Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Grosse Erwartungen an kleinste Mengen - Mikronährstoffe in der Düngung

14.12.2004


Das Institut für Pflanzenernährung und Bodenkunde der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL) in Braunschweig bietet seit einigen Jahren mit seinen "Nährstoff-Tagen" Praktikern, Fachpresse und interessierter Öffentlichkeit aktuelle Informationen und Forschungsergebnisse des Institutes zu Fragen der Düngung an. In diesem Jahr war der "Nährstoff-Tag" den Mikronährstoffen gewidmet. Besonderes Highlight der Veranstaltung war, dass die Teilnehmer ihre Fragen auch mit zwei internationalen "Ikonen" der Mikronährstoff-Forschung, Prof. Dr. Manfred Anke und Prof. Dr. Werner Bergmann aus Jena, diskutieren konnten.



Mikronährstoffe sind für Organismen lebensnotwendige Mineralstoffe, sie sind Spurenelemente, weil ihre Konzentrationen im Gewebe im Bereich von Millionstel Gramm ("Spuren") liegen und die meisten von ihnen sind auch Schwermetalle. Für Pflanzen sind dies Eisen (Fe), Mangan (Mn), Zink (Zn), Kupfer (Cu) und Molybdän (Mo) sowie die Nichtmetalle Chlor (Cl) und Bor (B). Die im Stoffwechsel gebrauchten Mengen sind deshalb so gering, weil Mikronährstoffe fast ausschließlich als Katalysatoren in Enzymsystemen und daher, im Gegensatz zu Makronährstoffen, wie z. B. Stickstoff und Schwefel, substantiell kaum an der Masse der Ernteprodukte partizipieren. Wissenschaftler/innen des Institutes fanden in diesem Zusammenhang heraus, dass die Versorgung von Pflanzen mit Mikronährstoffen faktisch nur die beiden Zustände "Mangel" und "ausreichende Versorgung" kennt. Den Bereich "latenter Mangel" gibt es bei Mikronährstoffen nicht. Bei Makronährstoffen hingegen kennzeichnet dieser den Bereich von physiologisch ausreichender Versorgung bis zur Grenze von Leistungszuwächsen.



Von den bekannten Mikronährstoffen sind in Nordeuropa nach Erkenntnissen der Forscher/innen vor allem bei Mn, Cu und B Mangelversorgungen zu erwarten; bei B aber nur bei zweikeimblättrigen Pflanzenarten. Mangel an Cl tritt generell nie und Mangel an Fe und Mo nur vereinzelt in Sonderkulturen auf.

Eine weitere Besonderheit der Ernährung von Pflanzen mit Mikronährstoffen in der Pflanzenernährung ist, dass Mangel selten durch Fehlen des Elementes, sondern vielmehr durch dessen unzureichende Mobilität, d.h. Verfügbarkeit für die Pflanzen, bedingt ist. Wesentliche Faktoren hierfür sind pH-Wert und Wasserversorgung: Bei pH-Werten > 6 und Trockenheit tritt z.B. gehäuft Mn-Mangel auf.

Voraussetzung wirkungsvoller Mikronährstoff-Düngung ist die korrekte Diagnose der Versorgungslage: Symptome des Mikronährstoffmangels sind unspezifisch, eine visuelle Diagnose an Hand von Mangelsymptomen scheidet daher aus. Die Untersuchung von Böden eignet sich gut für B und Cu, nicht dagegen für Mn. Dabei sollte für B die "Heißwasser-" und für Cu die "Westerhoff-" Methode verwendet werden, da beide geeicht sind. Insbesondere bei Cu empfiehlt sich eine geokodierte Beprobung, um die räumliche Verteilung der Versorgung zu erfassen. Die Pflanzenanalyse ist die wohl exakteste Methode zur Bestimmung der Versorgung von Mineralstoffen, zeitlich kaum als Hilfsmittel für die Düngungsplanung in die Bestandesführung zu integrieren. Zur Interpretation komplexer Pflanzenanalysen bietet das Institut auf seiner Webpage das Programm "PIPPA" zum kostenlosen Download an. Nur bei diagnostisch einwandfrei bestätigtem Mangel wird Düngung mit Mikronährstoffen sich positiv auf Erträge und Qualitäten auswirken. Dabei sind bei Mn und B Blattapplikationen (1-3 mal 1 kg ha-1 Mn; 0,4 kg ha-1 B, jedoch nie zu Getreide) einer Bodendüngung in jedem Falle vorzuziehen. Bei Cu-Mangel sollte ausschließlich über den Boden und zwar einmalig 5 kg ha-1 Cu gegeben werden. Diese Menge sichert die Cu-Versorgung für mindestens 10 Jahre. Die Ertragszuwächse bei Mikronährstoff-Düngung betragen in der Praxis nur selten mehr als 5%, realistische Erwartungen liegen im Bereich von 1-2%. Mikronährstoff-Düngung, insbesondere Blattdüngung, auf bloßen Verdacht hin birgt dagegen ein ungleich größeres Risiko von Ertragsverlusten.

In den vergangenen 20 Jahren hat sich mit zunehmendem Schwermetalleintrag (über atmosphärische Depositionen, Sekundärrohstoff- und Wirtschaftsdünger) in Agrarökosysteme allgemein auch die Mikronährstoff-Versorgung landwirtschaftlicher Kulturen verbessert. Die bewusste Zufuhr von Mikronährstoffen durch Mikronährstoff-Dünger, aber auch die unbewusste Zufuhr durch Nebenbestandteile von Düngemitteln, muss daher auch unter ökologischen Aspekten gesehen werden. Probleme entstehen hier derzeit insbesondere bei Cu, so dass hier eine korrekte Diagnose des Versorgungszustandes nicht nur aus Sicht der Produktionstechnik besonders wichtig ist.

Kontakt:
Prof. Dr. Dr. Ewald Schnug, Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL), Institut für Pflanzenernährung und Bodenkunde, Bundesallee 50, 38116 Braunschweig, E-Mail: pb@fal.de

Margit Fink | idw
Weitere Informationen:
http://www.pb.fal.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Elefanten-Herpes: Super-Verbreiter gefährden Jungtiere
04.05.2017 | Universität Zürich

nachricht Wurmmittel für Weidetiere können die Keimung von Pflanzensamen beeinflussen
27.04.2017 | Universität Trier

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten