Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Eine "Grazie" könnte Südafrikas Kleinbauern betören

04.07.2001


Zwei neue Maissorten geben der Landwirtschaft im südlichen Afrika neue Impulse und machen die Ernährung sicherer / bis zu 50 Prozent höhere Erträge / Züchtungserfolg ohne gentechnische Veränderung

Sie reifen schneller als herkömmliche Maissorten, erzielen deutlich höhere Erträge und lassen sich auch bei längeren Dürreperioden nicht gleich hängen: Zwei neue Maissorten könnten das Leben tausender südafrikanischer Kleinbauern verbessern und ein Stück sicherer machen. Die beiden Maissorten - "Grace" (zu deutsch "Grazie) und "Zm521" - sind das Ergebnis der Zusammenarbeit von Agrarforschern des Internationalen Mais- und Weizenforschungsinstituts (CIMMYT) mit Sitz in Mexiko, dessen südafrikanischen Partnern sowie dem südafrikanischen Landwirtschaftsministerium. Offiziell vorgestellt wurden sie Ende Mai im Rahmen einer feierlichen Zeremonie im südafrikanischen Pietermaritzburg. Mit der ersten Aussaat könnte schon bald begonnen werden.

CIMMYT ist eines von 16 internationalen Agrarforschungszentren, die von der Beratungsgruppe für internationale Agrarforschung (CGIAR) gefördert werden. Geldgeber der CGIAR sind neben der Weltbank vor allem nationale Regierungen und Stiftungen. Mit von der Partie ist auch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), das die Agrarforschung finanziell und durch Entsendung deutscher Wissenschaftler unterstützt.

Vom Durchbruch in der Maisforschung profitieren vor allem afrikanische Kleinbauern. Mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von mehr als 100 Kilogramm im Jahr rangiert Mais im südlichen Afrika weit oben in der Ernährung. Die ursprünglich aus Südamerika stammende Nutzpflanze macht allein in Südafrika rund 40 Prozent der gesamten Getreideproduktion aus. Für die Landbevölkerung im südlichen Afrika ist Mais die Nutzpflanze Nummer eins.

Als geradezu ideal erweisen sich die Neuzüchtungen für die strapazierten und durch häufige Dürreperioden gekennzeichneten Trockenregionen Südafrikas. "Sie können auch in Regionen angebaut werden, die bisher wenig für den Maisanbau geeignet waren", so CGIAR-Vorsitzender Ian Johnson. So wächst "Zm521" auch bei niedriger Bodenfruchtbarkeit und lang anhaltenden Dürrephasen. Tests im Norden des Landes lieferten ein Plus von bis zu 50 Prozent gegenüber traditionellen Maisvarianten.

Als Lichtblick für die Bauern könnte sich auch "Grace" erweisen, die zweite neu gezüchtete Sorte. Mit seiner vergleichsweise kurzen Wachstumsperiode reift "Grace", benannt nach der federführenden Forscherin Grace Green, rascher heran als die übrigen Maissorten. Weiterer Vorteil: "Grace" kann bereits "grün" gegessen werden. Auf diese Weise hilft diese neue Maissorte, die kritische "Nahrungslücke" zwischen dem Zeitpunkt der Aussaat und der Ernte zu überbrücken. Das erhöht den Nahrungspielraum für viele südafrikanische Kleinbauern, die sonst auf Zukäufe angewiesen wären oder Hunger leiden müssten.

Ein weiteres Merkmal beider Sorten: Der relativ günstige Preis für das Saatgut schmälert das Einkommen der Bauernfamilien weniger als die sogenannten Hybriden. Hybrid-Mais bringt zwar höhere Ernten, jedoch muss das Saatgut in jedem Jahr neu von den Bauern gekauft werden, damit sie im Folgejahr auf die gleiche Erntemenge kommen. Hier schaffen die beiden Neuzüchtungen Abhilfe: Sowohl "Zm521" als auch "Grace lassen sich offen bestäuben, so dass die Bauern zu jeder neuen Aussaat Saatgut aus der eigenen Ernte verwenden können. "Unsere gemeinsamen Anstrengungen können das Leben von tausenden armen Kleinbauern, die bisher von technischen Entwicklungen ausgeschlossen waren, verbessern", beschreibt CIMMYT-Direktor Timothy Reeves die Perspektive. Und noch eine Besonderheit: Bei der Züchtung setzten die Agrarforscher übrigens bewusst auf herkömmliche Kreuzungsmethoden. Ein Beleg dafür, dass hohe Erträge auch ohne gentechnische Veränderungen an den Pflanzen erzielt werden können.

Über die ausreichende Verfügbarkeit von Saatgut - in der Vergangenheit oft ein Manko von Hochertragszüchtungen - müssen sich die Bauern keine Sorgen machen. Sicherheit gibt die Zusammenarbeit mit EcoLink, einer Nichtregierungsorganisation, die gemeinsam mit Bauern eine Saatgut-Bank ins Leben gerufen hat und unter dem Grundsatz der Gemeinnützigkeit Saatgut zur Verfügung stellt.

Wenn Sie mehr über "Zm521" und "Grace", den Maisanbau in Südafrika oder anderen Ländern der Entwicklungszusammenarbeit sowie den deutschen Beitrag zur internationalen Agrarforschung erfahren möchten, fragen Sie uns. Wir informieren Sie gerne.

Die Beratungsgruppe Entwicklungsorientierte Agrarforschung (BEAF) berät das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), ist Koordinierungsstelle und Informationsstelle für Fragen der entwicklungsbezogenen Agrarforschung. Die BEAF hat ihren Sitz in Bonn und ist angebunden an die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) GmbH, ein bundeseigenes Unternehmen, das Projekte der Entwicklungszusammenarbeit im Auftrag der Bundesregierung durchführt.

Oliver Hanschke | idw
Weitere Informationen:
http://idw-online.de/public/www.beaf.de
http://idw-online.de/public/www.cimmyt.cgiar.org

Weitere Berichte zu: Aussaat Ertrag Kleinbauern Maissorten Saatgut

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Elefanten-Herpes: Super-Verbreiter gefährden Jungtiere
04.05.2017 | Universität Zürich

nachricht Wurmmittel für Weidetiere können die Keimung von Pflanzensamen beeinflussen
27.04.2017 | Universität Trier

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten