Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Pflügen oder nicht pflügen, das ist hier die Frage

23.11.2005


Wissenschaftler der Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft (BBA) zeigen auf Workshop Vor- und Nachteile des pfluglosen Arbeitens auf. Bei pfluglosem Arbeiten und gleichzeitig ungeeigneter Fruchtfolge werden Unkräuter und Krankheiten zum Problem.

... mehr zu:
»BBA »Fruchtfolge »Pflügen »Weizen

Pflügen ist wohl eine der ursprünglichsten bäuerlichen Tätigkeiten. Der pflügende Bauer gilt vielen als Sinnbild für die Landwirtschaft. Weitgehend unbekannt ist hingegen, dass auf etwa zwei Millionen Hektar, einem sechstel der Ackerfläche in Deutschland, gar nicht mehr das Unterste zuoberst gepflügt wird. Die Anzahl der Betriebe, die pfluglos arbeiten, ist gestiegen. Sie sind zur so genannten Direkt- oder Mulchsaat gewechselt. Dass die Entscheidung dennoch nicht einfach ist, zeigte sich heute während des Workshops der BBA in Kleinmachnow.

Besonders in hügeligem Gelände verhindern die Überreste der Vorfrucht in den oberen Schichten das Wegschwemmen des Bodens. Sie halten den Boden quasi fest. Die Liste der Gründe, warum man auf das Pflügen verzichten sollte, ist lang. So spart man nicht nur Kraftstoff und Arbeitszeit, der Acker lässt sich besser befahren, der weniger verdichtete Boden wird besser vom Regenwasser durchdrungen und das Bodenleben wird geschont bzw. gefördert. Doch das pfluglose Arbeiten birgt auch Risiken. Bei ungeeigneter Fruchtfolge drohen Unkräuter und Krankheiten den Ertrag zu schmälern.


"Ein Patentrezept dagegen haben wir nicht", sagt Dr. Bernhard Pallutt. Dennoch gibt der Leiter des BBA-Versuchsfeldes in Kleinmachnow den Landwirten eine zentrale Empfehlung. Sie sollen jährlich zwischen Blatt- und Halmfrüchten wechseln, also nach Rüben Getreide anbauen und umgekehrt. "Die richtige Fruchtfolge ist die wichtigste indirekte Maßnahme zur Begrenzung des Unkrautwachstums", sagt Pallutt. Das haben die BBA-Forscher in mehr als 10-jährigen Langzeituntersuchungen belegt.

"Auch im Hinblick auf Krankheiten haben sich getreidebetonte Fruchtfolgen als kritisch erwiesen", sagt sein Kollege Dr. Holger Kreye aus Braunschweig. Baut man z. B. Weizen nach Mais an, werden Pilzkrankheiten zum zentralen Problem. Da das nicht untergepflügte Maisstroh nur langsam verrottet, wird es zur Brutstätte für die Pilze. Bei der Fruchtfolge Weizen nach Weizen drohen Blattkrankheiten. "Als Faustregel gilt: Baut man nacheinander Pflanzen an, die beide Wirte für denselben Krankheitserreger sind, steigt das Befallsrisiko", fasst Kreye die Ergebnisse zusammen. Die Krankheiten müssen dann oft mit chemischen Pflanzenschutzmitteln bekämpft werden, was wiederum dem ökologischen Grundgedanken des Nichtpflügens entgegensteht.

"Ob pfluglos oder nicht, diese Entscheidung muss jeder Landwirt für sich treffen", so Pallutt. "Es gilt Vor- und Nachteile gegeneinander abzuwägen", pflichtet ihm Kreye bei. Bodenbeschaffenheit und Witterung sind maßgebliche Faktoren. Die BBA-Wissenschaftler helfen bei der Entscheidungsfindung, indem sie auf Risiken aufmerksam machen und Hinweise geben, wie man sie vermeidet.

Der Workshop findet bis zum 24. November in der Außenstelle der Biologischen Bundesanstalt Für Land- und Forstwirtschaft, Stahnsdorfer Damm 81, in 14532 Kleinmachnow statt.

Kontakt:
Dr. Bernhard Pallutt
Institut für integrierten Pflanzenschutz der BBA
Stahnsdorfer Damm 81
14532 Kleinmachnow
Tel.: 03 32 03 / 48 - 412
E-Mail: b.pallutt@bba.de

Dr. Holger Kreye
Institut für Pflanzenschutz in Ackerbau und Grünland der BBA
Messeweg 11-12
38104 Braunschweig
Tel.: 05 31 / 2 99 - 45 45
E-Mail: h.kreye@bba.de

Stefanie Hahn | idw
Weitere Informationen:
http://www.bba.de/veranst/veranstarchiv/alp/programm.pdf

Weitere Berichte zu: BBA Fruchtfolge Pflügen Weizen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Die smarte klassische Landhausvilla
28.11.2016 | Bau-Fritz GmbH & Co. KG, seit 1896

nachricht Kleinbauern setzen verstärkt auf Monokulturen
10.11.2016 | Georg-August-Universität Göttingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

4,6 Mio. Euro für Cloud Computing-Gemeinschaftsprojekt „Cloud Mall BW“

05.12.2016 | Förderungen Preise

1,5 Mio. Euro für das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung (ZSW)

05.12.2016 | Förderungen Preise

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise