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Neue Studie zur Früherkennung von Blasentumoren

17.02.2005


Proteomic-Urintest verbessert frühzeitige Diagnose von Blasenkrebs


Ein einfacher Urintest kann die Früherkennung von Blasenkrebs wesentlich verbessern. Das berichten amerikanische Wissenschaftler in einer aktuellen Veröffentlichung der Fachzeitschrift "Journal of the American Medical Association" (JAMA). Der Test weist im Urin das nukleäre Matrixprotein 22 (NMP22) nach. NMP22 ist ein Protein, das von den Krebszellen gebildet wird. Durch die neue Untersuchung lassen sich bösartige Tumoren der Blase bereits in sehr frühen Stadien diagnostizieren. Dr. Mark Soloway, Urologe an der Universität Miami, einer der Autoren der Veröffentlichung: "Wenn der Tumor früh erkannt wird, hat Blasenkrebs gute Heilungschancen. Dann überleben 95 Prozent der Patienten mindestens fünf Jahre. Leider kommt es aber sehr oft vor, dass Menschen mit Blasenkrebs erst viel später diagnostiziert werden." In fortgeschrittenen Krankheitsstadien verschlechtern sich die Heilungschancen deutlich. Professor Garth Williams vom University College London erläutert die Vorteile des Tests auf NMP22: "Das ist ein Test, der leicht in der Arztpraxis durchgeführt werden kann und außerdem preiswert ist". Patienten müssen auf das Testresultat nicht lange warten: Das Ergebnis steht nach weniger als einer Stunde fest.

Soloway und seine Kollegen hatten in einer Studie 1.331 Patienten untersucht. Die Teilnehmer wiesen entweder ein erhöhtes Risiko für Blasenkrebs auf - zum Beispiel weil sie langjährige Raucher waren -, oder es bestanden verdächtige Symptome wie Blut im Urin. Bei allen Patienten wurden neben dem Test auf NMP22 eine Blasenspiegelung (Zytoskopie) und eine Urinzytologie durchgeführt.


Die Wissenschaftler stellten fest, dass 79 Studienteilnehmer an Blasenkrebs litten. Bei knapp 56 Prozent der Betroffenen fiel der neue Urintest positiv aus. Durch die Untersuchung auf NMP22 wurde Blasenkrebs sogar in vier Fällen nachgewiesen, in denen die erste Blasenspiegelung unauffällig verlaufen war. Drei dieser Patienten litten bereits an einem Tumor in fortgeschrittenem Stadium. Ein Patient hatte ein Carcinoma in situ, ein Karzinom im Anfangsstadium. Soloway und seine Mitarbeiter kommen deshalb zu dem Schluss, dass der Test auf NMP22 die Zuverlässigkeit der Zystoskopie wesentlich verbessern kann. In ihrer Studie wurden durch eine Kombination von Blasenspiegelung und Test auf NMP22 knapp 94 Prozent der betroffenen Patienten erkannt. Die Zytologie überzeugte dagegen nicht: Sie identifizierte nur knapp 16 Prozent der Tumoren. Der leitende Wissenschaftler Barton Grossmann erklärte, dass der neue Test viele Leben retten könne. Er sprach sich für einen Einsatz in Kombination mit einer Blasenspiegelung aus. "Keines der Verfahren ist 100% sicher. Daher empfiehlt sich eine Kombination."

Der Urintest auf NMP22 wurde von der Firma Matritech entwickelt und durch die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA zugelassen. Blasenkrebs-Experten wie Soloway fordern seit längerem, den Test auf NMP22 bei gefährdeten Personen regelmäßig einzusetzen. "Wenn jemand raucht und über 50 ist, sollte er daran denken, sich testen zu lassen", so Soloway.

Allein in Deutschland erkranken jährlich etwa 24.700 Menschen an Blasenkrebs, und etwa 6000 sterben. Der Test auf NMP22 wird von den gesetzlichen Krankenkassen bisher allerdings nicht bezahlt. Ärzte können die Untersuchung ihren Patienten deshalb als so genannte Individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) anbieten.

Dr. Petra von der Lage | presseportal
Weitere Informationen:
http://www.adl.de

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