Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Weltraumtechnik spürt gezielt Waldschädlinge auf

04.11.2004


Wissenschaftler der TU Berlin setzen gemeinsam mit Potsdamer Ingenieuren Satellitendaten mit höchster Detailwiedergabe ein, um Baustellen zu überwachen oder Veränderungen in der Landschaft zu erkennen




Gemeinsam mit ihren Kollegen von der Arbeitsgruppe Forstlicher Luftbildinterpreten (AFL) hatten die TU-Wissenschaftler Prof. Dr. Birgit Kleinschmit und Prof. Dr. Hartmut Kenneweg vom Institut für Landschafts- und Umweltplanung im Herbst 2003 vor starken Waldschäden im Jahr 2004 als Folge des Dürresommers 2003 gewarnt und verstärkte Inventuraktivitäten gefordert.



Die befürchteten Schäden sind eingetreten, wie die in Kürze zu erwartenden Waldschadensberichte belegen werden. Von "dramatischer Zunahme der Waldschäden" und "Schäden so hoch wie noch nie" ist in ersten Presseberichten zu lesen. Massenvermehrungen von blatt-, rinden- oder holzfressenden Insekten, die für den Wald existenzbe-drohend werden können, ereignen sich als Teil dieses Problems bevorzugt in geschwächten Beständen und besonders oft in den Folgejahren nach einer Dürre. Die dann aktuelle Frage nach einer Bekämpfung mit Insektiziden führt gewöhnlich zu heftigen Kontroversen zwischen Waldbesitzern einerseits und Natur- und Umweltschützern andererseits.

Südbrandenburgische Waldgebiete um Lieberose und Peitz, teils in Schutzgebieten gelegen, sind von diesem Problem betroffen. Die Raupen der Nonne (Lymantria monacha), eines unscheinbaren Schmetterlings, nicht sonderlich wählerisch bezüglich der Baumart, bedrohen die dortigen Wälder mit Kahlfraß. Für Nadelwälder endet der Befall oft tödlich. Anfangs sind die Befallsherde klein, aber im unübersichtlichen Wald schwer zu entdecken.

Im Rahmen eines Entwicklungs- und Erprobungsprojekts namens SARA `04, in dem das Ingenieurbüro Luftbild und Planung, Potsdam, mit der TU Berlin (Prof. Dr. Hartmut Kenneweg) zusammenarbeitet, werden Satellitendaten höchster Detailwiedergabe eingesetzt, um feine, aber bedeutungsvolle Veränderungen in der Landschaft zu erkennen und abzugrenzen, damit daraus gezielte planerische Maßnahmen abgeleitet werden können. Es kann sich dabei um Pflegemaßnahmen in Schutzgebieten, die Überwachung von Baustellen oder landwirtschaftliche Kulturen, aber auch um die Erkennung von Waldschäden handeln. Ein aus rund 450 km Höhe aufgenommenes Satellitenbild zeigt Kiefernbestände, die teilweise (dank Schädlingsbekämpfung) gesund geblieben sind, teilweise (ohne Insektizideinsatz) starken Nonnenbefall aufweisen. Da eine großflächige vorsorgliche Bekämpfung sowohl aus Kosten- wie aus Naturschutzgründen nicht in Betracht kommt, sondern nur die Insektizidbehandlung schwerstbefallener und vom Kahlfraß bedrohter Einzelbestände, soll die großflächig aktuelle Situationswiedergabe des Satellitenbildes verwendet werden. Das dient dazu, die Entdeckung frischer Befallsherde und die Entscheidung über eine Bekämpfung oder deren Unterlassung auf eine sowohl sichere als auch objektiv nachprüfbare Informationsbasis zu stellen. Gefördert wird das Projekt mit Mitteln des Ministeriums für Wirtschaft des Landes Brandenburg und vom Europäischen Fond für regionale Entwicklung.

Die früher nur für militärische Zwecke verfügbaren Satellitenbilder sind technisch ausgereift und inzwischen kommerziell verfügbar. Forschungs- und Entwicklungsbedarf gibt es vor allem noch bezüglich der Verfahrensentwicklung für verschiedene zivile Zwecke.
Das mit einem Satellitensensor aufgenommene Bild zeigt Nonnenbefall und Bekämpfungserfolge in südbrandenburgischen Kiefernwäldern: Der mit (1) gekennzeichnete Wald ist ein mit Insektiziden behandelter älterer Bestand, dessen südlicher Teil (2) unbehandelt blieb und deutlich stärker geschädigt wurde. Je röter die Flächen sind, desto gesünder ist der Wald. Ebenfalls behandelt und unbeschädigt geblieben ist der mit (4) gekennzeichnete Bestand. Nicht behandelt und dadurch stärker befallen ist der in der Mitte liegende jüngere Waldbestand (3). Die Behandlung des Bestandes (1) mit Insektiziden deckte auch noch den westlichen Rand des Bestandes (3) ab, so dass man dort den Unterschied zwischen behandelt und unbehandelt innerhalb eines Bestandes sehen und beurteilen kann. Die hier visuell erkennbaren Kontraste können exakt gemessen und rechnerisch weiter aufbereitet werden.

Weitere Informationen erteilt Ihnen gern: Prof. Dr.Hartmut Kenneweg, Institut für Landchafts- und Umweltplanung der TU Berlin, Fachgebiet Landschaftsplanung/Landschaftspflege und Naturschutz, Franklinstr. 28/29, 10587 Berlin, Tel.: 030/314-73491, Fax: 030/314-23507, E-Mail: Kenneweg@ile.tu-berlin.de

Ramona Ehret | idw
Weitere Informationen:
http://www.tu-berlin.de

Weitere Berichte zu: Insektiziden Satellitenbild Waldschäden

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Arten verschwinden, Pflanzenfraß bleibt
07.02.2017 | Georg-August-Universität Göttingen

nachricht DFG-Projekt: Biodiversität, Interaktion und Stickstoffkreislauf in Grünlandböden
31.01.2017 | Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

6. Internationale Fachkonferenz „InnoTesting“ am 23. und 24. Februar 2017 in Wildau

22.02.2017 | Veranstaltungen

Wunderwelt der Mikroben

22.02.2017 | Veranstaltungen

Der Lkw der Zukunft kommt ohne Fahrer aus

21.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

6. Internationale Fachkonferenz „InnoTesting“ am 23. und 24. Februar 2017 in Wildau

22.02.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Neue Prozesstechnik für effizientes Bohren und Schneiden auf der LASER CHINA

22.02.2017 | Messenachrichten

IHP-Forschungsteam verbessert Zuverlässigkeit beim automatisierten Fahren

22.02.2017 | Automotive