Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Forscher untersuchen Antibiotikawirkung auf Umwelt

19.09.2005


EU verfüttert mehr als 9.000 Tonnen Antibiotika an Schweine, Rinder und Geflügel



Mehr als 9.000 Tonnen Antibiotika werden jährlich in der EU an Schweine, Rinder oder Geflügel verfüttert. Da die Tiere bis zu 90 Prozent davon unverändert wieder ausscheiden, gelangen die Arzneimittel mit dem Mist wieder auf Felder oder auch ins Wasser. Ein deutsches Forscherteam der Universitäten Bonn, Berlin, Dortmund, Aachen, Osnabrück hat gemeinsam mit dem Forschungszentrum Jülich nun ein Projekt gestartet um die Wirkungen der Antibiotika auf den Boden zu untersuchen. Möglicherweise sind die Resistenzen gegen zahlreiche Arzneimittel auf diese großen Einsätze zurückzuführen.



"In der ersten Testphase untersuchen wir die Wirkung von Sulfadiazin, einem in der Veterinärmedizin häufig angewendeten Mittel, auf den Boden", so der Bonner Bodenkundler Markus Förster, der mit Volker Laabs und dem Leiter des Instituts für Bodenkunde an der Universität Bonn, Wulf Amelung, am Projekt mitarbeitet. "Das Interessante am Projekt ist, dass sich schon nach ein paar Stunden nur noch die Hälfte der ursprünglich ausgebrachten Substanz mit Wasser aus dem Erdreich herauslösen lässt. Nach einem Monat scheint gar kein Sulfadiazin mehr im Boden vorhanden zu sein", so Förster zu pressetext. Wirklich verschwunden ist die Substanz aber nicht. Die Bonner Wissenschaftler kümmern sich speziell um die Frage, durch welche Mechanismen Sulfadiazin im Boden "festgelegt" wird und wie verfügbar es dann noch ist. Dazu arbeiten sie mit einer radioaktiv markierten Form des Antibiotikums, die sie so jederzeit leicht nachweisen können.

"Schadstoffe wie Sulfadiazin können an Humus und andere Bodenbestandteile binden oder sie werden in kleinen Bodenporen eingeschlossen. Forscher nennen dies das Altern der Substanz im Boden. In diesem Zustand lässt sich Sulfadiazin dann nicht mehr einfach nachweisen", erklärt Förster. Eine negative Wirkung auf Bakterien könne aber nicht ausgeschlossen werden. Da sich die Humusschicht permanent auf-, um- und abbaut, laute eine weitere Frage daher, ob die Substanz irgendwann wieder freigesetzt wird, meint Laabs. "Wenn die Antibiotika in der Gülle am Feld appliziert werden, muss ein Risk-Assessment zur Klärung eventueller Gefahren vorgenommen werden", erklärt Förster. Die heutigen Messtechniken seien so genau, dass selbst ein Nanogramm je Liter Wasser feststellbar sei.

Tierantibiotika wie das Sulfadiazin können im Boden in zweifacher Hinsicht gefährlich wirken: Zunächst einmal können sie Bodenbakterien abtöten und damit das natürliche Mikroorganismen-Gleichgewicht empfindlich stören - dies wird von den Forschern aus Rostock und Berlin untersucht. So gibt es Bakterien, die Stickstoff im Boden in eine pflanzenverfügbare Form umwandeln, wenn diese geschädigt werden, ändert sich die Stickstoffnachlieferung für Pflanzen. Außerdem besteht die Gefahr, dass sich im Boden resistente Bakterien anreichern und später vielleicht ihre Resistenzgene an menschliche Krankheitserreger weiter geben. Wie groß dieses Risiko ist, untersuchen Braunschweiger Wissenschaftler.

Das Projekt ist auf drei Jahre ausgelegt. In weiterer Folge soll auch das Antibiotikum Difloxacin untersucht werden, wie Förster gegenüber pressetext erklärt. Das Zentralexperiment läuft am Forschungszentrum Jülich: Dort lagern mit Antibiotika behandelte Bodenproben über acht Monate bei zehn Grad Celsius.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.uni-bonn.de

Weitere Berichte zu: Antibiotikawirkung Antibiotikum Bakterien Geflügel Sulfadiazin

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Arten verschwinden, Pflanzenfraß bleibt
07.02.2017 | Georg-August-Universität Göttingen

nachricht DFG-Projekt: Biodiversität, Interaktion und Stickstoffkreislauf in Grünlandböden
31.01.2017 | Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

6. Internationale Fachkonferenz „InnoTesting“ am 23. und 24. Februar 2017 in Wildau

22.02.2017 | Veranstaltungen

Wunderwelt der Mikroben

22.02.2017 | Veranstaltungen

Der Lkw der Zukunft kommt ohne Fahrer aus

21.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Ursache für eine erbliche Muskelerkrankung entdeckt

22.02.2017 | Medizin Gesundheit

Möglicher Zell-Therapieansatz gegen Zytomegalie

22.02.2017 | Biowissenschaften Chemie

Meeresforschung in Echtzeit verfolgen

22.02.2017 | Geowissenschaften