Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Intelligente Schweine finden immer ihr Futter

10.01.2005


Ton-Schalter-Futterautomaten: Maschinen im Dienste der artgerechten Schweinehaltung


Schweine vor Ton-Schalter-Futterautomaten in der Experimentalanlage Schwein (EAS) des Dummerstorfer Forschungs-instituts für die Biologie landwirtschaftlicher Nutztiere (FBN)


Schweine nutzen einen Ton-Schalter-Futterautomaten in der Experimentalanlage Schwein (EAS) des Dummerstorfer Forschungsinstituts für die Biologie landwirtschaftlicher Nutztiere (FBN)



Schweine sind ziemlich kluge Tiere, die in natürlicher Umgebung erkundungsfreudig und anpassungsfähig sind. In der konventionellen Schweinehaltung können die meisten dieser Fähigkeiten nicht entwickelt werden; sie treten häufig sogar in Form von unerwünschten Verhaltensweisen auf: Statt der Umwelt erforschen die Tiere ihre Haltungsgenossen und fügen ihnen mitunter dabei Schäden zu. Um eine ausreichende Fleischversorgung sicherzustellen, können wir weltweit auf die Intensivhaltung nicht verzichten. Deshalb stellt sich die Frage, wie auch unter unter den Bedingungen der konventionellen Schweineproduktion natürliche und angeborene Bedürfnisse der Tiere berücksichtigt werden können?



Am Forschungsinstitut für die Biologie landwirtschaftlicher Nutztiere (FBN) in Dummerstorf bei Rostock haben Wissenschaftler des Forschungsbereichs Verhaltensphysiologie unter Leitung von Professor Dr. Gerhard Manteuffel und Dr. Birger Puppe eine spezielle Fütterungsanlage für Schweine entwickelt, den "Ton-Schalter-Futterautomaten". Hier können die Tiere ihr angeborenes Erkundungs- und Orientierungsvermögen anwenden. Auch das Bedürfnis, aktiv ihre Rüsselscheibe zu nutzen, wird berücksichtigt. Durch den Einsatz der neuartigen "Ton-Schalter-Futterautomaten" wird bei den Tieren erhöhte Aufmerksamkeit und eine Belohnungserwartung erzeugt. Ein solcher Automat ruft mehrmals täglich einzelne Tiere zu unvorhersehbaren Zeiten zum Futter. Vorher hatte jedes Tier in der Gruppe durch Versuch und Irrtum gelernt, einen bestimmten Ton als sein individuelles Signal zu erkennen. Ein Steuerprogramm wählt einen von mehreren Automaten zufällig aus und lässt diesen das Tier rufen. Dieses muss nun mehrmals einen Schalter mit der Rüsselscheibe drücken, um eine gewisse Futtermenge zu erhalten und so für seine Mühe belohnt zu werden.

Neueste Ergebnisse über den Einsatz von "Ton-Schalter-Futterautomaten" zeigen, dass Schweine kein Problem damit haben, sich technischen Anlagen anzupassen, solange diese ihre natürliche Verhaltensbereitschaft berücksichtigen. Dies kann zugleich der Bereicherung der Haltungsumwelt dienen, Langeweile und Unterforderung reduzieren und die Gesundheit fördern. Insbesondere könnte ein ähnliches Fütterungsverfahren für trächtige Sauen anwendbar sein, die häufig sehr eintönig gehalten werden.

Mehr Aktivität und mehr erfolgreich bewältigte Anforderungen beeinflussen Immunfunktionen positiv und fördern damit Wohlbefinden und Tiergesundheit der Nutztiere. Die Aufzucht solch fitter und gesunder Schweine ist für den Tierhalter von wirtschaftlichem Vorteil und darüber hinaus eine Voraussetzung für die Gewährleistung hoher Produktions- und Produktqualität; diese wiederum wird vom Verbraucher bei seiner Entscheidung an der Ladentheke zunehmend mitberücksichtigt.

Das FBN gehört zur Leibniz-Gemeinschaft, einem Zusammenschluss von 80 außeruniversitären Wissenschaftseinrichtungen. Die Leibniz-Institute beschäftigen rund 12.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sie arbeiten nachfrageorientiert und interdisziplinär und sind von überregionaler Bedeutung. Da sie Vorhaben im gesamtstaatlichen Interesse betreiben, werden sie von Bund und Ländern gemeinsam gefördert.

Norbert K. Borowy | idw
Weitere Informationen:
http://www.fbn-dummerstorf.de

Weitere Berichte zu: Automat Bedürfnis Futter Rüsselscheibe Schwein

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Julius Kühn-Institut etabliert Forschungszentrum für landwirtschaftliche Fernerkundung (FLF)
22.03.2017 | Julius Kühn-Institut, Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen

nachricht Im Drohnenflug dem Wasser auf der Spur
03.03.2017 | Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Im Focus: Tracing down linear ubiquitination

Researchers at the Goethe University Frankfurt, together with partners from the University of Tübingen in Germany and Queen Mary University as well as Francis Crick Institute from London (UK) have developed a novel technology to decipher the secret ubiquitin code.

Ubiquitin is a small protein that can be linked to other cellular proteins, thereby controlling and modulating their functions. The attachment occurs in many...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Besser lernen dank Zink?

23.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Innenraum-Ortung für dynamische Umgebungen

23.03.2017 | Architektur Bauwesen