Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

DBU stachelt zum Bienenschutz an: "Killer-Milbe" den Kampf angesagt

07.09.2004


270.000 Bienenvölker starben 2003 an Parasiten - Risiken fürs Ökosystem - Spezielle Züchtungen sollen helfen - DBU fördert mit rund 439.000 Euro


Infrarot Videoaufnahme, bei der ein Resistenzmerkmal zu sehen ist. Eine Biene hat eine Milbe zwischen ihren Mundwerkzeugen (Mandibeln). Dies führt meist zur Verletzung und dem Tod der Milbe.


Mit Opalith-Plättchen werden für einen Versuch bis zu 2.000 Arbeitsbienen individuell gekennzeichnet: Dadurch ist im Rahmen der Infrarot-Videoaufnahmen eine Zuordnung von beobachteten Resistenzmerkmalen zu einzelnen Bienen möglich. Infrarotes Licht können Bienen nicht wahrnehmen. So kann man sie durch die Technik ungestört in der natürlichen Dunkelheit des Bienenstocks beobachten.



Sie starben wie die Fliegen. 270.000 Bienenvölker wurden im vergangenen Jahr vernichtet - dreißig Prozent der Honigbienen in Deutschland. Die Ursache: der weltweit gefährlichste Bienenparasit, eine aus Asien eingeschleppte Milbe. Die Folgen des Bienensterbens sind fatal, denn die Tiere erfüllen wichtige Aufgaben in der Natur und sind als Honigproduzenten wirtschaftlich bedeutend; ihr volkswirtschaftlicher Wert liegt pro Jahr bei etwa 2,2 Milliarden Euro. Das Institut für Zoologie der Martin-Luther-Universität (Halle-Wittenberg) und das Länderinstitut für Bienenkunde Hohen Neuendorf (Brandenburg) suchen nun nach Bienen, die für die Milbe weniger anfällig sind. Sie wollen widerstandsfähige Bienenvölker züchten und damit das Ökosystem in der Balance halten. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) fördert das Projekt mit rund 439.000 Euro.

... mehr zu:
»Biene »Bienenkunde »Bienenvölker »DBU »Imker »Milbe


Chemische Keule immer wirkungsloser

Das Problem: die blutsaugende Milbe überträgt Bakterien und Viren, die Bienen töten, sofern sie nicht regelmäßig mit Schädlingsbekämpfungsmitteln behandelt werden. Gegen die chemische Keule jedoch spricht einiges: sie wird immer wirkungsloser, weil sich die Milben an sie gewöhnt haben, sie belastet die Umwelt und sie kann sogar Rückstände in Bienenprodukten hinterlassen.

Vorhandene Abwehrkräfte ermitteln

Das Kooperationsprojekt will neue, umweltfreundliche Wege gehen. Die Forscher untersuchen Bienen darauf, ob sie an die Varroa-Milbe angepasst sind und einen Befall gut überstehen. "Eine gezielte Züchtung auf Varroa-Resistenz ist schwierig, weil sie durch viele Gene bestimmt wird und erst nach Jahren feststeht, ob Bienen trotz Befalls überlebt haben", erklärt Dr. Martin Beye, Leiter der Gruppe Bienengenetik der Universität Halle. Deshalb wollen Beye und sein Team ein Diagnosesystem entwickeln, das Auskunft über vorhandene Abwehrkräfte liefert.

Natürliche "Widerstandsgene" gegen die Milbe identifizieren

Und so funktioniert es: Gibt ein Imker eine Bienenprobe ab, kann ihr Genprofil mit Hilfe eines so genannten Genchips sichtbar gemacht werden - die natürlichen "Widerstandsgene" gegen die Milbe lassen sich identifizieren. "Wir gestalten das Verfahren so, dass jeder Imker Proben entnehmen und zur Analyse geben kann", sagt Beye. "Diese Methode ermöglicht in kurzer Zeit den Vergleich vieler Proben."

Gezielte Zuchtempfehlungen für Imker

Mit Hilfe des neuen Verfahrens sollen die widerstandsfähigeren Bienenvölker schnell ausgemacht und gezielte Zuchtempfehlungen für Imker erarbeitet werden. Die Versuche und Kreuzungen übernimmt das Länderinstitut für Bienenkunde, während die molekulargenetische Analyse der Proben und die Auswertung in Halle erfolgt. "Die Zucht varroatoleranter Bienen gehört zu den wichtigsten Zielen der Bienenforschung", so Prof. Kaspar Bienefeld, Leiter des Länderinstituts für Bienenkunde. "Wenn es gelingt, ein praxistaugliches Routineverfahren für die Zucht anbieten zu können, kommen wir diesem Ziel einen großen Schritt näher."

Ansprechpartner für weitere Informationen: Martin Beye, Martin-Luther-Universität Halle, Tel. 0345/ 5521627, beye@zoologie.uni-halle.de, und Kaspar Bienefeld, Länderinstitut für Bienenkunde, Tel. 03303/293837, kaspar.bienefeld@rz.hu-berlin.de

| DBU
Weitere Informationen:
http://www.dbu.de

Weitere Berichte zu: Biene Bienenkunde Bienenvölker DBU Imker Milbe

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Etabliert sich der Götterbaum bald in der ganzen Schweiz?
03.09.2015 | Eidg. Forschungsanstalt WSL

nachricht Wildpflanzen erhöhen Ertrag in benachbartem Acker
03.09.2015 | Gesellschaft für Ökologie e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Nanoperlen für die Stahlschmiede

Stahl gibt es seit rund 3000 Jahren und heute sogar in mehreren Tausend Variationen, und trotzdem ist er immer wieder für Überraschungen gut. Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Eisenforschung in Düsseldorf haben in einem manganhaltigen Stahl nun beobachtet, dass die Legierung an linienförmigen Defekten eine andere Kristallstruktur bildet, als sie typisch ist für das Material. Sie berichten darüber im Fachjournal Science. Da sich die Länge der Liniendefekte in einem Kubikmeter Stahl auf ein Lichtjahr summieren kann, dürfte die Entdeckung große praktische Bedeutung haben. Denn von der Mikrostruktur eines Stahls hängen auch seine Eigenschaften ab.

Versetzungen können Leben retten. Solche Liniendefekte, genauer gesagt Stufenversetzungen entstehen, wenn eine Atomlage eines Kristalls unvollständig bleibt,...

Im Focus: LARA - Luftgekühlter Radnabenmotor mit hoher Drehmomentdichte auf Basis gegossener Aluminiumspulen

LARA umfasst die Entwicklung, Fertigung und Erprobung eines robusten luftgekühlten Radnabenmotors mit hoher Drehmomentdichte. Dieser kommt als Direktantrieb an allen vier Rädern eines leichten Stadtfahrzeugs als Demonstrator zum Einsatz. Wesentliche Herausforderung ist, das für die Fahrzeugnutzung im urbanen Umfeld notwendige Drehmoment bei hohen Wirkungsgraden aufzubringen und zugleich eine technologisch einfache Luftkühlung zur Abführung der thermischen Verlustleistungen umzusetzen.

Für die Wicklung des Elektromotors werden die vom Fraunhofer IFAM entwickelten gegossenen Spulen mit maximalem Nutfüllgrad eingesetzt, die zur Minimierung von...

Im Focus: Hubble survey unlocks clues to star birth in neighboring galaxy

In a survey of NASA's Hubble Space Telescope images of 2,753 young, blue star clusters in the neighboring Andromeda galaxy (M31), astronomers have found that M31 and our own galaxy have a similar percentage of newborn stars based on mass.

By nailing down what percentage of stars have a particular mass within a cluster, or the Initial Mass Function (IMF), scientists can better interpret the light...

Im Focus: Fraunhofer ISE entwickelt hochkompakten Wechselrichter für unterbrechungsfreie Stromversorgungen

Bauteile aus Siliziumkarbid ermöglichen Wirkungsgrad von 98,7 Prozent

Forscher des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE haben einen hochkompakten und -effizienten Wechselrichter für die unterbrechungsfreie...

Im Focus: Fraunhofer ISE Develops Highly Compact Inverter for Uninterruptible Power Supplies

Silicon Carbide Components Enable Efficiency of 98.7 percent

Researchers at the Fraunhofer Institute for Solar Energy Systems ISE have developed a highly compact and efficient inverter for use in uninterruptible power...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Innovative Citizen – Festival für neue urbane Fertigkeiten

04.09.2015 | Veranstaltungen

Seilroboter mit Passagier

04.09.2015 | Veranstaltungen

Thermodynamik-Kolloquium 2015

03.09.2015 | Veranstaltungen

 
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Nanoperlen für die Stahlschmiede

04.09.2015 | Materialwissenschaften

Unsichtbar und schwarz!

04.09.2015 | Seminare Workshops

Innovative Citizen – Festival für neue urbane Fertigkeiten

04.09.2015 | Veranstaltungsnachrichten