Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Viruskrankheiten an Pflanzen - Pflaumen und Kirschen gefährdet

25.08.2004


Viruskrankheiten sind nicht bekämpfbar. Für den Ackerbauern oder Gärtner gilt dies uneingeschränkt. Keine Chemie hilft. Aber Vorsorge und Forschung. Auf einer Pressekonferenz stellte die Biologische Bundesanstalt einige von mehreren Dutzend Viruskrankheiten an Pflanzen als die derzeitigen Probleme vor. Demnächst kommt ein neuer Stamm des Scharkavirus nach Deutschland, das Kirschen befällt. Bisher befiel das Virus vor allem Zwetschgen, Pfirsiche und Aprikosen. Aber Viren können ihre Erbinformationen durch die besondere Vererbungsweise schnell ändern. Sie können sogar auf andere Kulturpflanzen überspringen.


Scharkavirussymptome an Pflaumen



Scharkavirussymptome an Pflaumen



Viren sind eigentlich gar keine Lebewesen. Sie können ohne einen Wirt nicht atmen und sich auch nicht vermehren. Sie haben keinen Stoffwechsel. Sie können sogar als Kristalle vorliegen. Sie bestehen nur aus RNA oder DNA, also der Erbinformation und haben meistens eine schützende Proteinhülle. Sie können durch Vektoren, wie Blattläuse oder Bodenpilze, in eine neue Pflanze gelangen. Dort befehlen sie der Wirtszelle ihre Erbinformationen zu vervielfältigen. Zusätzlich befehlen sie, neue Hüllen zu produzieren. Damit bringen sie nicht nur die Zelle, sondern die ganze Pflanze und bei Tieren das ganze Tier, völlig durcheinander. Das nennt man Krankheit.

Das Scharkavirus ist so gefährlich, dass es in den USA nach dem 11. September 2001 zu den zehn Pflanzenkrankheiten gerechnet wurde, die das Wohl der Menschen am meisten gefährden könnten. Der Ertrag eines Pflaumenbaums kann sich auf Null reduzieren. Die Pflaumen sehen dann verschrumpelt aus, auch Verfärbungen kommen vor. Sie sind nicht mehr genießbar. Die Pflaumen fallen früher von den Bäumen. Der Bauer kann dann die Bäume nur noch roden, denn ein Heilmittel dagegen gibt es nicht.

Das Scharkavirus wurde vor allem durch den Menschen selbst übertragen, denn der Obstbauer vermehrt seine Baumsorten durch Pfropfung. Die Edelreiser werden auf junge Pflanzen, Sämlinge, gepfropft. Dadurch kann man innerhalb kurzer Zeit Tausende von Pflanzen der gleichen Sorte produzieren. Mit verseuchten Sämlingen wurde in den 60er Jahren die Krankheit in Deutschland verbreitet. Seitdem darf nur noch getestetes, gesundes Pflanzgut aus den "Muttergärten" an die Baumschulen ausgeliefert werden. Und damit bekam man das Scharkavirus in den Griff, gemeinsam mit der Züchtung weniger empfindlicher Sorten. Aber man muss permanent testen und aufpassen. Seit 30 Jahren ist Scharka eine meldepflichtige Krankheit.

Jetzt gibt es neue Stämme, die unsere Obstgärten gefährden. Wissenschaftlich heißt das Scharkavirus Plum pox virus, kurz PPV. Neben PPV-D kommt aus dem Mittelmeerbereich ein neuer, aggressiver Stamm PPV-M. Und außerdem PPV-C, C für Cherry - Kirsche. Dieses Kirschenvirus wurde das erste Mal 1985 in Moldawien gefunden. Auch die Biologische Bundesanstalt in Braunschweig, das Institut für Pflanzenvirologie, wurde aufmerksam. 1990 konnte das Virus in Bulgarien nachgewiesen werden, seit 2001 ist es in Ungarn.

"Wir müssen jetzt extrem aufpassen", sagt Dr. Wilhelm Jelkmann, der kommissarische Leiter des Obstbauinstituts der Biologischen Bundesanstalt, das in Dossenheim bei Heidelberg liegt. "Noch ist das Virus, auch in Ungarn kein Problem, aber wir erwarten spontane Änderungen der Erbanlagen. Wenn ein neuer, aggressiver Stamm auftritt," so Jelkmann, "wer weiß, was dann in unseren Obstgärten passiert."

Das Problem bei Viren ist, dass man rechtzeitig die Gefahr erkennen muss, sonst bricht alles zusammen. Auch im pflanzlichen Bereich können Dimensionen wie bei BSE an Rindern auftreten, nur mit dem Unterschied, dass Pflanzenviren bisher nicht für den Menschen gefährlich wurden. Von Viren ist nur bekannt, dass sie Pflanzen und Insekten befallen können, aber nie Pflanzen und Säugetiere gleichzeitig. (BBA)

Dr. P. W. Wohlers | idw
Weitere Informationen:
http://www.bba.de

Weitere Berichte zu: Erbinformation Kirschen Pflaumen Scharkavirus Virus Viruskrankheiten

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Software-App für optimale Düngergabe
09.11.2017 | Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e.V.

nachricht Win-Win-Situation Arznei- und Gewürzpflanzen + Bestäuber-Insekten
06.11.2017 | Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Im Focus: «Kosmische Schlange» lässt die Struktur von fernen Galaxien erkennen

Die Entstehung von Sternen in fernen Galaxien ist noch weitgehend unerforscht. Astronomen der Universität Genf konnten nun erstmals ein sechs Milliarden Lichtjahre entferntes Sternensystem genauer beobachten – und damit frühere Simulationen der Universität Zürich stützen. Ein spezieller Effekt ermöglicht mehrfach reflektierte Bilder, die sich wie eine Schlange durch den Kosmos ziehen.

Heute wissen Astronomen ziemlich genau, wie sich Sterne in der jüngsten kosmischen Vergangenheit gebildet haben. Aber gelten diese Gesetzmässigkeiten auch für...

Im Focus: A “cosmic snake” reveals the structure of remote galaxies

The formation of stars in distant galaxies is still largely unexplored. For the first time, astron-omers at the University of Geneva have now been able to closely observe a star system six billion light-years away. In doing so, they are confirming earlier simulations made by the University of Zurich. One special effect is made possible by the multiple reflections of images that run through the cosmos like a snake.

Today, astronomers have a pretty accurate idea of how stars were formed in the recent cosmic past. But do these laws also apply to older galaxies? For around a...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

VDI-Expertenforum „Gefährdungsanalyse Trinkwasser"

20.11.2017 | Veranstaltungen

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungen

Roboter für ein gesundes Altern: „European Robotics Week 2017“ an der Frankfurt UAS

17.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Klein aber Fein: Das Designhaus "Frankel" aus England

20.11.2017 | Unternehmensmeldung

Mehr Sicherheit beim Fliegen dank neuer Ultraschall-Prüfsysteme

20.11.2017 | Maschinenbau

Spin-Strom aus Wärme: Neues Material für höhere Effizienz

20.11.2017 | Physik Astronomie