Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Trittins Novelle steht nicht unter Schutz: Forstwirtschaft kritisiert Naturschutzgesetz

13.06.2001

Gut gemeint ist noch lange nicht gut gemacht: Nach wie vor kritisiert die deutsche Forstwirtschaft das neue Naturschutzgesetz. Ein Hauptkritikpunkt ist das Vorhaben der Bundesregierung, ein Biotopverbundsystem einzurichten. Damit sollen in Zukunft die Belange des Naturschutzes auch auf Nutzflächen stärker berücksichtigt werden. Für die Forstwirtschaft könnte das bedeuten, dass bis zu 60 Prozent der Waldfläche nur noch eingeschränkt bewirtschaftet werden dürfen. Sie sieht das bisherige Gleichgewicht aus Nutz-, Schutz-, und Erholungsfunktion des Waldes gefährdet.

Seit über 200 Jahren handelt die Forstwirtschaft hierzulande nach dem Prinzip der Nachhaltigkeit: Es wird nur soviel Holz genutzt wie dauerhaft nachwächst und zugleich so gewirtschaftet, dass auch Boden, Tier- und Pflanzenwelt intakt bleiben. Gelebte und gute fachliche Praxis ist es, naturnahe, artenreiche und stabile Wälder aus standortgerechten Baum-arten aufzubauen und zu erhalten und nur dort planvoll einzugreifen, wo es notwenig und sinnvoll ist. Waldbewirtschaftung in diesem Sinne sichert erst die Schutz- und Erholungsfunktion für die Allgemeinheit.

Nur: All das ist nicht zum Null-Tarif zu haben. Die Einkünfte der Waldbesitzer basieren de facto zu 90 Prozent auf dem Holzerlös, sprich aus der nachhaltigen Nutzung des Waldes. Mit diesen Mitteln müssen aber auch die Aufwendungen finanziert werden, die notwendig sind, eben um die Schutz- und Erholungsfunktion zu erhalten. Ein Kraftakt für viele Waldbesitzer, der schon jetzt oftmals die Grenze der finanziellen Belastbarkeit erreicht. Das Missverhältnis zwischen Einnahmen und Ausgaben würde sich durch eine eingeschränkte Waldnutzung, die das neue Gesetz mit sich brächte, noch verschärfen. Die Anstrengungen der heimischen Forstwirtschaft haben in den vergangenen 40 Jahren einen Waldzuwachs von rund 500.000 Hektar gebracht. Die Gesetzesnovelle wirft nun die Frage auf, ob und wie sich die Forstbetriebe dieses Engagement künftig leisten können.

Die geplante Ausweitung des Naturschutzes berührt auch den Klimaschutz. Neben den Ozeanen sind Wälder die größte CO2-Senke der Erde. Die CO2-Speicherwirkung bewirtschafteter Wälder lässt sich weit über die Lebensdauer der Bäume hinaus verlängern, indem man ihren Rohstoff, das Holz, erntet und verarbeitet. Ob Spielzeug, Möbelstück oder ein komplettes Haus - in jedem Holzprodukt bleibt das klimaschädliche Treibhausgas gebunden.

Fakt ist, dass die deutsche Holzwirtschaft zu einem hohen Prozentsatz auf Importholz angewiesen ist. Holz, das häufig in Plantagen produziert wird, oftmals nicht aus nachhaltiger Forstwirtschaft stammt und über weite Transportstrecken per Schiff, Bahn und Lkw zum Empfänger kommt - inklusive CO2-Emissionen. Das ließe sich einschränken durch die verstärkte Nutzung heimischen Holzes, das auf kurzem Wege vom Produzenten, dem Wald, zum Weiterverarbeiter und sogar bis hin zum Verbraucher gelangen kann.

Mit der Gesetzesnovelle und der Unterschutzstellung weiter Waldflächen ist eine ökologisch, ökonomisch und sozial sinnvolle Holznutzung nicht zu fördern. So stellt sich die Frage, auch angesichts des Weltklima-Gipfels, der ab 16. Juli in Bonn stattfindet, warum das Gastgeberland mit seiner - novellierten - Umweltpolitik nicht sämtliche Möglichkeiten ausschöpft, den CO2-Ausstoß zu reduzieren.

Klaudia Probst | ots

Weitere Berichte zu: Erholungsfunktion Forstwirtschaft Naturschutzgesetz

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Agritechnica: Silber für neue Technologie zur Blütenausdünnung im Obstbau
16.10.2017 | Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)

nachricht Getreide, das der Dürre trotzt
19.09.2017 | Universität Wien

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Im Focus: Breaking: the first light from two neutron stars merging

Seven new papers describe the first-ever detection of light from a gravitational wave source. The event, caused by two neutron stars colliding and merging together, was dubbed GW170817 because it sent ripples through space-time that reached Earth on 2017 August 17. Around the world, hundreds of excited astronomers mobilized quickly and were able to observe the event using numerous telescopes, providing a wealth of new data.

Previous detections of gravitational waves have all involved the merger of two black holes, a feat that won the 2017 Nobel Prize in Physics earlier this month....

Im Focus: Topologische Isolatoren: Neuer Phasenübergang entdeckt

Physiker des HZB haben an BESSY II Materialien untersucht, die zu den topologischen Isolatoren gehören. Dabei entdeckten sie einen neuen Phasenübergang zwischen zwei unterschiedlichen topologischen Phasen. Eine dieser Phasen ist ferroelektrisch: das bedeutet, dass sich im Material spontan eine elektrische Polarisation ausbildet, die sich durch ein äußeres elektrisches Feld umschalten lässt. Dieses Ergebnis könnte neue Anwendungen wie das Schalten zwischen unterschiedlichen Leitfähigkeiten ermöglichen.

Topologische Isolatoren zeichnen sich dadurch aus, dass sie an ihren Oberflächen Strom sehr gut leiten, während sie im Innern Isolatoren sind. Zu dieser neuen...

Im Focus: Smarte Sensoren für effiziente Prozesse

Materialfehler im Endprodukt können in vielen Industriebereichen zu frühzeitigem Versagen führen und den sicheren Gebrauch der Erzeugnisse massiv beeinträchtigen. Eine Schlüsselrolle im Rahmen der Qualitätssicherung kommt daher intelligenten, zerstörungsfreien Sensorsystemen zu, die es erlauben, Bauteile schnell und kostengünstig zu prüfen, ohne das Material selbst zu beschädigen oder die Oberfläche zu verändern. Experten des Fraunhofer IZFP in Saarbrücken präsentieren vom 7. bis 10. November 2017 auf der Blechexpo in Stuttgart zwei Exponate, die eine schnelle, zuverlässige und automatisierte Materialcharakterisierung und Fehlerbestimmung ermöglichen (Halle 5, Stand 5306).

Bei Verwendung zeitaufwändiger zerstörender Prüfverfahren zieht die Qualitätsprüfung durch die Beschädigung oder Zerstörung der Produkte enorme Kosten nach...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

Intelligente Messmethoden für die Bauwerkssicherheit: Fachtagung „Messen im Bauwesen“ am 14.11.2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

Meeresbiologe Mark E. Hay zu Gast bei den "Noblen Gesprächen" am Beutenberg Campus in Jena

16.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

17.10.2017 | Informationstechnologie

Pflanzen gegen Staunässe schützen

17.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Den Trends der Umweltbranche auf der Spur

17.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz