Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Invasion der Getreideerntekäfer

15.12.2004


Der Westliche Maiswurzelbohrer (WCR - Western Corn Rootworm) hat in den vergangenen Jahren Osteuropa überfallen und gefährdet jetzt über 8 Millionen Hektar landwirtschaftliche Anbaufläche in Westeuropa. Die Invasion dieses Käfers könnte zu finanziellen Verlusten in Höhe von jährlich 35 Millionen Euro führen. Deshalb wurden im Rahmen des DIABROTICA-Projekts verschiedene Untersuchungen durchgeführt, um dieser Plage entgegen zu wirken.




Das Institut für Pflanzenpathologie und Pflanzenschutz der Georg-August-Universität Göttingen führte eine Reihe von Untersuchungen durch, um das wirksamste Mittel zu finden, mit dem der Befall europäischer Getreidefelder durch den WCR eingedämmt werden kann. Es wurde ein multidisziplinärer Schwerpunkt gewählt mit dem ausdrücklichen Interesse an Lösungen ohne Pestizide wie Fruchtfolge, Kairomonfallen oder natürliche parasitoide Arten.

... mehr zu:
»Invasion »Pestizid »Schädling »Vorbeugung »WCR


Bis vor Kurzem war man der Ansicht, der WCR sei ein kulturspezifischer Schädling und Fruchtfolge sei das wirksamste Mittel gegen die Ausbreitung des Schädlings. Aktuelle Studien zeigen jedoch, dass der in Europa angesiedelte Käfer seine Ernährungsgewohnheiten auf eine Reihe von Unkräutern ausgedehnt hat. Bei der Analyse des Mageninhalts von Käfern verschiedener Felder wurden zahlreiche unterschiedliche Unkrautpollen gefunden, die belegen, dass sich der WCR durch alternative Nahrungsquellen entwickeln kann und das auch tut. Darüber hinaus zeigte die Studie, dass die Fülle an Unkraut weniger mit dem Verzehr, sondern vielmehr mit der Vorliebe für bestimmte Unkräuter zu tun hat. Man fand auch heraus, dass der männliche WCR Unkräuter dem reifen Getreide vorzieht.

Diese Erkenntnis untergräbt daher die am weitesten verbreitete Maßnahme der Vorbeugung von Fortpflanzung und Ausbreitung der Spezies und legt den Schwerpunkt auf alternative Vorbeugemaßnahmen. Kairomonstudien führten zu einem leichten Paarungsrückgang, minderten jedoch nicht die Brutfähigkeit des Weibchens. So wurde zwar eine hohe Sterblichkeitsrate erzielt, diese wurde jedoch durch die Fruchtbarkeit der Spezies wieder aufgewogen. Somit wurden Kairomone als mögliche Lösung ausgeschlossen.

Es existieren zwar parasitoide Arten oder natürliche Feinde als wirksame biologische Schädlingsbekämpfungsmittel, in Europa sind diese jedoch nicht weit verbreitet. Darüber hinaus sind sie genspezifisch und würden möglicherweise keine WCRs einer anderen Art als der, die sie gewöhnt sind, angreifen. Im Rahmen des Projekts wird demnach noch eine weitere Beurteilung der Langzeitauswirkungen dieser Maßnahme benötigt, bevor man diese Arten in eine Umgebung entlässt, in der sie nicht einheimisch sind.

Im Großen und Ganzen könnte eine Kombination der unterschiedlichen Verfahren die Lösung sein. Pestizide könnten aufgrund ihrer hohen Wirksamkeit nötig sein, während sich die Verminderung der Monokultur ebenfalls als nützlich erweisen könnte. Die Untersuchung befindet sich zwar noch im Anfangsstadium, die bereits unterbreiteten Vorschläge sind jedoch ein erster Schritt zu einem umfassenden Plan zur Vorbeugung der erwarteten Invasion.

Kontakt:

Prof. Stefan Vidal
Institute for Plant Pathology / University Gottingen
Grisebachstrasse 6, 37077 Göttingen
Tel: +49-551-399744
Fax: +49-551-3912105
Email: svidal@gwdg.de

Prof. Stefan Vidal | ctm
Weitere Informationen:
http://wwwuser.gwdg.de/~instphyt/allgemeines-e.htm

Weitere Berichte zu: Invasion Pestizid Schädling Vorbeugung WCR

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Feuerbrand bekämpfen und Salmonellen nachweisen
14.06.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

nachricht Das Potenzial nichtheimischer Baumarten für den forstlichen Anbau in Deutschland sachlich prüfen
14.06.2017 | Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Im Focus: Das Proton präzise gewogen

Wie schwer ist ein Proton? Auf dem Weg zur möglichst exakten Kenntnis dieser fundamentalen Konstanten ist jetzt Wissenschaftlern aus Deutschland und Japan ein wichtiger Schritt gelungen. Mit Präzisionsmessungen an einem einzelnen Proton konnten sie nicht nur die Genauigkeit um einen Faktor drei verbessern, sondern auch den bisherigen Wert korrigieren.

Die Masse eines einzelnen Protons noch genauer zu bestimmen – das machen die Physiker um Klaus Blaum und Sven Sturm vom Max-Planck-Institut für Kernphysik in...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Operatortheorie im Fokus

20.07.2017 | Veranstaltungen

Technologietag der Fraunhofer-Allianz Big Data: Know-how für die Industrie 4.0

18.07.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - September 2017

17.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Von photonischen Nanoantennen zu besseren Spielekonsolen

20.07.2017 | Physik Astronomie

Bildgebung von entstehendem Narbengewebe

20.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

RWI/ISL-Containerumschlag-Index bleibt aufwärts gerichtet

20.07.2017 | Wirtschaft Finanzen