine interessante Entwicklung zeigt sich bei den Rückstandsuntersuchungen von Pflanzenschutzmitteln. Anfang der 90er Jahre ließen sich in 80 Prozent der Proben noch Insektizid-Rückstände nachweisen. Diese gingen ab Mitte der 90er Jahre deutlich zurück, dafür wurden etwas häufiger Rückstände von Unkraut- und Pilzbekämpfungsmitteln festgestellt. Trotz technischer Verbesserungen in der Analytik ließen sich in den letzten Jahren in zwei Dritteln aller Proben überhaupt keine Rückstände von den mehr als 250 erfassten Pflanzenschutzmittel-Wirkstoffen nachweisen. In fast allen Proben mit Rückständen waren diese sehr niedrig und bewegten sich meistens nahe der Nachweisgrenze.

Beim Winterweizen haben in Deutschland sowohl die Anbaufläche als auch der Ertrag pro Hektar kontinuierlich zugenommen. Mittlerweile wird Weizen auf einer Fläche von mehr als 3 Mio. Hektar angebaut; die Erträge stiegen im Lauf der letzten vier Jahrzehnte jährlich um durchschnittlich 1,1 dt/ha. Der Eiweißgehalt - wichtiger Qualitätsparameter für das Backen - erhöhte sich in den Jahren 1960 bis 1990 fortlaufend und bewegt sich seitdem auf gleichbleibendem Niveau (rd. 13% i.TS). Der Anstieg lag vor allem im Züchtungsfortschritt und den Entwicklungen in der Düngung und im Pflanzenbau begründet. Die jetzige Konstanz deutet auf das erreichte hohe Qualitätsniveau hin, das auch dazu beiträgt, die Exportchancen für deutschen Weizen zu sichern.

Die von der BfEL gewonnenen Datenreihen zur Qualität von Getreide werfen ein Schlaglicht auf den besonderen Wert von Langzeituntersuchungen: Mit ihrer Hilfe kann die Umsetzung wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Praxis nachvollzogen werden. Auch die Auswirkungen von politischen Entscheidungen auf die Umwelt und den Verbraucherschutz lassen sich auf diese Weise erkennen und dokumentieren. Schließlich bilden Langzeituntersuchungen die Basis, um langfristige Änderungen im Naturhaushalt überhaupt erkennen zu können.

Mehr Beiträge zum Thema Langzeituntersuchungen finden Sie in der neuesten Ausgabe des ForschungsReports (Ausgabe 2/2005). Das Magazin ist kostenlos zu beziehen über die Geschäftsstelle des Senats der Bundesforschungsanstalten, Bundesallee 50, 38116 Braunschweig. E-mail: michael.welling@fal.de, Tel.: 0531 / 596-1016.

Dr. Michael Welling | idw
Weitere Informationen:
http://www.bmelv-forschung.de

Weitere Berichte zu: BfEL Cadmium Getreide Langzeituntersuchungen Probe Weizen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Getreide, das der Dürre trotzt
19.09.2017 | Universität Wien

nachricht BMEL verstärkt Maßnahmen im Kampf gegen das Eschentriebsterben
11.09.2017 | Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zum Biomining ab Sonntag in Freiberg

22.09.2017 | Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

DFG bewilligt drei neue Forschergruppen und eine neue Klinische Forschergruppe

22.09.2017 | Förderungen Preise

Lebendiges Gewebe aus dem Drucker

22.09.2017 | Biowissenschaften Chemie