Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Einweihung des weltweit einmaligen ökologischen Milchkuhstalls in Trenthorst - Schleswig-Holstein

14.01.2005


Die Kühe zum ersten Mal im Liegeboxenbereich


Modellskizze des neuen Stalls in Trenthorst


Am 13. Januar 2005 wurde der neue Milchkuhstall des Instituts für ökologischen Landbau der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL) durch den Staatssekretär des BMVEL Alexander Müller und den Landwirtschaftsminister des Landes Schleswig Holstein Klaus Müller offiziell seiner Bestimmung übergeben. Für den ökologischen Landbau ist der neue Stall in Trenthorst wichtig, da es im gesamten deutschsprachigen Raum nur zwei weitere ökologische Forschungsställe für Milchkühe gibt. Die technische Ausstattung und die Forschungsfragen sind weltweit einmalig für den ökologischen Landbau. Der neue Stall ist speziell für zentrale wissenschaftliche Fragen der ökologischen Milchkuhhaltung konzipiert worden und ergänzt die wissenschaftliche Arbeit der konventionell geführten Forschungsställe in Schleswig-Hostein, der Ressortforschung des BMVEL und der Universitäten. Folgende Bedingungen sind in dem neuen Milchviehstall gegeben:

  • Alte Rassen und Hochleistungsrassen: In dem Stall werden insgesamt 100 Milchkühe gehalten. Die Herde ist geteilt in 50 Kühe der alten und gefährdeten Rasse Alte Deutsche Rotbunte - Doppelnutzungstyp - und 50 Kühe der üblichen Hochleistungsrasse Holstein-Friesian. Damit soll festgestellt werden, ob alte lokale Rassen besser für den ökologischen Landbau geeignet sind oder nicht. Dieses steht in den Richtlinien für den ökologischen Landbau, ist aber bislang nicht wissenschaftlich belegt. Vor allem gesundheitliche Aspekte sollen untersucht werden: Fruchtbarkeit, Lahmheiten, Mastitis etc. Die Milch der beiden Herden wird getrennt erfasst.
  • Milchqualität und Milchleistung: Ein Doppel-4er-Tandem-Melkstand mit modernster Melktechnik und einem komfortablen Melkhaus erlaubt best mögliche wissenschaftliche Bearbeitung zentraler Fragen rund um die Milchqualität und Milchleistung bei klar definierten Umweltbedingungen.

  • Intensive und extensive ökologische Milchviehhaltung: Das gesamte Futter und auch das Stroh wird auf einem 100 Hektar großen Betrieb (1 Kuh pro Hektar) selber erzeugt: "100% Bio und betriebseigen", es wird nichts zugekauft. Besonders Stroh war hier limitierender Faktor. Die beiden Herden können noch einmal für Fütterungsversuche getrennt werden. Hierfür sind Selektionstore zum Futtertisch eingebaut worden, die durch Raufutterautomaten zur Fütterung ergänzt werden. Eine Betriebsteilung in extensiv (raufutterbetont) und intensiv (kraftfutterbetont) ist möglich.
  • Tiergesundheit und Tiergerechtheit: Der Stall wurde nach neuesten Erkenntnissen der Tiergerechtheit gebaut. Laufmatten, ausreichende Freilaufbereiche und außen liegender Futtertisch. Die Kühe sind behornt - was auch im ökologischen Landbau nicht üblich aber gewünscht ist -, weswegen pro Tier entsprechend Raum gegeben wurde, ohne Nischen und Sackgassen. Weidegang im Sommer ist durch angrenzendes Grünland möglich. Hygieneaspekte werden durch Schwarz-Weißschleusen für Besucher und Mitarbeiter beachtet. Der Herdenverband wird stabil gehalten, trocken stehende Kühe oder unterschiedliche Fütterungsgruppen können in der Herde bleiben. Bullenhaltung ist möglich.
  • Kälberaufzucht: Der Stall ermöglicht die muttergebundene Kälberaufzucht. Dieses Thema wird seit Jahren diskutiert: sowohl aus Sicht des Verbrauchers - der die mutterlose Aufzucht als nicht tiergerecht ansieht - als auch aus der Sicht der Kälbergesundheit. Hierfür wurde der Kälberbereich so konzipiert, dass die Tiere gezielt zu ihren Müttern zugelassen werden können (Selektionstore) und spezielle Liege- und Schutzbereiche im Kuhstall direkt bei ihren Müttern vorhanden sind. Auch andere Aufzuchtverfahren können vergleichend durchgeführt werden. Die Kälber werden bis zum 3. Lebensmonat im Milchkuhstall gehalten, bis sie in den Mastrinderbereich wechseln.

  • Wissenschaftliches Arbeiten: Der Stall erlaubt wissenschaftliches Arbeiten auf hohem Niveau. An das Melkhaus angrenzend sind wissenschaftlich nutzbare Räume angebaut. Datenerfassung und Untersuchungsmöglichkeiten sind direkt vor Ort. Permanente Datenerfassung für Fütterung, Tiergewichte, Milch, Aktivität der Tiere, ist integriert.

Auszug aus dem offiziellen Institutskonzept des FAL-Instituts für ökologischen Landbau:

Ziel der Forschung zur ökologische Milchkuhhaltung ist die Optimierung der Haltung und Fütterung von Milchkühen als Schlüsselfaktoren für Tiergesundheit und hohe Milchleistung und -qualität.

  • Besonderheiten der Wechselwirkungen zwischen Futter/Fütterung, Tiergesundheit, Leistung und Milchqualität (Rohmilch bis 1. Verarbeitungsgrad) unter besonderer Berücksichtigung der Proteinversorgung bei leguminosenreicher Fruchtfolge (Systembetrachtung Milchviehbetrieb).
  • Untersuchungen zur Arbeitsplatzqualität in der ökologischen Milchviehhaltung und zu arbeitswirtschaftlichen Verbesserungsmöglichkeiten.
  • Verbesserungen in der ökologischen Kälberaufzucht.
  • Untersuchungen zur Produktqualität von Bio-Milch und Bio-Milchprodukten.
  • Einfluss des Mensch-Tier-Verhältnisses auf die Tiergesundheit und die Arbeitsplatzqualität.
  • Bewertung von alternativen Tierheilverfahren.
  • Auswahl geeigneter Rassen für den ökologischen Landbau.
  • Untersuchungen zum Management des Wirtschaftsdüngers.
  • Untersuchungen zur Vermarktung von Bio-Milch und Bio-Milchprodukten.
  • Bewertung von verbesserten Produktionsverfahren in Hinblick auf die Wirtschaftlichkeit.

Margit Fink | idw
Weitere Informationen:
http://www.fal.de/

Weitere Berichte zu: Fütterung Kühe Landbau Milchkuhstall Milchleistung Rassen Stall Tiergesundheit

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Klimawandel – die Tanne sticht Fichte und Buche aus
10.08.2017 | Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL

nachricht Feuerbrand bekämpfen und Salmonellen nachweisen
14.06.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie