Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kaffeeanbau unter Schattenbäumen zum Erhalt der Artenvielfalt

15.07.2005


Kaffeeanbau unter Schattenbäumen zum Erhalt der Artenvielfalt / Wissenschaftler untersuchen "Schutz durch Nutzung" in tropischen Landschaften



Der Schutz biologischer Vielfalt in tropischen Landschaften, deren Naturwald durch menschlichen Einfluss bereits stark fragmentiert wurde, lässt sich durch eine gezielte landwirtschaftliche Nutzung unterstützen. Insbesondere Kleinbauern in Entwicklungsländern können maßgeblich zum Erhalt der Biodiversität beitragen, indem sie die Landwirtschaft in so genannten Agroforstsystemen - wie zum Beispiel Kaffeeanbau unter Schattenbäumen - auf eine zertifizierte Produktion umstellen. Mit einer finanziellen Förderung solcher Umweltleistungen bieten sich dabei neue Wege, Umwelt- und Entwicklungspolitik in eine gemeinsame Strategie zu integrieren. Zu diesem Schluss kommen Wissenschaftler des Instituts für Forstökonomie an der Universität Göttingen. In einem internationalen Forschungsvorhaben befassen sie sich seit zweieinhalb Jahren zusammen mit Agrarökologen und Bodenkundlern mit der "Bewertung biologischer Vielfalt von Landnutzungssystemen in einer mega-diversen Region in Ecuador". An dem bis Mitte 2006 laufenden Projekt BIO-SYS unter der Leitung von Dr. Roland Olschewski sind sechs Doktoranden und 16 Masterstudierende beteiligt.



Tropische Landschaften sind häufig nicht mehr von Regenwald bedeckt, sondern bilden ein Mosaik verschiedener Landnutzungsformen. Dabei stellen Agroforstsysteme in vielen Gebieten die Reste bewaldeter Flächen dar, in deren Umfeld landwirtschaftlicher Anbau betrieben wird. Um zu verhindern, dass diese Gebiete ebenfalls in strukturarme "Offenlandflächen" zum Beispiel für die Weidewirtschaft umgewandelt werden, wurden in der Vergangenheit zumeist Schutzgebiete ohne Nutzung ausgewiesen. "Dies ist jedoch mit hohen Kosten verbunden und hat häufig zu Konflikten mit der ansässigen Bevölkerung geführt", erläutert Dr. Olschewski. Vor diesem Hintergrund gewinnt der Erhalt biologischer Vielfalt auf privaten, genutzten Flächen eine besondere Bedeutung. "Mit der Umstellung der Landwirtschaft unter Aspekten der Artenvielfalt und der finanziellen Honorierung von ökosystemaren Leistungen ließen sich Biodiversitätsschutz und Armutsbekämpfung direkt miteinander verknüpfen", betont der Forstökonom. "Auf diese Weise können zum Beispiel auch Bio-Korridore oder Pufferzonen für Nationalparks geschaffen werden."

Die Göttinger Wissenschaftler erfassen in einer besonders gefährdeten Region von Ecuador Landnutzungssysteme, die eine hohe Artenvielfalt aufweisen, und modellieren in diesem Zusammenhang die Wirkungen von Nutzungsänderungen. "Unsere Ergebnisse zeigen, dass sich die von uns untersuchten Agroforstsysteme positiv auf die Insekten- und Pflanzendiversität auswirken und außerdem für eine Verbesserung der Bodenqualität sorgen", so Dr. Olschewski. Zugleich bewertet das Forscherteam aber auch das wirtschaftliche Potential unterschiedlicher Landnutzungen. Auf der Basis von Ertrags- und Preisinformationen lässt sich dabei auch das Risiko von Gewinnschwankungen kalkulieren. Diese machen zum Beispiel den Kaffeeanbau wenig attraktiv für die arme Landbevölkerung, die auf ein stetiges Einkommen angewiesen ist und dafür auch geringere Erlöse wie bei der Weidewirtschaft in Kauf nimmt. "Die Förderung von Umweltleistungen kann jedoch Preiseinbrüche auf dem Weltmarkt abfedern und damit den Kleinbauern einen Anreiz bieten, ihre Landwirtschaft auf einen artenreichen Anbau in Agroforstsystemen umzustellen. Ein Zertifikat sichert dabei die Einhaltung der für die Produktion vorgeschriebenen Anforderungen und hilft bei Vermarktung der Produkte", erläutert Dr. Olschewski.

Für die Untersuchungen im Projekt BIO-SYS haben die Göttinger Wissenschaftler Fördermittel in Höhe von rund einer Million Euro beim Bundesministerium für Bildung und Forschung eingeworben. Die Forschungsergebnisse fließen in Ecuador direkt in politische Prozesse ein und unterstützen die Entscheidungsfindung, so Dr. Olschewski, im "Konfliktfeld Biodiversitätsschutz und Landnutzung".

Marietta Fuhrmann-Koch | idw
Weitere Informationen:
http://www.bio-sys.uni-goettingen.de

Weitere Berichte zu: Anbau Artenvielfalt Ecuador Kaffeeanbau Schattenbäumen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht „Antilopen-Parfüm“ hält Fliegen von Kühen fern
20.10.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Agritechnica: Silber für neue Technologie zur Blütenausdünnung im Obstbau
16.10.2017 | Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise