Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Über 1.800 Nutztier-Rassen weltweit vom Aussterben bedroht / Genetische Vielfalt akut gefährdet

20.09.2001


Bedrohte Rasse des Jahres 2002 ist das Angler Rind

Weltweit ist nach den Schätzungen der FAO, der Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, etwa ein Drittel der 5.500 registrierten NutztierRassen vom Aussterben bedroht. In Deutschland gelten allein 90 Rassen als schutzwürdig, so die GEH, die Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustier-Rassen, gegenüber NATIONAL GEOGRAPHIC DEUTSCHLAND (Heft Nr. 10/2001, EVT. 24. September). Für 2002 hat die GEH in Deutschland das Angler Rind als bedrohte Rasse des Jahres benannt.

Die moderne Landwirtschaft verwendet wenige besonders leistungsstarke Nutztier-Rassen. So verteilen sich beispielsweise 99 Prozent aller in Deutschland gehaltenen Schweine auf nur vier Rassen. Bei Rindern sieht es nicht besser aus: 96 Prozent gehören ebenfalls zu lediglich vier Rassen und das, obwohl es in Europa 100 unterschiedliche Rinder-Rassen gibt. Eine Folge der industriellen Landwirtschaft ist die massive Reduzierung der genetischen Vielfalt. Mit zum Teil schweren Folgen: Die hochgezüchteten Tiere sind meist viel anfälliger für Krankheiten und Stress. Antibiotika in großen Mengen sollen sie fit halten; die Medikamente gefährden allerdings die Gesundheit des Menschen, weil Krankheitskeime immer schneller resistent werden. Der Erhalt der alten Rassen, so NATIONAL GEOGRAPHIC DEUTSCHLAND, ist daher keineswegs reine Liebhaberei. Ihre Gene enthalten Eigenschaften, deren Einkreuzung die Hochleistungsrassen wieder robuster machen können. Die alten Rassen sind überdies perfekt an spezifische Lebensräume angepasst und können in Gegenden überleben, in denen Turbo-Tiere keine Chance haben. Das sibirische Jakut-Rind beispielsweise kann Temperaturen bis minus 60°C ertragen, eine interessante Eigenschaft angesichts des letzten Rekordwinters in der Mongolei, bei dem tausende von Tieren erfroren sind. Darüber hinaus pflegen und erhalten die alten Rassen heimische Naturlandschaften wie Salzwiesen oder Almhänge.

In Deutschland haben sich die so genannten Arche-Höfe, ein Projekt der GEH, der Erhaltung dieser Rassen angenommen. Inzwischen gibt es 76 Arche-Höfe, 30 stehen kurz vor der Anerkennung. Zusammen halten sie 65 Nutztierrassen. Deren akute Bedrohung veranschaulicht die Stückzahl: Vom Angler-Sattelschwein gab es im Sommer 2001 noch 50 Exemplare bundesweit, von den Schleswiger Kaltblütern existieren 200 und von den Walachenschafen 123 Stück. Und ganze drei Züchter halten noch Bergische Landhühner. Die alten robusten Arten und ihren Genpool zu erhalten, könnte in Zukunft aber erheblich an Bedeutung gewinnen, berichtet NATIONAL GEOGRAPHIC DEUTSCHLAND, da beispielsweise der Klimawandel einen weltweiten Austausch von Nutztier-Genen mit Eigenschaften wie Wärme- oder Kältetoleranz erforderlich machen könnte. Die Rückzüchtung bereits ausgestorbener Rassen ist allerdings unmöglich. Wohl lässt sich durch Kreuzungen ein ähnliches Aussehen erzielen, die Gene jedoch sind ein für alle Mal verloren.

| ots

Weitere Berichte zu: Aussterben Nutztier-Rassen Rassen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Software-App für optimale Düngergabe
09.11.2017 | Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e.V.

nachricht Win-Win-Situation Arznei- und Gewürzpflanzen + Bestäuber-Insekten
06.11.2017 | Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Im Focus: «Kosmische Schlange» lässt die Struktur von fernen Galaxien erkennen

Die Entstehung von Sternen in fernen Galaxien ist noch weitgehend unerforscht. Astronomen der Universität Genf konnten nun erstmals ein sechs Milliarden Lichtjahre entferntes Sternensystem genauer beobachten – und damit frühere Simulationen der Universität Zürich stützen. Ein spezieller Effekt ermöglicht mehrfach reflektierte Bilder, die sich wie eine Schlange durch den Kosmos ziehen.

Heute wissen Astronomen ziemlich genau, wie sich Sterne in der jüngsten kosmischen Vergangenheit gebildet haben. Aber gelten diese Gesetzmässigkeiten auch für...

Im Focus: A “cosmic snake” reveals the structure of remote galaxies

The formation of stars in distant galaxies is still largely unexplored. For the first time, astron-omers at the University of Geneva have now been able to closely observe a star system six billion light-years away. In doing so, they are confirming earlier simulations made by the University of Zurich. One special effect is made possible by the multiple reflections of images that run through the cosmos like a snake.

Today, astronomers have a pretty accurate idea of how stars were formed in the recent cosmic past. But do these laws also apply to older galaxies? For around a...

Im Focus: Pflanzenvielfalt von Wäldern aus der Luft abbilden

Produktivität und Stabilität von Waldökosystemen hängen stark von der funktionalen Vielfalt der Pflanzengemeinschaften ab. UZH-Forschenden gelang es, die Pflanzenvielfalt von Wäldern durch Fernerkundung mit Flugzeugen in verschiedenen Massstäben zu messen und zu kartieren – von einzelnen Bäumen bis hin zu ganzen Artengemeinschaften. Die neue Methode ebnet den Weg, um zukünftig die globale Pflanzendiversität aus der Luft und aus dem All zu überwachen.

Ökologische Studien zeigen, dass die Pflanzenvielfalt zentral ist für das Funktionieren von Ökosys-temen. Wälder mit einer höheren funktionalen Vielfalt –...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungen

Roboter für ein gesundes Altern: „European Robotics Week 2017“ an der Frankfurt UAS

17.11.2017 | Veranstaltungen

Börse für Zukunftstechnologien – Leichtbautag Stade bringt Unternehmen branchenübergreifend zusammen

17.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

IHP präsentiert sich auf der productronica 2017

17.11.2017 | Messenachrichten

Roboter schafft den Salto rückwärts

17.11.2017 | Innovative Produkte